Mensch gegen Maschine Computer sagt WM-Sieger voraus
Der Mathematiker Henry Stott von der Universität Warwick behauptet, dass seine statistischen Berechnungen exakter sind als die der Buchmacher und Experten. Der Favorit seines Elektro-Hirns ist Argentinien. Um die Gewinnchancen zu berechnen, hat er den Computer mit Daten aus den Qualifikations- und Freundschaftsspielen zur WM 2002 gefüttert. Danach simulierte er Hunderttausende von virtuellen Spielen.
Als Grund für seine genauen Ergebnisse gibt Stott folgenden an: Der Computer beziehe nicht nur die Leistungen der einzelnen Mannschaften, sondern auch den Faktor der Unberechenbarkeit mit ein. Ein Beispiel: Während die Franzosen in ihrer Leistung den Brasilianern deutlich überlegen sind, liegen sie im WM-Ranking trotzdem hinter den Brasilianern, und zwar weil ihre Leistungen unberechenbarer sind als die der Brasilianer. Ein Faktor, der von Buchmachern häufig unterschätzt wird.
So kam der Computer gleich zu Beginn der WM zu einem für die Buchmacher verblüffenden Ergebnis: Der elektronische Wahrsager hat die 1:0 Niederlage der Franzosen gegen Senegal bereits vorhergesehen - ein erster Beweis für seine mögliche Treffsicherheit. Viele Buchmacher verkennen die Macht der angeblich unterlegenen Kandidaten.
Ob der Computer Recht behält, wird sich ein weiteres Mal am Mittwoch beim Spiel Spanien gegen Südafrika zeigen: Der Computer meint, dass Südafrika gegen Spanien mit 28-prozentiger Wahrscheinlichkeit gewinnt. Die Buchmacher dagegen rechnen nur mit einer 10-prozentigen Gewinnchance.
Ein anderes Statistik-Programm, das von Peter O'Donoghue von der Universität Ulster entwickelt wurde, setzt auf Brasilien als Top-Favoriten. Dafür wurde der Computer mit sämtlichen Daten der Fifa-Weltranglisten gefüttert. Auch der Anreise-Weg der einzelnen Mannschaften, der Wechsel zwischen den Spielorten in Japan und Korea und die Ruhepausen zwischen den Spielen wurden mit berücksichtigt.
Zweitausendmal hat O'Donoghue die Daten durch den Rechner gejagt - das Ergebnis: Brasilien und Italien kommen ins Endspiel, WM-Sieger wird Brasilien.
Die Forscher wollen herausfinden, ob der Computer solche Ergebnisse besser vorhersagen kann als der Mensch. Dazu haben die fußballbegeisterten Forscher selbst auch einen Tipp abgegeben: Argentinien wird im Finale gegen Italien gewinnen. "Das Ergebnis unserer Forschungen ist ein klassischer Fall von 'Kopf gegen Gefühl'. Zahlen-Statistiken gegen subjektives Urteil", sagte O'Donoghue gegenüber der BBC.
Er glaubt jedoch fest an den Computer und hat im Wettbüro bereits 20 Pfund auf den Computer-Favoriten gesetzt. Recht geben ihm die Erfolge der Schachcomputer. Aber auch wenn der Fussball-Computer besser kopfrechnen kann: Ob ein Stürmer von einer schweren Grippe erwischt wird, kann auch er nicht vorhersagen.