Microsoft-Hacker: Ein Fall fürs FBI - DER SPIEGEL
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Microsoft-Hacker Ein Fall fürs FBI

Hacker haben sich nach Auskunft von Microsoft Zugriff auf einen Quellcode wichtiger Software-Projekte verschafft. Die Spur führt nach Russland. Das FBI ermittelt.
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Washington - Die amerikanische Bundeskriminalpolizei FBI fahndet nach den russischen Hackern, die in einen Rechner des Software-Konzerns Microsoft eingedrungen sind. Der Einbruch war nach jüngsten Angaben allerdings nicht so schlimm wie zunächst befürchtet. Die Hacker hätten nur die Quellcodes von Produkten gesehen, die noch in der frühen Entwicklungsphase seien, sagte ein Sprecher des Unternehmens in Seattle im Bundesstaat Washington. Die geheimen Codes für die neuesten Windows-Versionen und Office-Software hätten sie nicht einsehen können.

Quellcodes nicht manipuliert

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte zuvor in Stockholm bestätigt, dass der Softwaregigant Opfer eines groß angelegten Hacker-Angriffs geworden ist. Ballmer versicherte, dass die Verbraucher aber sicher sein könnten, dass der Quellcode nicht manipuliert worden sei. Der Quellcode von Programmen wie "Windows 2000" besteht aus Millionen von Programmzeilen, die der Softwareriese bislang sorgfältig vor öffentlichen Zugriffen geschützt hat.

Russische Hacker waren nach Angaben Microsofts mit Hilfe eines so genannten "Trojanischen Pferdes" in das System eingedrungen. Das Programm mit dem Namen "QAZ" habe heimlich Passwörter von Microsoft- Mitarbeitern protokolliert und zu einem E-Mail-Postfach in St. Petersburg geschickt. So hätten sie drei Monate lang Zugriff auf interne Microsoft-Rechner gehabt. "In drei Monaten kann man theoretisch jedes Geheimnis in einer Organisation herausbekommen", sagte Graham Satchwell, ein ehemaliger Microsoft-Sicherheitsberater.

Die Quellcodes des Microsoft-Betriebssystems "Windows" und des Büro-Programms "Office" gehören zu den am besten gehüteten Betriebsgeheimnissen der Industriegeschichte. Detaillierte Kenntnisse über den Quellcode könnten es künftig Hackern erleichtern, in Windows-Systeme einzubrechen oder Computer-Viren für Office-Programme zu schreiben.

Bill Gates: Fanatische Gegner in Russland?

Die russische Tageszeitung "Kommersant" zitierte am Samstag einen namentlich nicht genannten Computerexperten der russischen Militäraufklärung GRU mit den Worten: "Vor allem dürften diese Quellcodes die Konkurrenten von Microsoft - Oracle und Netscape - interessieren. Auf dem Petersburger Server kann jeder Beliebige ein E-Mail-Postfach einrichten."

Von St. Petersburg aus war bereits vor Jahren das Kreditinstitut Citibank von Hackern heimgesucht worden. Laut "Kommersant" gibt es in der russischen Stadt offenbar fanatische Gegner des Microsoft- Gründers Bill Gates.