Klez: Nie wieder ohne - DER SPIEGEL
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Klez Nie wieder ohne

Das Klez-Virus in seiner H-Variante entpuppt sich als äußerst hartnäckiges Ungeziefer. Längst das erfolgreichste Virus aller Zeiten, ist der Schädling nicht klein zu kriegen, obwohl seit Wochen entsprechender Virenschutz vorliegt. Virenforscher wissen, woran das liegt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nein, etwas besonderes ist Klez eigentlich nicht, meint Patrick Heinen, Virenanalyst bei der deutschen Dependance von Symantec. Klez ist einfach ganz besonders effektiv.

Das kann man wohl sagen. Klez geht um die Welt, und zur Verblüffung vieler seit Wochen mit unverminderter Gewalt: Das Virus in seiner H-Variante ist nicht nur das derzeit meistverbreitete, sondern längst auch das "erfolgreichste" Computervirus aller Zeiten - obwohl das stark davon abhängt, wie man "Erfolg" definiert.

Denn im Gegensatz zu Sircam oder Code Red ist Klez eigentlich ein verhältnismäßig harmloser Geselle. Heinen: "Durch Klez-H verursachte Schäden sind bisher nicht bekannt".

Das Virus selbst zerstört gar nichts, vermehrt und verbreitet sich nur mit rasender Geschwindigkeit. Schäden entstehen nur, wenn jemand von einer H-Variante betroffen wird, die huckepack das so genannte Elkern-Virus transportiert. Dann kann es teuer werden: Elkern löscht Datenbestände.

Klez ist variantenreich, kommt in zahlreichen Verkleidungen: "Klez ist polymorph", sagt Heinen, und genau das macht das Virus so gefährlich.

Konnte man vor Jahresfrist noch vor den vergleichsweise einfallslosen, immer gleichen Betreffzeilen bestimmter Virenmails ganz eindeutig warnen - "'I love you' bitte nicht öffnen" - kam Klez vom ersten Tag an in über 120 Gestalten daher. "Es gibt kein Merkmal", sagt Heinen, "an dem man das Virus vor dem Öffnen erkennen kann."

Top 10 der meistverbreiteten Viren, Mai 2002

Kaspersky Labs Sophos MessageLabs Trend Micro
Klez (alle Varianten) Klez-H Klez-H Klez-H
Win95.CIH Elkern-C Klez-E FunLove
Badtrans Badtrans SirCam Nimda-E
Hybris Magistr-B Magistr-B Elkern-D
Trojan PSW Delf Klez-E Hybris Exception.Gen
Sircam Magistr-A Magistr-A Nimda-A
Elkern-C Nimda-A BadTrans Magistr-B
Macro.Word.Cap Nimda-D Yaha-C Klez-E
FunLove Sircam-A Fortnight Nimda-A
Magistr Flcss Gibe-A Sircam-A
Auffällige Unterschiede, auffällige Gemeinsamkeiten: Die Zählweisen der Unternehmen unterscheiden sich teils erheblich, doch an bestimmten Viren kommt man nicht vorbei

Da helfe folglich nur ein aktueller Virenschutz. Den bieten alle Anbieter seit Wochen: Eigentlich - sollte man meinen - sollte Klez längst in die virtuellen ewigen Jagdgründe eingegangen sein.

"Man kann ein Virus nicht völlig ausrotten", widerspricht Heinen. "Manchmal ist es schwer zu glauben, aber es gibt einfach nach wie vor eine Unmenge von Leuten, die völlig ungeschützt im Web unterwegs sind. Oder mit einem veralteten Virenschutzprogramm".

Für Klez sind solcherart ungeschützte Rechner ein gefundenes Fressen. Das Virus aktiviert sich bei jedem Boot-Vorgang neu, versendet sich nicht nur an die E-Mail-Adressen, die es im Adressbuch findet, sondern auch an die Adressen, die es sich im Posteingang zusammensucht. Die Absender dieser Mails werden ohne ihr Wissen oder Zutun augenscheinlich zu Virenversendern - das macht es in der Praxis so gut wie unmöglich, die tatsächlichen Verbreiter des Virus zu identifizieren: Sie gehen in der Masse unter - und verschicken massenhaft Virenmails an alle und im Namen aller, die ihnen Post zukommen lassen. Theoretisch wird ein befallener Rechner so zum Verteiler von Tausenden von Virenmails.

Tückisch ist Klez auch, weil das Virus oft erfolgreich versucht, die Virenschutz-Software eines Rechners außer Gefecht zu setzen. War ein Rechner einmal betroffen, so reicht es nicht mehr, den Virenschutz zu aktualisieren: Hier ist der Einsatz eines "Removal-Tools" vonnöten, das - je nach Hersteller - zum Teil die Reinigung des Windows-Rechners aus dem gesicherten Modus heraus nötig macht. Erst dann lässt sich die Virenschutz-Software reaktivieren. Alle Hersteller halten für ihre Kunden detaillierte Anleitungen bereit, wie dabei vorzugehen ist.

Für Virenfachleute ist Klez nicht mehr als ein Vorbote der Dinge, die da noch kommen mögen: Polymorphe Viren, sagt Heinen, stellen die konkrete Gefahr der unmittelbaren Zukunft dar. Dass es bereits Versuche gegeben hat, "mutierende" Viren zu schaffen, ist ebenfalls bekannt: ein digitaler Alptraum.

Gut fürs Geschäft: Heinen ist sich sicher, das künftig nichts mehr ohne Virenfilter läuft. Die Hersteller solcher Filter werden immer schneller: Gab es vor wenigen Jahren noch monatliche Updates, so kommen diese heute gemeinhin im Wochentakt. Manche Hersteller bieten ihren Geschäftskunden nächtliche automatische Updates. Alle bieten in der Regel nur Stunden nach dem ersten Auftreten eines neuen Virus Online-Updates an: Die funktionieren - gebunden an die Lizenz der erworbenen Software - für eine bestimmte Zeit, ganz wie ein Abonnement. Nach Verstreichen dieser Frist ist in der Regel ein kostenpflichtiges Update fällig.

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