LCD-Bildschirme: Kampf um Millisekunden - DER SPIEGEL
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LCD-Bildschirme Kampf um Millisekunden

Bei der Beurteilung der neuen Flachbildschirme wird eine Maßeinheit immer wichtiger: die Millisekunde. Bislang waren die "Reaktionszeiten" von Displays höchstens Hardcore-Gamern wichtig - jetzt ist sie zum Qualitätsmerkmal Nummer eins aufgestiegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn man nicht gerade Olympia-Sportler ist, könnten einem Millisekunden eigentlich egal sein. Aber in der Werbung für Computerbildschirme und moderne Flachbildfernseher nimmt dieser Begriff eine immer größere Bedeutung ein. "Das ist derzeit die wichtigste Angabe", sagt Chris Connery von DisplaySearch, einer Abteilung der Marktforschungsfirma NPD Group. In den meisten Anzeigen steht die Millisekunde an oberster Stelle, noch vor Kontrast, Helligkeit und Auflösung.

Technisch geht es bei der Angabe in Millisekunden um die Zeit, die die einzelnen Kristalle eines LCDs (Liquid Crystal Display - Flüssigkristallbildschirm) brauchen, um von einem Zustand in den anderen zu wechseln. Gemessen wird die Änderung der Helligkeit eines Bildpunkts, eines Pixels. Für den Konsumenten heißt das, je schneller die einzelnen Pixel umschalten, desto schärfer ist das Bild. Gerade bei schnellen Wechseln kann es sonst bei LCDs zu Unschärfen kommen.

Wie schnell ist das menschliche Auge?

Der technische Fortschritt war in den vergangenen Jahren so rasant, dass die Reaktionszeit so weit reduziert wurde, dass der durchschnittliche Nutzer kaum noch einen Unterschied zwischen verschiedenen Produkten bemerkt, wie auch Experten einräumen. Lag der Standard vor drei Jahren noch bei 25 Millisekunden, so sank er bis Ende vergangenen Jahres bei LCD-Monitoren für Computer auf acht und für LCD-Fernseher auf 16 Millisekunden.

In diesem Jahr werden schon zwei Millisekunden bei Computerbildschirmen erreicht, bei den LCD-Fernsehern kristallisieren sich acht Millisekunden als neuer Standard heraus. "Die meisten Menschen könnten aber nicht sagen, ob der Bildschirm zwölf oder eine Millisekunde hat", sagt Connery.

Eine Reaktionszeit von 16 Millisekunden entspricht ungefähr den 50 Halbbildern pro Sekunde, die eine normale Fernsehsendung hat und bei denen es theoretisch keine Unschärfen mehr gibt. Nach Ansicht einiger Hersteller und Experten ist ein Unterschied zwischen 16 und acht Millisekunden aber durchaus noch wahrnehmbar. "Sie haben definitiv ein besseres Bild, das gilt besonders für Action-Filme und Sport", sagt Ali Atash von Samsung.

Unter acht Millisekunden werde es schwer, da sei der Unterschied vermutlich nur noch von Computerspielern wahrzunehmen, die mit sehr schnellen Bewegungsabläufen zu tun haben, sagt Erik Willey vom LCD-Hersteller ViewSonic.

Mit eigenen Augen urteilen

Trotzdem setzen die Firmen weiter auf die Millisekunden als Werbeargument. Dabei geht es auch um den Wettbewerb mit den Plasma- und den älteren Röhrenbildschirmen, bei denen das Unschärfeproblem nicht auftritt.

Gemessen wurde früher nur die Zeit, die ein Pixel braucht, um von ganz Schwarz zu ganz Weiß zu wechseln. Da die meisten Filme und Spiele aber vor allem zwischen Graustufen wechseln, wird inzwischen auch oft die Zeit von Grau zu Grau gemessen, was schneller als die Schwarz-Weiß-Reaktion sein kann. Manche Hersteller geben deshalb inzwischen auch beide Werte an, was die Sache für den Konsumenten nicht unbedingt übersichtlicher macht.

Und was empfehlen die Experten? Sie raten auf Kontrast, Auflösung und Helligkeit zu achten, die für ein Bild oft wichtiger sind als die Millisekunden. Auch die Frage, welche Anschlüsse ein Bildschirm oder Fernseher habe, könne eine wichtige Rolle bei der Auswahl des richtigen Geräts spielen. Und was wahrnehmbare Unschärfen betrifft, da "sollten die Verbraucher mit ihren eigenen Augen urteilen", empfiehlt Connery.

Von May Wong, AP