Kommerz-Napster: "Mit fünf Dollar sind Sie dabei" - DER SPIEGEL
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Kommerz-Napster "Mit fünf Dollar sind Sie dabei"

Bertelsmann hat einen konkreten Preis für die Nutzung des kommerziellen Nachfolgers der Musiktauschbörse Napster bekannt gegeben. Mit fünf Dollar pro Monat fällt das Angebot überraschend billig aus. Ob der Preis den Dienst wieder sexy macht, muss sich zeigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - In einem Interview mit dem "Stern" machte der neue Napster-Chef Konrad Hilbers erstmals Nägel mit Köpfen. Fünf Dollar pro Monat werde das Angebot kosten. Die Gebühr sei notwendig, um die Urheberrechte von Musikern zu bezahlen. Ansonsten bleibe bei Napster "im Prinzip" aber alles wie bisher, sagte Hilbers, der seit Ende Juli im Amt ist.

Die Napster-Kunden könnten weiterhin ihre eigenen CDs zum Tausch zur Verfügung stellen. Und dann macht Hilbers eine interessante Rechnung auf: Während Napster früher bis zu 70 Millionen Nutzer gehabt habe, könnten mit dem kostenpflichtigen Dienst "schon wenige hundert Teilnehmer ein attraktives Angebot ermöglichen".

Aha?!

Was genau der Napster-Chef damit meint, erscheint ein wenig nebulös. War es früher so, dass die Napster-Nutzer aus Furcht vor der Illegalität nur einen Teil ihrer CD-Sammlung ins Netz gestellt haben? Oder spielt Hilbers auf diejenigen User an, die gerade zu Boom-Zeiten der Börse kaum selbst zum Angebot beitrugen, aber gleichzeitig fleißig Dateien "saugten". Macht der Kommerz-Napster alle Nutzer gleichzeitig zu fleißigen Anbietern? Fragen über Fragen.

Klar scheint indes, dass sich Bertelsmann mit seinem fünf Dollar-Pauschalpreis eher am unteren Ende der bisher avisierten Skala bewegt. Ursprünglich hatte Bertelsmann für den Abo-Service zwei verschiedene Bezahl-Varianten vorgesehen. Für einen Pauschalpreis von drei bis fünf Dollar war eine begrenzte Zahl von Downloads vorgesehen, unbegrenztes Herunterladen von Musiktiteln sollte zwischen fünf und zehn Dollar kosten.

Nachdem sich die Plattenfirmen BMG, EMI und Warner zum Online-Großhändler MusicNet zusammengeschlossen hatten, hatte Bertelsmann diese Überlegungen aber verworfen. Damals hieß es, dass das Herunterladen der Musik von bekannten Künstlern möglicherweise zusätzlich bezahlt werden müsste. Wer auf der Suche nach Songs von Künstlern wie Madonna, den Spice Girls und Whitney Houston gewesen wäre, hätte dann extra zahlen müssen. Diese Plänen scheinen nun vom Tisch zu sein.

" Sag mir quando, sag mir wann"

Wann der kommerzielle Abo-Dienst allerdings startet, ist noch immer nicht klar. Die Vorstellungen von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, der gern am 1. Juli den Startschuss gegeben hätte, ließen sich wegen der seit Monaten andauernden juristischen Auseinandersetzungen von Napster mit der Musikindustrie nicht realisieren. Nun dürfte sich der Beginn der Kommerz-Napsterei auf den Herbst verschieben.

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