Marketing-Offensive: Das Moorhuhn soll den Freaks entrissen werden - DER SPIEGEL
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Marketing-Offensive Das Moorhuhn soll den Freaks entrissen werden

Die Merchandising-Firma RTV ist fest entschlossen, das Moorhuhn zu einer langlebigen Kult-Figur wie Garfield aufzubauen. Doch dafür müsste es zunächst aus seiner "Opferrolle" schlüpfen. Ein Moorhuhn ohne Ballern - geht das?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Die meisten Moorhuhnfanatiker sind zwischen 16 und 28 Jahren alt, männlich und häufig online. "Freaks" halt, wie Andrea Keidel sie nennt. Und: "Das ist eine Positionierung, die wir uns nicht wünschen". Keidel ist Pressesprecherin der RTV Family Entertainment AG, die die Rechte für die Vermarktung des Moorhuhns gekauft hat. Die Freaks haben das Moorhuhn groß gemacht, doch die Zukunft stellt RTV sich anders vor.

Das neue Moorhuhn soll "ganz normale Verbraucher" ansprechen und zu einem Dauerbrenner werden - so wie Garfield oder Snoopy. Es soll Zeichentrick-Serien zur neuen Kultfigur geben, vielleicht sogar eine Comedy-Show. Und natürlich das Standardprogramm: Bettwäsche, T-Shirts, Plüschtiere. Das gibt es zwar bereits, doch das seien alles "Plagiate", erklärt Keidel. Man werde die Trittbrettfahrerei unterbinden.

Damit das Moorhuhn nicht wie das Tamagotchi auf der Müllhalde der Kurztrends landet, müssten Imagekorrekturen her: "Das Moorhuhn muss aus dieser Opferrolle raus. Immer nur abschießen, das wird auf die Dauer langweilig", sagt Keidel. Am neuen Image werde eifrig gefeilt, Genaueres will sie noch nicht verraten. Nur soviel: Nicht kuschelig, aber "ausgefallen und witzig" wird es. Zunächst soll das übliche Merchandising-Programm "von Bettwäsche bis runter zum Bleistift" abgespult werden. In etwa drei Monaten will RTV mit der Neu-Positionierung des komischen Vogels beginnen - mit völlig neuen Mitteln, wie Keidel verspricht.

Mit dem Verkauf der Lizenzen haben RTV und die Phenomedia AG bisher Einnahmen in sechsstelliger Höhe erzielt. Allein mit den vereinbarten Garantiesummen sei der Kaufpreis "innerhalb kürzester Zeit eingespielt", teilte RTV am Dienstag mit. Zu den Lizenznehmern gehören der Bekleidungshersteller Santex und der Wohntextilien-Produzent Herding.

Alle interaktiven Rechte hat Ravensburger Interactive erworben: Die Spiele-Firma plant eine CD-Rom, eine Gameboy- und eine Playstation-Version der Moorhuhnjagd. Das Spiel soll leicht verändert werden - nur das Prinzip, das bleibe "immer noch schön simpel", verspricht Ravensburger.