Mac Expo in Köln "Boah! Voll geil!"
"Vielen Dank und einen schönen Tag." Die junge Frau am Eingangsschalter der Mac Expo schaut mich lächelnd an und überreicht mir mein Hand geschriebenes Presseschildchen. Fast erschrecke ich über so viel Freundlichkeit und muss unweigerlich an vergleichbare Situationen an den Eingängen von Funkausstellung oder CeBIT denken, wo Pressevertreter nicht selten ein Gefühl wie bei der illegalen Einreise in die USA beschleicht. Freundlich wirft auch der ältere Herr am Eingang in die Halle einen Blick auf mein Schild, und dann bin ich "drin" im Apple-Wunderland.
Körper-Kult
Die "einzige Messe auf deutschem Boden für alle deutschsprachigen Mac-User" (Werbung des britischen Veranstalters) füllt eine Halle des Messegeländes in Köln-Deutz. Gleich in den ersten Minuten fällt es auf: Die allermeisten Besucher und Aussteller wirken, als hätten sie tatsächlich gute Laune. Da wirkt nichts aufgesetzt, da wird nicht geschäftsmäßig gegrinst, die Leute scheinen einfach gut drauf zu sein.
In den Gängen und an den Ständen wird gefachsimpelt, gestaunt und geprüft, in den Seminar-Bereichen wird interessiert zugehört und engagiert erklärt - es ist eine eigene, kleine Welt. Ich fühle mich nackt und fast schon wie ein Außenseiter, denn der Besitz eines "iPod" scheint Pflicht zu sein. Bei Besuchern und Standpersonal lassen sich geradezu Studien darüber treiben, an welchen Stellen des Körpers ein solcher tragbarer Musik-Player überall befestigt werden kann. Und immer wieder laufen mir sogar Menschen mit gleich zwei der Geräte am Körper über den Weg - schließlich gibt es den iPod seit kurzem auch in einer Mini-Version und diversen Farben.
Musikladen
Musik ist das beherrschende Thema der Messe. Kein Wunder, denn schließlich eröffnete Apple-Boss Steve Jobs unlängst auch die ersten europäischen Filialen des Download-Portals "iTunes Music Store" im Internet. Wirklich aufgeregt scheint darüber aber offensichtlich niemand mehr zu sein, und so hält sich auch der Andrang vor den Macs, auf denen der Music Store zu sehen ist, in Grenzen.
"Sind aber doch noch ziemlich wenig Titel drin." Wirklich begeistert wirkt der junge Mann nicht, der den Apple-Mitarbeiter mit dieser Kritik konfrontiert. Fast komme ich mir vor wie der unbedarfte Zuschauer bei einem illegalen Hütchen-Spiel, für den der Spieler mit Eingeweihten eine Gewinnsituation simuliert, um den Zuschauer zum Mitspielen zu animieren. Der junge Mann scheint die Antwort des Apple-Mannes nämlich schon zu kennen und beginnt bereits bei dessen ersten Worten verständnisvoll zu nicken: "Fast jeden Tag kommen neue Titel dazu. Als ich heute geschaut habe, war das Angebot schon wieder deutlich größer als gestern."
Smart Music
Mitten auf dem Stand eines Apple-Händlers steht ein weißer Smart, eine junge Frau verteilt Info-Material. An diesen Anblick hat man sich schon gewöhnt: Schließlich muss die überdachte Vespa immer wieder für Promotion-Aktionen von Sonnenstudios oder Partei-Ortsgruppen herhalten. Aber dieser Smart gehört tatsächlich auf eine Mac-Messe. Die Wortwurst "smart fortwo cabrio edition i-move", verrät dabei zwar noch nicht allzu viel. Ein Blick ins Interieur erklärt das "i-" dann aber schnell: Ein iPod mit Smart-Gravur auf der Rückseite ist "on board".
Er steckt in einer eigens entworfenen Konsole, die sich nahtlos ins an den iPod angepasste Innenraum-Design des dachlosen Wägelchens einfügt. Die Konsole stellt den Kontakt zu Musikanlage und Bordnetz her und lädt den Player auch gleich auf. Als "iPod Car Kit" können aber auch Schon-Besitzer eines Smart den iPod nachträglich einbauen.
Smart Drive
Wesentlich stärker umlagert als der weiße ist hingegen ein schwarzer Smart, der nicht weit entfernt steht und sich hin und her wiegt, als wolle da im Innenraum jemand die Stoßdämpfer testen. Die Frontscheibe ist abgeklebt, eine weiße Tastatur im Beifahrer-Raum montiert, das Straßen-Bild wird auf die Innenseite der Frontscheibe projiziert, sogar ein Motoren-Geräusch ist zu hören.
Bei diesem "Smart Mover" genannten Vehikel handelt es sich um einen mobilen Fahrsimulator, den sich die Berliner Firma Curious gemeinsam mit der Design- und Ideenabteilung des Wohnmobil-Herstellers Hymer ausgedacht hat. Fahrschulen, Messe-Veranstaltern oder Automobil-Herstellern soll das Konzept, das sich schnell auch auf andere Autos übertragen lässt, einen Fahrsimulator zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten bescheren. Basis ist hier allerdings ein PC - was die meisten Besucher aber nicht davon abhält, selbst eine virtuelle Runde zu drehen.
W-Lan kann HiFi
Natürlich sind in Köln auch die Hardware-Neuheiten zu sehen, die Apple in den letzten Wochen angekündigt hat. Das Innenleben des ersten wassergekühlten Power Macintosh G5 kann bestaunt werden - die meisten Besucher scheinen das Gerät aber bereits zu kennen und interessieren sich weniger für die Kühlung als vielmehr für die "Performance": "Boah!" entfährt es einem Jünger, der die Grafik-Fähigkeiten des neuen Doppelprozessor-Topmodells mit Wasserkühlung ausprobiert. "Voll geil!"
Auch die kleine W-Lan-Station mit Audio-Anschluss "Airport Express" ist zu sehen. Eingeklinkt in ein drahtloses "Airport"-Netz lassen sich damit Musiktitel aus der Musik-Software "iTunes" heraus vom Mac aus an eine HiFi-Anlage schicken. An sich nichts Welt bewegendes und Einzigartiges. Ein weiteres Mal haben die Apple-Strategen aber eine Idee konsequent zu einem in die Zeit passenden und auch noch ansprechend aussehenden Produkt gemacht, das ganz unaufregend einfach nur funktioniert.
Apfelschmusen
Apple ist endgültig aus der Nische getreten, in die die Firma viele IT-Experten in den letzten Jahren immer wieder gestellt haben. Wohl kaum eine Firma der IT-Branche konnte in den letzten, für die Branche äußerst schwierigen Monaten, so viele interessante und durchdachte Produkte auf den Markt bringen wie Apple. Kein Wunder also, dass inzwischen auch wieder große Unternehmen wie Canon, Hewlett Packard, Microsoft oder Telekom gerne mit dem einstigen Außenseiter auf Schmusekurs gehen und daher allesamt auch in Köln mit eigenen Ständen vertreten sind.
Und selbst die eingefleischten Apple-Anhänger scheinen sich allmählich zu entspannen, nachdem man zum Beispiel als Journalist lange mit übelsten Beschimpfungen rechnen musste, wenn man schlecht über Apple, die Produkte oder gar den Guru Steve Jobs schrieb. Die Stimmung auf der Mac Expo in Köln ist jedenfalls ausgezeichnet, selten war ein Messebesuch so wenig anstrengend wie dieser. Wer sich davon überzeugen will: Noch bis einschließlich Samstag ist die Veranstaltung geöffnet.