Messe-Rundgang: Hallen-Kirmes in Hannover - DER SPIEGEL
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Messe-Rundgang Hallen-Kirmes in Hannover

Aufgeblasene Technik ist in bei der diesjährigen Cebit - PDAs, Handys und andere Cebit-Highlights schweben als Luftballons über den Köpfen der Besucher. Ihr Sinn: Schön zu sein. Das sind oft auch die harten Vorbilder - nur bleibt da manchmal der Sinn im Verborgenen.
Von Urs Zietan
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zum Beispiel bei Aibo, dem elektronischen Plaste-Hund von Sony. Der Mensch der Zukunft soll ihn erziehen, will der Sony-Mensch den Schaulustigen klarmachen.

Aibo ist nur sehr begrenzt niedlich und schon gar nicht flauschig. Unbeholfen tappst das Kunststoff-High-Tech-Tier über den Präsentationstisch der Japaner. Streichelt man ihm über seine Birne und drückt dabei seine Ohren in den Schädel, dann fühlt er sich gelobt. Seinen knallpinken Ball schiebt er ungelenk zwischen den Vorderpfoten hin und her, wenn er Lust hat zu spielen. Wenn nicht, lässt er das sein Herrchen wissen. Ein Tamagotchi mit abnehmbaren Beinen.

Der Sinn des Tieres bleibt lang im Verborgenen - bis der Mann, der die Töle dem erstaunten Publikum vorstellt, erzählt, dass das Tierchen auch auf die Wohnung aufpassen kann, wenn man es ihm beigebracht hat. "Nein, er wird den Einbrecher nicht verjagen, aber filmen", sagt er stolz. Der zurückkehrende Wohnungsbesitzer muss dem Tier nur den Memory Stick aus der Brust pulen und kann sich ansehen, wer wann was geklaut hat - außer, der Köter wurde gleich mit entwendet.

Wenn nichts dergleichen passiert ist, begrüßt der Kleine sein Herrchen mit Schwanzwedeln. Hat es das schon gegeben? Ein Hund mit LED im Schwanz? Na, wem's Spaß macht...

Die Ganze Welt unterm Fingernagel

Eine Halle weiter lockt eine asiatische Firma mit den neuesten PDAs - die übliche postkartengroße Kiste mit Schreib-drauf-Bildschirm. Nur: Er scheint eine andere Schrift zu haben als die Konkurrenten von Palm - jedenfalls erkennt er eine E-Mail-Adesse nur als u21cfanzwc37c. Da kommt bestimmt keine Post an. Aber wenigstens das "u" am Anfang stimmt.

Zurück in Halle 2, wo Sony sich auf einer Riesenfläche breit gemacht hat: Die Spannung steigt. Ob der Sony-Schreib-drauf-Rechner besser ist? Ja, er erkennt die Palm-Schrift problemlos. Da die Stifte der Ausstellungsstücke natürlich geklaut sind, reiben die Besucher ihren Namen mit dem Fingernagel auf den Bildschirm. Überhaupt soll er alles können. Filme drehen, fotografieren und natürlich den normalen Termin-Adresse-Kalender-Kram. Clié heißt der Wunderblock, Clié mit Akzent auf dem E. "The whole world in your hand", so wirbt der Kleine für sich.

Ein Architekt im Promotion-Film von Microsoft hat auch die ganze Welt in seiner Hand mit dem Clié oder einem seiner aus dem Ei gepellten Vettern.

Er lädt sich Baupläne aus dem Firmennetz, die wahrscheinlich nicht sehr detailgenau auf dem Bildschirm wieder auftauchen: Wer in den so entstandenen Bauten hausen muss, sollte sich gut versichern. Zum Schmunzeln ist auch die Voice-Mail-Funktion des PDA im Microsoft-Film: Der Architekt quatscht in die kleine Kiste und seine Sekretärin kann die Nachricht an ihrem Telefon hören.
Nur: Wieso ruft der Kerl sie dann nicht gleich an?

Tastatur ohne Tasten

Woanders tippt ein Herr bei Samsung geduldig ein freundliches "Hello Everyone" für ein Fernsehteam in die Luft. An den Fingern trägt er merkwürdige, verdrahtete Plastikringe. Die Firma hat eine Tastatur entwickelt, die keine ist. Es sieht schick aus, wie die Buchstaben sich durch Fingerbewegungen auf den Bildschirm zaubern, nur dauert es ewig lange, bis die nicht vorhandene Tastatur den Text ausspuckt. Ob der Herr noch üben muss? Wahrscheinlich nicht, der ist Profi im Lufttippen. Es sieht so aus, dass Mensch einfach nicht dazu gebaut ist, Geräte zu bedienen, die nicht vorhanden sind.

Da machen dem durchschnittlichen Cebit-Besucher die aufgeblasenen High-Tech-Geräte mehr Spaß. Ihr Zweck ist wenigstens eindeutig: Bunt sein und über den Köpfen schweben, sonst nichts. Kein Systemabsturz, keine Ausnahmefehler, nur Werbeträger.

Die Cebit ist in vielen Ecken eine Computer-Kirmes, und nichts macht das deutlicher als die Luftballons ohne jede Technologie. Bei den Privatbesuchern des Computermekkas kommt die Volksbelustigung am besten an. Ob an einem Stand Herr Kappe, Herr Scholl und der jugendliche Michael mit Schaumstoffwürfeln um Webcams oder PC-Lautsprecher würfeln oder am Stand von Mitsumi, wo es unter lautem Gebrüll auch was zu gewinnen gibt. Kirmesstimmung in Hannover, manchmal ist sie auf der Cebit unübersehbar.

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