Kombigeräte Nichts Halbes und nichts Ganzes
Schneller, kleiner, effizienter: Auf der Cebit zeigen Forscher, was derzeit technisch machbar ist. Entwicklungen, die in Hannover zu sehen sind, werden vielleicht in ein zwei Jahren die Menschheit voranbringen. Vielleicht aber auch nicht. Denn einige Techniker meinen es zu gut mit dem Fortschritt und entwickeln Geräte, die die Welt nicht braucht.
Und so fragt man sich zum Beispiel bei Kodak: Was ist es denn nun? Eine Digitalkamera mit MP3-Spieler und Videoclipfunktion oder ein MP3-Spieler mit Videoclipkamera, die auch Standbilder produziert? Ganz schlau wird man aus dem Konzept der mc³, die Kodak auf der Cebit präsentiert, nicht. Denn das blau-graue Plastikding kann eigentlich mit keiner seiner drei Funktionen so recht überzeugen.
Auf den 16 Megabyte großen Wechselspeicher des Zwitters passt nach Herstellerangaben gerade mal eine Viertelstunde Musik in CD-Qualität und der Fotofunktion wurde nur eine Auflösung von 640 mal 480 Bildpunkten gegönnt. Da sieht jeder Ausdruck pixelig aus, der größer als eine Kreditkarte ist. Und auch mit der Videofunktion kann die "eierlegende Wollmilchsau" nicht gerade prahlen. Etwas mehr als eine Minute Film passt in guter Qualität auf die mitgelieferte 16 Megabyte-Karte. Und wenn man gerade Lust auf Musik, Video und Foto gleichzeitig hat, muss sich das Funktionstrio auch noch den kargen Speicher teilen. "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", scheint das Motto der mc³ zu sein.
Technisch noch ärmlicher ist die so genannte Wrist Camera von Casio ausgestattet. Bei der gibt es nur schwarz-weiße Bildchen in Briefmarkengröße. Dafür steckt die Knipskiste aber nach James-Bond-Manier in einer digitalen Armbanduhr. Die damit eingefangenen Schnappschüsse "beamt" die Gelenkknipse dann via Infrarotstrahl zum PC. Was man mit den Agenten-Bildchen allerdings anfangen kann, bleibt höchst fraglich. Denn mit einer maximalen Größe von 120 mal 120 Bildpunkten lassen sich höchstens schlechte Passbilder ausdrucken. Die Techniker haben anscheinend zu viel 007 geguckt. Na, Hauptsache, die Uhr tickt immer richtig.
Schmucke Stücke von Big Blue
Und wer dann noch ein Plätzchen am Arm frei hat, kann auch gleich die Schmuckstücke der IBM-Entwickler anlegen. Die haben zu Demonstrationszwecken ein Armband mit E-Mail-Funktion, Ohrringe mit Lautsprechern und eine Kette mit Mikrofon entworfen. Und alles scheinbar aus Nächstenliebe, um "die Anzahl der tragbaren Geräte mit Internetzugang pro User nicht weiter zu erhöhen", wie es in einer Mitteilung aus dem Hause Big Blue heißt. Manchmal wünscht man sich, dass nicht alle multifunktionalen Technikerträume wahr werden.
Multitalentiert zeigt sich auch der Autoradiohersteller Becker mit seinem Prototyp "Online Pro" auf der Cebit. Das gute Stück spielt nicht nur schnöde Musik mit Verkehrsfunkunterbrechung. Es ist auch ein "komplettes Informations-Management-System auf Multimediaebene", wie der Hersteller behauptet. Die Firma will, dass ihre Kunden in Zukunft mit Autoradio und mobilem Webzugang gleich unterwegs das Hotelzimmer buchen und sich den Veranstaltungskalender des Zielortes abrufen.
Viel Spaß beim Surfen! Denn schon der Handy-Webstandard WAP floppte, weil keiner sich die fummelige Bedienung, hohe Kosten für den mobilen Datendienst und das Surfen auf Minidisplays antun wollte. Zumindest das Bedienungsproblem will Becker durch elektronisches Vorlesen von E-Mails und Webseiten lösen. Aber ein einfacher Anruf bei Hotel und Touristeninformation dürfte dem Reisenden auch zukünftig weitaus schneller zur Reservierung verhelfen. Da trifft es sich, dass die Becker-Ingenieure das schon bedacht haben: Ein Funktelefon steckt auch noch im Radio.