Kerbango Dampfradio fürs Netz
Ob der Wunsch Vater des Gedankens bleibt, kann sich erst zeigen, wenn Kunden das Schaustück tatsächlich im Wohnzimmer haben. Es kursiert schon lange im Netz: Die Internetfirma Kerbango hatte die Idee eines Webradiogerätes in ein Produktionsmuster umgesetzt. In erster Linie ging es der Firma wohl darum, ihr Webradioportal zu promoten, doch der Radioprototyp war zugleich die Verheißung, ohne komplizierten PC Internetradio hören zu können.
Das erste Gerätemuster wurde von RCA gefertigt, doch die kleine Firma Kerbango hätte kaum die Kraft aufgebracht, ein solches Gerätekonzept erfolgreich auf den Markt zu bringen. Vor über einem Jahr kaufte 3Com nicht nur das Radio, sondern gleich die ganze Firma Kerbango und zog mit dem Dampfradio für das Internet von Ausstellung zu Ausstellung.
Diesen Monat kommt der Technikzirkus mit seinem Kerbango-Radio zur Cebit und verspricht hiesige Haushalte ab Herbst 2001 mit diesem ulkigen Gerät zu beglücken. In der Zwischenzeit warten Amazon-Kunden in den USA nun schon etliche Monate auf die Auslieferung der ersten Kundengeräte.
Immerhin ist die hübsche Plastikschale im Gegensatz zu anderen Studien tatsächlich mit Technik bestückt. Doch jeder Monat, der ohne Markteinführung vergeht, lässt die Technik ein wenig älter aussehen.
Kerbango ist die Kombination aus einem normalen UKW-Radio und einem Internetradio. Für den Webbetrieb wird ein ISDN- oder - dank Ethernetadapterkarte - ein DSL-Zugang genutzt. Das Radio kontaktiert den Kerbango-Tuningservice und bietet auf insgesamt 5000 Kanälen Radiostreams an.
Kerbango kann (fast) alles - außer Microsoft...
Ausgewählt wird durch Navigation auf dem kleinen LCD-Bildschirm, der zumindest WAP-ähnliche Inhalte in 16 Graustufen darstellen kann. Auf bescheidenen fünf Stationstasten lassen sich die Lieblingssender abspeichern - das nennt man wohl eine "engere Auswahl".
Im Inneren des Radios werkelt ein 32-Bit Motorola PowerPC mit gemütlichen 81 MHz, der 16 MB-SDRAM , 4 MB-Flash-Speicher und einen 4 MB-ROM-Bereich managen darf. Zusätzliche Slots für künftige Speichererweiterungen sind nicht vorhanden. Unterstützt werden gestreamte Audioinhalte im MP3- und Real-G2-Format.
Klar, der Zugang zum Netzradio wird vereinfacht. Doch weder die immer mehr in Mode kommenden Videoinhalte, noch die das Webradio auszeichnenden Interaktionselemente lassen sich mit Kerbango nutzen. Mit Kerbango wird Webradio zum Radio und bietet - mit Ausnahme einer nicht zu übertreffenden quantitativen Senderauswahl - keinerlei Mehrwerte.
Was die Audioqualität betrifft, tritt das Kerbango-Radio mit seinem eigenen 2-Watt-Verstärker und eingebauten Lautsprechern an, kann aber über den Lineausgang mit der heimischen Stereoanlage verbunden werden. Ein Nachteil ergibt sich aus der im Augenblick noch fehlenden Unterstützung von Microsoft-Audiostreams. Ein nicht zu unterschätzender Teil des Webradioangebots ist deshalb für Kerbango nicht erreichbar.
In den USA wird Kerbango für 300 Dollar angeboten. Ob sich in dieser Preisregion genug Neugierige finden lassen? 3Com tönt optimistisch, das Kerbango-Radio wird ein unabdingbarer Bestandteil des digitalen Heims.
Da sind wir aber mal gespannt.