Lowtech: Dynamo fürs Handy - DER SPIEGEL
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Lowtech Dynamo fürs Handy

Das ist mal wieder typisch: Mitten im Gespräch gibt der Handy-Akku auf. Wohl dem, der nun einen Notstromgenerator dabei hat. Schnell die Kurbel ausgeklappt, ein paar Minuten dran gedreht - und schon steht man im Rampenlicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Guck mal", sagt die kleine Blonde zu ihrer Mama, "was der Mann da macht!" Nicht nur Mama guckt. Das leise Sirren des Dynamos weckt Aufmerksamkeit, und wer hinschaut, guckt so schnell nicht wieder weg: Vor mir liegt mein steinzeitliches Nokia-Handy, schwarz und schwer, Stummelantenne, knapp SMS-fähig und garantiert schwach auf der Brust. Ständig geht dem Knochen der Saft aus, doch das ist nun vorbei. Denn - PocketGenerator  sei Dank - nun werden Standby- und Telefonierzeit allein noch von der Kapazität meines Bizeps begrenzt.

Das Nokia-Relikt ist über ein dünnes Kabel mit einem fast Apple-haft durchscheinenden, blauen Plastickblock verbunden. Der verfügt über eine schwarze Handkurbel, mittels derer ich nun geduldig meinen Akku wieder auflade: Sirrrrrrrrrrrr...

Und feststelle, dass Lowtech in ist. Jedenfalls lächelt alles um mich herum ganz freundlich.

Kamera-, MP3-, Mutifunktions-Multimedia-Hightech-Handys? Sowas erntet doch nur dicke Gähner! Erst der Handgenerator beschert dem Handynutzer wieder die Aufmerksamkeit, die er Anfang der Neunziger genoss, als die Dinger noch so viel wie eine Hantel wogen.

Als "Handy-Notladegerät mit integrierter LED-Photonenleuchte" bewirbt der Vertrieb bescheiden das Stückchen Lowtech und weist darauf hin, dass dieses "keine Batterien" brauche. Natürlich nicht: Bei 2,5 Umdrehungen pro Sekunde erzeugt das Ding ja selber Ladestrom, und schon nach drei Minuten Kurbeln kann man wieder zwei bis acht Minuten telefonieren.

Die Angaben aus dem Prospekt bestätigen sich im unerbittlichen Praxistest. Der Akku füllt sich langsam, aber stetig, parallel dazu bessert sich die soziale Kontaktsituation im Testcafé. Anfänglich abfällig belächelt wird der Taschengenerator fluggs von mehreren Probanten als "cool" bezeichnet, obwohl er sich beim Drehen merklich erwärmt.

Doch das Zeitalter der Multifunktionsgeräte macht auch vor meiner Kurbelkiste nicht halt. Schließt man das Kabel nicht ans Handy an, mutiert das kleine Gerät zur Taschenlampe. Hell leuchtet das Photonenlichtlein als wackerer Helfer auf dem holprigen Weg zum unbeleuchteten Ferienhaus. Nur bei der Suche nach dem Schlüssel wird es haarig: Wer aufhört zu drehen, steht im Dunkeln. Es gibt Produkte, die glaubt man kaum.

Frank Patalong

PocketGenerator
Vertrieb: Astromedia
Preis: 9,95 Euro
Erhältlich für Nokia, Ericsson, Motorola und Siemens-Handys