McVeigh-Exekution: Video-Virus für Voyeure - DER SPIEGEL
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McVeigh-Exekution Video-Virus für Voyeure

Tausende morbide Websurfer suchten in den letzten Tagen nach Bildern und Videos der Hinrichtung des Massenmörders Timothy McVeigh. Manche wurden fündig - und tappten in eine bösartige Virus-Falle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Exekution war ein monatelanges juristisches Gezerre vorangegangen, ob eine Live-Übertragung der Hinrichtung ins Internet erlaubt werden sollte. Als amerikanische Gerichte schließlich abschlägig entschieden, kam das einer Herausforderung an die "hackende Gemeinde" gleich: Würde es Hackern gelingen, sich Zugang zu der "Close Circuit"-Fernsehübertragung für die Hinterbliebenen der Opfer zu verschaffen?

Die Sicherheitsmaßnahmen hätten kaum dichter sein können. Am Ende entschieden sich die Behörden dazu, die nur dem kleinen Kreis der Opfer-Hinterbliebenen vorbehaltene Live-Übertragung per Glasfaserkabel zu übertragen. Nach echten Videos der McVeigh-Exekution suchte und sucht man im Web vergeblich.

Einige tausend Surfer glaubten in den letzten Tagen jedoch für wenige Minuten, sie seien fündig geworden. Vor allem in Chat-Rooms kursierte plötzlich das Gerücht, es gäbe tatsächlich eine Web-Adresse, bei der man sich Exekutions-Videos herunterladen könne. Viele folgten der Einladung - und erlebten eine herbe Überraschung.

Denn hinter dem Link verbargen sich nicht etwa Videos, sondern ein Virus - und kein harmloses.

"Subseven" ist zwar ein alter Bekannter, aber einer, der es in sich hat. Das Virus gehört zur Klasse der "Trojaner": Das sind Programme, die dem Virenautor eine "Hintertür" zum betroffenen Computer öffnen. Von der Ausspionierung von Bankpassworten und Kreditkartennummern bis hin zur Fernsteuerung des Rechners ist von da an alles möglich.

Virenexperten erwarten nicht, dass allzu viele Surfer wirklich Opfer der Falle wurden: Die Virenschutz-Software der großen Hersteller erkennt und blockiert Subseven, ein Verwandter von Programmen wie BackOrifice oder NetBus, bereits seit Ende 1999. Für ungeschützte Rechner ist Subseven allerdings eine heftige Dosis, die man schnellstmöglichst loszuwerden versuchen sollte: Auch hier helfen bereits die kostenlos zum Download bereitstehenden Testprodukte der großen Software-Hersteller (siehe Kasten).

Bemerkenswert ist der Vorgang vor allem, weil er die sich verändernden Taktiken der Virenautoren aufzeigt. Die Verteilung von Viren per E-Mail zog im letzten Jahr - in diesem Jahr verpuffen selbst hoch attraktiv verpackte Viren-Fallen erfolglos. Dass man keine unverlangt zugesandten "exe", "com" oder "vbs"-Dateien anklicken sollte, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Auf dem Web sieht das anders aus: Das Internet lebt nur vom Klick. Dafür, dass sich hinter einem Download-Link tatsächlich das verbirgt, was die Seite verspricht, gibt es nie eine Garantie. In den finsteren Ecken des Web waren Virenfallen wie die McVeigh/Subseven-Videofalle lange schon gang und gäbe. Sich an ein aktuelles Ereignis anzuhängen und mit einer Virenfalle scheinbar die Informations-Nachfrage zu befriedigen, ist dagegen bösartig, aber clever.

Da hilft nur eines: Klickfreudige Surfer sollten auf einen Schutzschild nicht verzichten. Eine Kombination aus Virenschutz-Programm und einer Personal Firewall bietet den bestmöglichen - wenn auch nicht hundertprozentigen - Schutz.

Und ist allemal für eine schockierende Überraschung gut: Der Selbstversuch, durch eine Firewall geschützt durchs Web zu surfen, ist ein echter Augenöffner. In schönster Regelmäßigkeit blinken die Alarmsignale, werden Außenzugriffe unterbunden. Schnell stellt man sich die Frage, was man sich so alles fängt, wenn man sich nicht schützt. Für viele Surfer gilt schnell die Prämisse: Nie wieder ohne.