Markteroberung: Sony schickt PS2 nach China - DER SPIEGEL
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Markteroberung Sony schickt PS2 nach China

Mit deutlicher Verzögerung wagt Sony mit der Playstation 2 den Sprung auf den chinesischen Markt. Sonderangebote gibt es nicht, der anvisierte Preis entspricht dem in Europa. Das Marktpotenzial ist trotzdem riesig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unglaubliche 62 Millionen Mal hat Sony seine Playstation 2 seit Einführung im März 2000 weltweit verkauft. Seit Jahresfrist lebt sie mit und behauptet sich gegen mächtige Konkurrenz: Microsoft mit der Xbox und Nintendo mit dem Gamecube starteten den Parallelangriff, konnten den Marktführer jedoch nicht merklich unter Druck setzen. Die Geschichte der PS2 ist für Sony zu einem Überraschungserfolg geworden, den das Unternehmen selbst nie erwartet hatte: Während Microsoft mit jeder verkauften Xbox ein Minus in der Kasse verschmerzen muss, klingelt es bei Sony. Die letzte Bilanz wies die Playstation 2 als größten Umsatz- und Gewinnbringer des Konzerns aus.

Ihre Tage jedoch sind gezählt: Längst entwickelt Sony die nächste Konsolengeneration, die schon 2005 auf den Markt kommen soll. Zu diesem Zeitpunkt wagt sich der japanische Elektronikriese endlich auch auf den Markt, der ihn wegen seiner schieren Masse stets lockt, vor dem er aber auch zittert: China. Das gilt seit Beginn der ersten marktwirtschaftlichen Lockerungen nicht nur als viel versprechender Zukunftsmarkt für jede Ware, die es dort bisher nicht oder nur selten gibt, sondern auch als Sumpf der Raubkopierer. Was auch immer nach China importiert wird, exportieren Kriminelle bald in Kopie zurück.

Bedenken, die auch den eigentlich schon vor mehreren Monaten geplanten Verkaufsstart der Playstation in China verzögerten. Inzwischen aber hat Sony den Markt beobachtet, genauer: den Schwarzmarkt. Dort werden schon seit langem illegal importierte Playstations verkauft. Und siehe da: erstens echte, und zweitens zu ganz normalen Preisen.

Rund 200 Euro wird der chinesische Spieler auf den Tisch legen müssen, wenn er eine PS2 sein Eigen nennen will. Das entspricht dem deutschen Preis, nicht jedoch, wenn man ihn in Relation zum Einkommen der Bevölkerung setzt: Der Druchschnittschinese verdient gerade einmal 890 Dollar im Jahr - wobei die Reichen diesen Durchschnitt kräftig nach oben korrigieren.

Doch Chinas Wirtschaft wächst mit über sieben Prozent im Jahr, und immer mehr Chinesen können und wollen sich etwas leisten. Diese wachsende zunehmend wohlhabenere Schicht sitzt vor allem in den großen Städten, und genau da sieht Sony seinen Markt. Zunächst werden nur die Spieler in den fünf großen Städten Peking, Schanghai, Guangzhou, Shenzhen und Chengdu bedient. Mit rund 38 Millionen Menschen ein nur winziger Teil des potenziell riesigen chinesischen Marktes.

Ursprünglich wollte Sony die PS2 bereits im vergangenen Sommer auf den Markt bringen. Behördliche Genehmigungen verzögerten die Einführung jedoch, hinzu kam die Sorge vor Produktpiraterie.