Machtprobe Vodafone fordert Handy-Hersteller heraus
Newbury/Helsinki - Die Werbekampagne für den neuen Dienst, "Vodafone Live" genannt, wird offenbar bereits im Oktober anrollen. Europaweit geschaltete TV-Spots sollten dann erklären, wie Kunden die neuen Dienste und die Icons der Programmoberfläche benutzen können - das berichtet das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf informierte Kreise. Dem Bericht zufolge ähnelt der neue Vodafone-Service für Handys mit Farbdisplay dem beliebten i-mode-Dienst des japanischen Mobilfunkanbieters NTT DoCoMo.
Vodafone will die Handy-Hersteller offenbar dazu bewegen, die für "Vodafone Live" nötige, unternehmenseigene Software auf ihren Geräten einzurichten. Sie werde unter anderem Bilderversand, Spiele und Suchdienste unterstützen. Damit wollen es die Briten wohl den Japanern gleichtun und die Machtverhältnisse auf dem Handy-Markt umkehren. In Fernost sind Kunden, die sich für i-mode interessieren, gezwungen, zunächst einen Vertrag mit DoCoMo abzuschließen. Typischerweise wählen sie erst danach eines der Handy-Geräte aus, die DoComo anbietet.
In Europa tendieren Kunden eher dazu, sich zunächst für einen bestimmten Handy-Hersteller zu entscheiden - und dann denjenigen Netzanbieter zu suchen, der das betreffende Handy am günstigsten anbietet. Davon profitiert vor allem Nokia. Die Finnen verkaufen in Europa über fünfzig Prozent aller Handys.
Vodafone will nun laut "Journal" erreichen, dass alle Mobiltelefone seiner Kunden auf die gleiche Weise funktionieren - egal, ob sie von Motorola, Samsung, Siemens oder anderen Produzenten stammen. Damit wolle Vodafone seine Kunden stärker an die eigene Marke binden. "Vodafone Live"-Nutzer sollten sich so sehr an die spezifische Oberfläche gewöhnen, dass sie beim nächsten Mal zum Kauf-Argument wird.
Mit der neuen Software würde Vodafone zum direkten Konkurrenten Nokias, da auch die Finnen eine eigene Handy-Software entwickelt und im Rahmen von Lizenzverträgen bereits an Hersteller wie Samsung und Siemens weiterverkauft haben. Mit der eigenen Software wehren sich die Finnen auch gegen den Microsoft-Konzern, der ebenfalls mit einem Handy-Betriebssystem auf den Markt drängt.
Da derzeit rund 90 Millionen Abonnenten der Vodafone-Kundenkartei stehen, verfügt der Mobilfunkriese über ein wichtiges Druckmittel, um Telefonhersteller zu konformen Verhalten zu bewegen. Bisher scheinen die Briten aber noch nicht mächtig genug zu sein, um Nokia ihren Willen aufzuzwingen: Nokia wird dem "Journal" zufolge zwar die Vodafone-Software auf seine Handys aufspielen. Trotzdem würden die Geräte weiter das Nokia-Logo anzeigen. Bei allen anderen Handy-Herstellern, die sich bisher mit den Briten geeinigt hätten, werde aber das Vodafone-Logo im Mittelpunkt stehen, so der Bericht.