Medienkonvergenz: Schlaues Kistchen - DER SPIEGEL
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Medienkonvergenz Schlaues Kistchen

Internet auf dem Fernseher, bislang war das mehr Strafe als Vergnügen. Die Entwicklung einer hessischen Firma soll das nun ändern. Nebenbei ist das Gerät gleich noch digitaler Fernsehempfänger, Pay-TV-Decoder, digitaler Videorecorder und DVD-Player.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das unscheinbare schwarze Kistchen der Firma M.Technologies mit einem Intel-Celeron-Prozessor als Herzstück vereinigt mehrere digitale Spielarten der Unterhaltung und erlaubt so einen Blick ins Wohnzimmer der Zukunft. Medienkonvergenz heißt das Stichwort. Internet und Fernsehen sind auf der Couch nur noch einen Tastendruck auf dem IR-Keyboard oder der Fernbedienung voneinander entfernt. Zur Not geht auch beides gleichzeitig, Bild-im-Bild-Technik macht's möglich.

Das so genannte Mediaportal soll die zahlreichen Funktionen der Windows-98-betriebenen Box, wie etwa Internet, Fernsehen, MP3-Datenbank oder Filmarchiv schnell und einfach zugänglich machen. Auf den ersten Blick erscheint die Bildschirm-Oberfläche des Portals aber trotz erkennbarer Bemühung ein wenig überladen. Die Internet-unerfahrene Zielgruppe dürfte einige Zeit brauchen, um sich damit zu arrangieren.

Internetbrowser versteht sogar Flash

Überraschend stabil erweist sich bei einem kurzen SPIEGEL-ONLINE-Test der Internetzugang über den Browser, der auf Microsofts Internet-Explorer basiert. Sogar Flash-Animationen, die konventionelle Web-Boxes meist in die Knie zwingen, stellen scheinbar kein Problem dar. Das Bild wird mit einer Auflösung von 800 mal 600 Pixel dargestellt, Detailausschnitte können mit einer Bildschirmlupe vergrößert werden. Extrem einfach und übersichtlich gehalten ist auch die (POP3- und SMTP-fähige) E-Mail-Funktion.

Beim Fernsehempfang werden aller verfügbaren Sender, je nach Anschluss über Satellit oder Kabel können das leicht mehrere hundert sein, in einer Liste angezeigt. Eine Aufstellung der Favoriten soll helfen, die Übersicht zu bewahren. Manuell oder mit Hilfe des einfach zu bedienenden Timers kann auch jeweils ein Kanal mit dem eingebauten digitalen Videorecorder mitgeschnitten werden. Standardmäßig hat die Box auf ihrer 20-GB-Festplatte Platz für 14 Stunden Film, ein Anschluss für eine weitere Platte, etwa zum Archivieren von Filmen, ist nach Angaben des Herstellers aber vorhanden.

Nicht alle PC-Spiele laufen auf der Box

Ein DVD-Player, ein Musik-Portal, mit dem MP3-Dateien aus dem Netz heruntergeladen und archiviert werden können, sowie ein Foto-Portal, das in Zusammenarbeit mit PixelNet die Verwaltung der heimischen digitalen Urlaubsbilder vom Fernseher aus ermöglicht, runden das Angebot ab. Das Spiele-Portal enttäuscht momentan durch ein recht mageres Angebot. Hier sollen speziell für die Box zugelassene Games für Abhilfe sorgen, allerdings werden nicht alle PC-Spiele auf der Box lauffähig sein.

Beim Erfolg des Mediaportals ist M.Technologies vor allem auf Kooperationspartner angewiesen. Will das Unternehmen seine Entwicklung am Markt etablieren, müssen attraktive Inhalte, Webseiten, Services und Spiele, her, die User anlocken können. Kooperationspartner könnten über Subventionierung auch dafür sorgen, dass der Preis der Box in erschwinglichere Regionen kommt. Momentan ist das Mediaportal nämlich mit einem empfohlenen Preis von 2800 bis 3000 Mark (abhängig von einer möglichen Installation zu Hause) in finanziellen Dimensionen, die allenfalls für verspielte Technikfreaks akzeptabel sein dürften, Medienkonvergenz hin oder her.

Christoph Seidler

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