Macworld vs. CES: Apples Schatten über Las Vegas - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Macworld vs. CES Apples Schatten über Las Vegas

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas eilt von Rekord zu Rekord. Was die Bedeutung betrifft, hat sie die Cebit längst überholt. Nur einer könnte der CES noch die Show stehlen: Apple-Chef Steve Jobs, wenn er heute Abend auf der Macworld in San Francisco etwas ganz Neues aus dem Ärmel zieht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Laut ist gar keine Beschreibung. An manchen Ständen auf der Consumer Electronics Show (CES) haut es einem regelrecht die Ohren weg. Wenn die Displays schon immer größer werden, dann muss auch der Ton mitziehen. Und so lassen es die Aussteller richtig krachen - etwa die Blu-ray Disc Association, die auf einem eigenen Messestand Hollywood-Trailer in High Definition zeigt.

Die CES ist nicht einfach nur eine Messe, auf der man sich trifft und austauscht - sie ist eine Show, auf der sich die IT-Branche inszeniert. So gesehen, kann die CES eigentlich nirgendwo anders als in Las Vegas stattfinden. Mit bizarren Folgen: Wer zur Keynote von Bill Gates will und die falsche Rolltreppe im Tagungszentrum des Hotels "Venetian" nimmt, landet direkt im Spielcasino.

Zocker sind aber nicht die einzigen Zaungäste. Am Mittwoch beginnt direkt neben der CES die Pornomesse AVN Adult Entertainment Expo. Hier die Toys for Boys, da die Gadgets - in Las Vegas kein Problem. Womöglich erschließen beide Veranstalter auch einfach nur geschickt Synergien zwischen Nerds und Pornokonsumenten.

Wer die CES zum ersten Mal besucht, fühlt sich schnell überfordert: Die Messe ist über mehrere Orte in der Stadt verteilt, die mangels U- oder S-Bahn nur mit Shuttle-Bussen und Taxis zu erreichen sind. Und diese stehen mit Garantie im Stau - schließlich ist ja Messe. Da ist Laufen oft die beste Alternative. Oder die Einschienenbahn, vor der sich allerdings häufig lange Schlangen bilden.

Im Vergleich zur CES wirkt die Cebit geradezu perfekt organisiert. In Hannover gilt jede Eintrittskarte gleichzeitig für Busse und Straßenbahnen. Und diese fahren so häufig, dass man tatsächlich schnell zum Messegelände kommt und wieder zurück. In Las Vegas ist das anders.

Aber Perfektion ist nicht alles, was zählt. Die CES hat die größte Messe der Welt in Hannover längst abgehängt - zumindest in Fragen der Consumer Electronics. Die einst prosperierende Cebit entwickelt sich sogar immer mehr zum Sorgenkind der Deutschen Messe AG. Ein namhafter Hersteller nach dem anderen streicht die Segel. In einzelnen Messehallen werden ganze Bereiche nicht mehr vermietet und bleiben leer. Die einstige Leitmesse Cebit wird von der CES und der nun jährlich stattfindenden Internationalen Funkausstellung in Berlin regelrecht in die Zange genommen. Und boomende Bereiche wie die Digitalfotografie ziehen sich auf Spezialmessen zurück - siehe Photokina.

Die CES: Nutznießer der Cebit-Home-Lücke

Jetzt rächt sich, dass die Messeleitung in Hannover sich nie so recht zur Unterhaltungselektronik bekennen wollte - vor allem, um nicht als Publikumsmesse zu gelten. Weil sich die für Privatbesucher attraktiven Aussteller immer mehr zurückziehen - muss die Cebit sogar Schulklassen auf das Messegelände einladen, damit die Besucherzahlen nicht so stark einbrechen.

Die CES hingegen platzt aus allen Nähten. Zum 40-jährigen Jubiläum in diesem Jahr stellte die Schau neue Rekorde auf: Nie zählte sie mehr Aussteller (2700), nie zuvor belegte sie eine größere Fläche (170.000 Quadratmeter). Die Zahlen sind im Vergleich zur Cebit zwar klein, doch wichtige Produktneuheiten verkünden die Branchenriesen trotzdem lieber in Las Vegas.

Und auch wenn das Verkehrskonzept große Schwächen hat, bei der Präsentation ihrer Produkte verzichten die Unternehmen keinesfalls auf Perfektion. Damit der CEO in der Pressekonferenz auch nichts Falsches sagt, liest er seine Rede wie im Fernsehen vom Teleprompter ab. In fast jedem CES-Saal stehen hinter der letzten Sitzreihe große Displays, auf denen die Rede angezeigt wird. Nichts bleibt dem Zufall überlassen - jedes "Thanks Bill" und "Hallo Karen" ist vorgegeben.

Show ist alles, alles ist Show

Den Vogel schoss die Firma Panasonic ab, die auf der Bühne ein Interview zwischen Moderator und Manager imitierte, bei dem sowohl die Fragen als auch die Antworten komplett vom Teleprompter abgelesen wurden. Absurderweise war das wiederum ganz hilfreich, denn so konnte man das japanisch gefärbte Englisch tatsächlich verstehen - durch paralleles Mitlesen.

Die CES sei die "Geburtsstätte für die neuesten, coolsten und wichtigsten Produkte, Dienste und Inhalte", sagte Gary Shapiro, Präsident der Consumer Electronics Association (CEA), in seiner Keynote am Montagmorgen. Die Branchenvereinigung CEA veranstaltet die Messe CES. Das Licht der Welt erblickte tatsächlich so manches nicht ganz unbekannte Gerät auf der CES. Beispielsweise 1970 der Videorecorder, 1981 der CD-Player, 1996 die DVD und 2001 die Xbox.

Als Nabel der Unterhaltungselektronik - so stellt sich Shapiro die CES vor. Nur eine Firma macht in diesem Spiel traditionell nicht mit: Apple. Der Computerhersteller setzt schon seit Jahren auf eigene Events, um die Aufmerksamkeit der Welt möglichst ungestört auf sich ziehen zu können.

In diesem Jahr kollidieren die Termine von CES und Macworld jedoch miteinander. Wenn Steve Jobs heute Abend wieder mal "one more thing" aus dem Hut zaubert, dann ist Michael Dell in Las Vegas gerade mit seiner Keynote fertig. Mal schauen, wo am Ende die spannenderen Dinge verkündet werden.