Kryptografie RSA-Patent ist frei
Hamburg - RSA ist laut RSA-Security-Vizechef James Bidzos "das erfolgreichste Patent der Geschichte" und hat dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) "mehr Geld gebracht als das Penizillin- und Speicher-Patent zusammen". Das populärste asymmetrische Verschlüsselungsverfahren wurde von seinen Erfindern Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman 1978 veröffentlicht. Sie sind mit ihren Namenskürzeln auch die Namensgeber des Algorithmus.
Mit Hilfe von RSA kann man nicht nur asymmetrisch verschlüsseln, sondern auch digitale Signaturen erzeugen. 1983 erhielt das MIT dafür das Patent Nr. 4.405.829. Die Firma RSA Security erhielt eine Exklusivlizenz, die dieses Jahr auslief. Dabei musste sie an das MIT auch Lizenzgebühren abführen. Das Geld reichte dafür aus, einen eigenen Lehrstuhl am MIT einzurichten, das nur rund zehn Kilometer vom Firmensitz von RSA Security entfernt liegt.
Das RSA-Verfahren beruht auf der Faktorisierung großer Zahlen. Das sind derzeit 300 Dezimalstellen und mehr. Um einen RSA-Schlüssel zu knacken, müsste man aus dem Produkt zweier großer Primzahlen die Primzahlen ermitteln. Das ist die Faktorisierung. Mit wachsender Stellenzahl wird dies immer schwieriger, sogar unmöglich. Allein zur Entschlüsselung einer 428-Bit-Zahl ließen im Jahr 1994 600 Anwender 1600 Rechner acht Monate lang arbeiten. Dabei wurden rund 150 Billiarden Operationen ausgeführt.
Eingesetzt werden heute Schlüssel von Privatleuten mit der Länge von mindestens 1024-Bit, die beispielsweise das beliebte Verschlüsselungsprogramm "Pretty Good Privacy" benutzen. In Europa mussten Nutzer noch nie Lizenzgebühren für RSA zahlen, was RSA Security mit einer restriktiven Lizenzpolitik konterte. So wollte beispielsweise die Deutsche Telekom RSA für ihren Markteintritt in die USA nutzen. RSA Security bot jedoch die Lizenz nicht nur für die USA sondern ausschließlich in Kombination mit der Europalizenz an.
Dabei wurde RSA mit Hilfe des Krypto-Entwicklungstools BSafe nach Auskunft von Bidzos in praktisch alle kryptografischen Anwendungen von Microsoft, Netscape, IBM, Apple, Intel, Nokia und anderen Herstellern integriert und hat sich dort zum Standard entwickelt. Das Entwicklungswerkzeug wurde nach Auskunft von RSA-Security-Chef Art Coviello gegenüber SPIEGEL ONLINE in mehr als 600 Millionen Kopien implementiert.
RSA Security setzt jetzt darauf, dass sich der Algorithmus auch zum Standard im Mobilfunk und in künftigen drahtlosen Internetanwendungen entwickelt. Denn Kryptoentwickler müssen künftig keine Lizenzgebühr mehr für RSA bezahlen. Das Tool BSafe bleibt aber kostenpflichtig, womit die Krypto-Entwickler weltweit auch weiterhin von der Firma abhängig bleiben.
Coviello rechnet deshalb nicht von ungefähr auch künftig mit einem jährlichen Wachstum um 100 Prozent - denn ohne Sicherheit funktioniert auch der Electronic Commerce nicht. Eins ist klar: RSA Security wird auch ohne die Patentlizenzen gut leben.