Linux auf der Cebit: Zwischen Rummel und Big Business - DER SPIEGEL
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Linux auf der Cebit Zwischen Rummel und Big Business

Nicht zuletzt durch das massive Engagement von Industrieriesen wie IBM steht Linux auf der Cebit im Mittelpunkt des Interesses. Doch vor allem kommerzielle Anwender wollen genau wissen, welche Vorteile ein Umstieg bringt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Obwohl immer mehr Firmen und Privatanwender inzwischen Linux einsetzen steht Linux auf der Cebit 2001 vor einer gewaltigen Herausforderung. Denn mit der wachsenden Popularität des Systems wollen insbesondere die kommerziellen Anwender wissen, ob der "Hype" um Linux gerechtfertigt ist und sich der Einsatz des Systems auch unter den harten Gesetzen des Wettbewerbs rechnet.

Der finnische Student Linus Torvalds hatte 1991 die Linux-Bewegung quasi zufällig gegründet, als er sich aus Ärger über bestehende Computer ein eigenes Betriebssystem schrieb und seine Arbeit ins Internet stellte. In diesen Tagen könnte es Torvalds schon schwindelig werden, wenn er beispielsweise hört, dass IBM, der größte Computerkonzern der Welt, im Jahr 2001 allein eine Milliarde Dollar investieren wird. Selbst von Microsoft erntete Torwalds indirekt Lorbeeren: Im Januar bezeichnete Steve Ballmer Linux als das größte Problem des Software-Riesen für die Marktposition von Windows.

"Linux kann für Business-Anwendungen das bedeuten, was das Internet für die Netzwerke und die Telekommunikation getan hat", verkündete IBM-Chef Louis Gerstner im vergangenen Dezember und stellte 1500 Entwickler für die Arbeit an Linux ab. Auf der Cebit in Halle 1 präsentiert "Big Blue" nun die ersten Resultate der Initiative und zeigt Linux auf allen denkbaren Systemen - vom großen Enterprise-Server bis zu einer intelligenten Linux-Armbanduhr mit drahtlosem Netzwerkanschluss.

Das Engagement von IBM stellt das gewichtigste Beispiel dar, wie die bislang wenig kommerziell ausgerichtete freie Gemeinschaft der Linux-Gemeinde plötzlich und ungefragt Verstärkung durch eine Truppe fest angestellter Programmierer erhält. IBM hofft, dass etliche Software-Hersteller diesem Beispiel folgen und ebenfalls Programme und Lösungen für Linux auf den Markt bringen, um das Fundament der Linux-Plattform immer größer werden zu lassen. Dabei hat IBM nicht nur den Erz-Konkurrenten Microsoft mit seinem Windows-System im Visier. Im oberen Marktsegment möchte IBM die Vorherrschaft von Sun Microsystems brechen.

Bald auch PC-Systeme mit vorinstalliertem Linux

Schwieriger sieht die Lage für Linux im Bereich der PCs für "Otto Normal- Anwender" aus. Zwar sind Linux-Betriebssysteme wie das neue SuSE Linux 7.1 deutlich leichter zu installieren als frühere Versionen. Doch an manchen Ecken und Enden dürften normale PC-Nutzer mit dem komplexen System überfordert sein. Das wird sich erst ändern, wenn PCs bereits mit Linux vorinstalliert auf den Markt gebracht werden. Auf der Cebit sollen solche "Preload"-Linux-Rechner vorgestellt werden. Doch ob die Vorinstallation allein ausreicht, um deutlich mehr User zu gewinnen ist nicht sicher. IBM konnte Mitte der Neunziger mit einer ähnlichen Marketingstrategie für das Betriebssystem OS/2 nur mäßige Erfolge feiern.

Und selbst wenn das Linux-System ohne Mucken läuft, werden viele Anwender bekannte Programme aus der Windows-Welt vermissen. Das reicht von Adobe Photoshop über Microsoft Office bis hin zu privaten Finanzprogrammen wie Quicken oder bestimmten Computerspielen. Doch Vertreter von Linux-Firmen wollen dieses Argument nicht gelten lassen: "Wofür brauchen die meisten Menschen einen PC? Sie wollen im Web surfen, E-Mails lesen und senden, Chatten oder einen Brief schreiben", sagt Dirk Hohndel, Technologie-Chef der SuSE Linux AG in Nürnberg. "Für all diese Aufgaben gibt es hervorragende Lösungen unter Linux. Und mit einem Programm wie StarOffice von Sun kann ich auch Dokumente aus der Office-Welt von Microsoft lesen und bearbeiten."

Kann Linux vom Registrierungszwang für Microsoftprodukte profitieren?

Hohndel glaubt, dass künftig viele Privatanwender von Windows auf Linux umsteigen werden, wenn die Folgen der Zwangsregistrierung der Windows- und Office-Produkte von Microsoft sichtbar würden, mit der der Softwareriese das Raubkopieren seiner Produkte verhindern möchte. "Microsoft ist eine absolute Marktmacht, doch die Zwangsregistrierung wird bei den Kunden auf entschiedenen Widerstand stoßen. Die Zeit der Monopole ist nämlich vorbei."

Christoph Dernbach, dpa

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