Media-Center-PCs Alleskönner in allen Preisklassen
Am unteren Ende der Kostenskala sitzen, fest installiert, Braunschweiger. Das Unternehmen Yakumo bietet mit seinem mediaXline YX-SQ bereits für 599 Euro einen schlichten Wohnzimmer-PC an. Sein Pferdefuß: Ein behäbiger AMD Sempron-Prozessor und eine schwachbrüstige Grafikkarte machen das Gerät untauglich für aktuelle 3D-Spiele. Zudem ist die 80 Gigabyte-Festplatte viel zu schnell mit Musik und Videos überfüllt.
Medien-PCs: Die Konkurrenz ums Wohnzimmer
Wer damit leben kann, bekommt zum kleinen Preis ein System mit Microsofts Windows Media Center Edition 2005, das sich mit seinem gefälligen Äußeren gut in die heimische Stereoanlage einfügt.
Die große Mehrheit der Media Center tummelt sich jedoch im Bereich um 1000 Euro. Allein Fujitsu Siemens Computers bietet hier ein Sortiment von mehr als einem Dutzend unterschiedlicher Geräte an.
Haupt-Unterscheidungsmerkmal ist hier der TV-Tuner. So sind die Modelle der Activy Media Center-Baureihe zu Preisen zwischen 899 und 999 Euro wahlweise mit DVB-T, DVB-S oder Kabel-Tuner zu bekommen. Gegen einen Aufpreis in Höhe von 200 Euro sind die Geräte auch mit Doppel-Tuner erhältlich, damit man auf einem Kanal fernsehen kann, während das Programm eines anderen aufgezeichnet wird.
Ohne die richtigen Abkürzungen schwarzes Bild
Allen Activy-Geräten gemein ist, dass sie über einen DVI-Videoausgang mit HDCP-Unterstützung verfügen (siehe Kasten unten). Damit sind sie als Zuspieler für hochauflösende LCD- und Plasma-Fernseher, erkennbar am HD-Ready-Logo, geeignet. Ein solcher Anschluss gehört noch lange nicht zum Standard und wer beim Kauf vergisst, nach HDCP zu fragen, bekommt statt hochauflösender TV-Signale nur einen schwarzen Schirm. Entsprechende HDTV-Programme gibt es derzeit aber nur via Satellit, im Format DVB-S, geliefert. Für die Zukunft plant der Hersteller auch Geräte mit Tunern nach dem moderneren DVB-S2-Standard auszurüsten.
Als Betriebssystem dient den Activy-Systemen Microsofts Windows XP embedded, eine abgespeckte Variante von Windows XP Professional, dem eine hauseigene Benutzeroberfläche aufgesetzt wurde. Das hat den Vorteil, dass das System sekundenschnell einsatzbereit und gegen Viren und Ähnliches weitgehend immun ist. Anders als ein "normales" Windows steckt die embedded-Version nämlich in einem Chip und kann nicht manipuliert werden. Andererseits lassen sich viele Anwendungen, die man von der Windows Media Center Edition gewohnt ist, hier nicht nutzen. Wer darauf nicht verzichten mag, findet in der Scaleo E-Serie entsprechende Geräte.
Einstieg der Unterhaltungs-Spezialisten
Philips versucht sein Glück außerhalb seines Kernbereichs mit dem MCP9350i. Wie man es in einer Preisklasse oberhalb von 1500 Euro erwarten kann, verfügt er über eine 250-GB-Festplatte, groß genug für rund 400 Stunden TV-Programm. Zudem ist eine WLAN-Karte für drahtlose Netze bereits integriert. Vorerst werden die Geräte aber ausschließlich über zehn ausgewählte Händler verkauft. Basierend auf den Erfahrungen aus dieser Testphase will Philips in der zweiten Jahreshälfte mit einer aktualisierten Version richtig durchstarten.
HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
Dass man in diesem Preisbereich auch mit ganz anderen Komponenten etwas Ordentliches zustandebringt beweist der M1000 von Shuttle. In seinem Inneren rackert ein Intel Notebookprozessor M740 und sorgt für hohe Leistung bei moderater Wärme- und Geräuschentwicklung. In Kombination mit der integrierten GeForce 6600 LE-Grafikkarte werden sogar viele aktuelle 3D-Games spielbar. Als Besonderheit liegt dem rund 1700 Euro teuren Rechner ein Wechselplattengehäuse für eine 2,5 Zoll-Notebookfestplatte bei, das über eine Spezial-Schnittstelle direkt in den PC eingeschoben werden kann. An anderen Rechnern findet es per USB-Kabel Anschluss. Auf diese Weise kann es zur manuell gesteuerten Übertragung großer Datenmengen dienen.
Designstücke in der Oberklasse
Ziemlich unerwartet ist der Auftritt der Traditionsfirma Rollei auf dem Media-Center-Parkett. Der eher für Kameras bekannte Hersteller will mit dem Multimediacenter MC1 gleich im oberen Preisbereich einsteigen. Das 2000 Euro teure, Linux-basierte System zielt mit seiner Alufront und dem integrierten TFT-Display auf eine Design-orientierte Kundschaft. Vorerst ist das MC1 allerdings nur mit Satelliten-Tuner erhältlich. Eine Version für Kabel-TV soll später folgen. Ein zusätzlich installiertes Open Office soll das Gerät zudem auch für Büroaufgaben fit machen. Ob das im Wohnzimmer sinnvoll ist, bleibt fraglich.
Mit 2500 Euro noch teurer als das Rollei-System ist das Mediatainment Center von Tarox. Dessen Ausstattung kann man nur als üppig bezeichnen. Neben einem Gigabyte Arbeitsspeicher sind 500 Gigabyte Plattenspeicher eingebaut. Bei ausgeschaltetem Fernseher informiert ein sieben Zoll großer Touchscreen den Benutzer über alles Wichtige. Das ebenfalls integrierte Diskettenlaufwerk mutet da schon wie ein Anachronismus an.
Den Vogel in Sachen Preis schießt allerdings Hush Technologies ab. Deren komplett passiv gekühlte und daher weitgehend lautlose Systeme der E4-Serie haben bereits einen Einstiegspreis von rund 2700 Euro. Mit ein paar zusätzlichen Gimmicks und etwas mehr Speicher ausgerüstet, gelangt man da schnell in die Nähe der 4000 Euro-Grenze. Für den Betrieb als Ersatz für DVD-Player und Videorekorder ist das kaum noch zu rechtfertigen. Vielmehr dürfen sich hier gut betuchte Technik-Freaks austoben, denen es nicht nur um Funktionalität, sondern um Status geht.