Linuxtag Absolute Sicherheit wird es nie geben
Stuttgart - Sicherheit beim Einsatz von Computern und vor allem im Internet wird immer wichtiger. Das Thema hat in seinen vielen Facetten auch den Linuxtag in Stuttgart beschäftigt, die größte Messe und Konferenz rund um das freie Betriebssystem Linux und Freie Software. Immer mehr Internet-Surfer wickeln ihren Datenverkehr im Netz mit dem Betriebssystem Linux ab.
Sicherheit vor Angriffen auf den Computer betrifft bei Linux im Wesentlichen den Server-Bereich. Viren wie "I love you" kennt Linux so gut wie nicht, erklärte Detlef Langrock von der Firma AntiVir. Rund ein dutzend Trojanische Pferde seien bekannt. Programme, die zum Beispiel Passwörter ausspähen sollen. Antiviren-Programme seien also vor allem für Server gedacht, etwa Mail-Server, die elektronische Post verteilen. Hier könne ein Antiviren-Programm aber auch alle Schädlingsprogramme herausfiltern, die zum Beispiel in Windows-Computern Schäden verursachten.
In dieselbe Richtung, nämlich auf den Servermarkt, zielt auch Hewlett-Packard mit seinem Programm WebQoS, das es inzwischen auch für Linux gibt. Dieses Programm sorgt dafür, dass der Server nicht wegen Überlastung seine Arbeit einstellt. WebQoS steuert die Anfragen, die der Rechner bearbeitet. Mit WebQoS wären die Rechner von Amazon und anderen Internetfirmen im Frühjahr nicht bei Denial-of-Service-Attacken in die Knie gegangen, hieß es.
Bei solchen Attacken wird ein Rechner mit unsinnigen Anfragen überschüttet, bis er zusammenbricht. WebQoS kann diese Anfragen herausfiltern und die Kunden von Online-Shops gezielt bedienen: Ein Kunde, der noch etwas sucht, bekommt ein bisschen Rechnerleistung. Wer schon etwas in den Warenkorb gelegt hat, bekommt etwas mehr, und wer schon die Kreditkartennummer zum Bezahlen eingegeben hat, wird mit absoluter Priorität behandelt.
Mit grundlegenderen Fragen zur Sicherheit im Internet und zum Einsatz von Freier Software befasste sich eine Podiumsdiskussion auf dem Linuxtag. Dabei ging es vor allem darum, ob Freie Software in diesem Bereich mehr zur Sicherheit beitragen kann. Vertreter der Freien Software bejahten dies natürlich. Sie verweisen darauf, dass solche Programme - gerade weil sie allen offen vorliegen - vielfach überprüft und auch sorgfältiger programmiert sind.
Kein Programm ist absolut sicher
Dem stimmten die Vertreter von Politik und Wirtschaft nur mit Einschränkungen zu. Sie bestätigten, dass es viele freie und kostenlose Sicherheitsprogramme gebe, die besser seien als etliche teure kommerzielle Programme. Hans Brandl von Infineon Technologies und Dirk Kuhlmann von Hewlett-Packard wiesen aber darauf hin, dass ein unbekannter Programmcode noch eine zusätzliche Hürde bei Angriffen darstellen könne. Einig waren sich dann alle wieder darin, dass es kein absolut sicheres Programm gebe und deshalb auch absoluten Schutz nicht geben könne.
Was aber vor allem fehle, beklagte Hubertus Soquat vom Bundeswirtschaftsministerium, sei ein breites Bewusstsein für die Gefahren. Vielen Menschen sei gar nicht klar, wie groß diese gerade im Internet seien. Hier gelte es noch in allen Bereichen das Bewusstsein zu schärfen.