Media Center und Co Home, sweet digital home
Für Musik, Fernsehen, Internet und Computerspiele soll es nur noch ein einziges Gerät geben, das seine Angebote vernetzt in allen Zimmern zur Verfügung stellt.
"Die analogen Geräte werden zunehmend aus den Wohnzimmern verschwinden", sagt Willi Berchtold als Präsident des Fachverbands Bitkom voraus. Der Videorecorder wird schon jetzt vom DVD-Recorder abgelöst. Und das Fernsehgerät könnte demnächst zusammen mit der Stereo-Anlage im "Homeserver" aufgehen. So nennt Sony das technische Herz fürs digitale Heim, das sich am Donnerstag auch Bundeskanzler Gerhard Schröder anschaute. Solche zentralen Multimedia-Anlagen stellen vom Computerspiel über den Fernsehkrimi bis zur E-Mail alles bereit, was in Form von Daten übertragen werden kann.
Weil mit dem Verkauf von Computern kaum noch Geld verdient wird, schwärmen PC-Hersteller wie Fujitsu Siemens auf der Cebit vom "digital vernetzten Heim". Dazu gehören "Computer im Design von HiFi-Komponenten" und ein "Activy Media Center", das bis zu 240 Stunden Fernsehen digital aufzeichnen und auf DVD brennen kann. Das Programm kommt über Satellit, aus dem Kabel oder aus dem Internet und wird drahtlos auf den Flachbildschirm ins Schlafzimmer überspielt. Bei Philips soll ein "DVD Home Theater System" im Zentrum stehen, das nicht nur DVD-Filme, sondern auch PC-Daten und Web-Seiten bereitstellt.
"Die ganze Technik sollte sich nur noch im Hintergrund bemerkbar machen", sagt Tom Laemmel von der "Windows ehome Division" in der Microsoft-Konzernzentrale in Redmond bei Seattle. Mehrere Manager dieses Geschäftsbereichs sind zur Cebit gekommen, um dort für die Windows XP Media Center Edition zu werben - diese Windows-Version wird gezielt für den Einsatz auf den neuen Multimedia-Maschinen weiterentwickelt.
Die Nachfrage der PC-Hersteller nach der Media Center Edition sei gewaltig, erklärt Ron Pessner, der für die Produktplanung des Geschäftsbereichs zuständig ist. Ob Dell, Hewlett-Packard oder Sony, alle großen Hersteller seien Hardware-Partner für die Media Center Edition von Windows geworden. "Wir schaffen eine neue Kategorie des privaten PCs, der vielleicht einmal gar nicht länger als PC zu bezeichnen ist."
Intel hofft auf neue Absatzchancen
Auf neue Absatzchancen für seine Prozessoren hofft da auch Chip-Hersteller Intel. "Das digitale Heim wird nur dann erfolgreich sein, wenn es drahtlos ist, einfach ist und eine vernünftige Qualität bietet", sagt Intel-Sprecher Hans-Jürgen Werner. Die Intel-Ingenieure entwickeln dazu Referenzmodelle für mögliche Geräte und treiben die Entwicklung gemeinsamer Standards voran.
Im digitalen Heim werden Internet-Plattformen mit riesigen Datenbanken für den Lieblingsfilm oder die Wunschmusik eine besondere Rolle spielen. In der bereits Ende 2001 gegründete Online-Videothek von Arcor hat man die Auswahl unter 1.300 Spielfilmen, die man sich für 24 Stunden ausleihen kann. Noch nicht ganz so groß ist die Auswahl bei T-Online-Vision, wo das "Video on demand" über die Telefonrechnung bezahlt wird.
Ein heftiger Wettbewerb zeichnet sich bei Online-Portalen für den Musik-Download ab. Auf der Cebit wurde am Donnerstag die neue Plattform PhonoLine gestartet, die von der Telekom-Tochter T-Com gemeinsam mit der deutschen Musikwirtschaft betrieben wird. Sony will im Juni nachlegen, und der in den USA sehr erfolgreiche Apple-Service iTunes steht ebenfalls in den Startlöchern für die Einführung in Europa.
Mit der zunehmenden Einführung von Breitbandverbindungen werden Musik und Filme aus dem Internet für einen immer größeren Teil der Bevölkerung zum Alltag gehören. Seit Einführung des DSL-Angebots in Deutschland vor dreieinhalb Jahren wurden mehr als 4,2 Millionen Anschlüsse in Betrieb genommen. Die Deutsche Telekom erwartet, dass diese Zahl bis Ende dieses Jahres auf mehr als fünf Millionen steigen wird. Damit wird auch in Mitteleuropa eine Entwicklung stattfinden, die nach den Worten von Microsoft-Produktmanager Laemmel in den USA bereits eingesetzt hat: "Wir bewegen uns in eine Zeit, in der der PC immer an ist, so wie der Kühlschrank."
Peter Zschunke, AP