"Love-Bug" Programmierte ein Deutscher das Liebes-Virus?
Stockholm - Der schwedische Virus-Experte Fredrik Björck erklärte in einem Interview mit einer schwedischen Nachrichtenagentur, er habe bereits drei Stunden nach den ersten Meldungen über die Existenz des Virus einen deutschen Austauschstudenten in Australien als Urheber ausmachen können. Der Deutsche mit dem Usernamen "Michael" habe sich durch Spuren in Newsgroups verraten.
Björck hatte bereits im vergangenen Jahr als Forscher am systemwissenschaftlichen Institut der Universität Stockholm der amerikanischen Bundespolizei FBI bei der Rückverfolgung des Virus "Melissa" helfen können. Nach seiner Darstellung hat "Michael" das "I love you"-Virus auf den Philippinen aktiviert, was aber nicht unbedingt bedeute, dass er sich auch auf der Pazifikinsel befunden habe.
Schon kurz nach Beginn der weltweiten Ausbreitung des "Love-Bug" waren die Philippinen immer wieder als Ausgangspunkt der Virusattacke genannt worden. Dort verdächtigen die Behörden einen nicht näher identifizierten 23-Jährigen als Urheber. Auch das FBI fahndet nach dem Schöpfer des Virus.
"I love you" hatte seit Donnerstag weltweit Millionen von Rechnern befallen. "Es ist das bösartigste, schädlichste, teuerste und am schnellsten um sich greifende Virus in der Computergeschichte", sagte Peter Tippett von der US-Computersicherheitsfirma Icsa.net. Allein in Nordamerika dürfte ein Schaden von einer Milliarde Dollar entstanden sein. Auch die Computersysteme des US-Verteidigungsministeriums und einer anderen Sicherheitsbehörde waren betroffen. Ein Pentagon-Sprecher erklärte jedoch, dies habe keine Auswirkungen auf militärische Operationen gehabt.
Inzwischen haben sich nach Angaben des Softwareunternehmens F-Secure mindestens acht weitere Varianten des bösartigen Computerprogramms im Internet verbreitet. Als besonders gefährlich gilt eine mit dem Betreff "Mother's Day" versehene Version, weil sie Dateien überschreibt, die der Rechner nach dem Einschalten zum Starten benötigt. Die Hersteller von Anti-Viren-Software erwarten weitere Mutationen des "I love you"-Virus, dessen Programmcode von Trittbrettfahrern auch ohne tiefer gehende Kenntnisse geändert werden kann.
Die "Welt am Sonntag" berichtete unterdessen über Pläne der Bundesregierung, die Verbreitung von Computerviren unter Strafe zu stellen. Die Zeitung berief sich dabei auf die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Brigitte Zypries (SPD). Angesichts der grenzüberschreitenden Struktur des Internet mache eine gesetzliche Regelung aber nur Sinn, wenn sie international abgestimmt sei, sagte Zypries dem Blatt.