Microsoft im Visier: Linux überholt Apple - DER SPIEGEL
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Microsoft im Visier Linux überholt Apple

Nach neuesten Schätzungen gibt es mittlerweile mehr Linux- als Apple-User. So gestärkt blicken die "Väter" des freien Betriebssystems optimistisch in die Zukunft und wollen durch die Hintertür die Microsoftdominanz knacken.
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Frankfurt am Main - Die erste LinuxWorld-Messe in Frankfurt glich einer Jubelveranstaltung. Das Betriebssystem ist nach Ansicht von Gründer Linus Torvalds noch für so manche Überraschung gut. Jon "Maddog" Hall von Linux International zog ein bravouröses Resümee der vergangenen Jahre. Allein 1999 sei die Zahl der Linux-Nutzer weltweit von 20 auf 30 Millionen gestiegen, frohlockte der "Linux-Evangelist". 6,6 Prozent aller Desktop PCs liefen nun mit der Software, an deren frei zugänglichen Quellcode Programmierer weltweit ununterbrochen arbeiten. Der Marktanteil von Apple soll Schätzungen zufolge bei 5,9 Prozent liegen.

Viele Linux-Entwickler interessiert natürlich die Frage, ob das Betriebssystem jemals maßgeblich in die Windows-Dominanz einbrechen kann. Microsoft liegt im Desktopbereich mit rund 400 Millionen Nutzern unangefochten vorn. Mit den KDE- und dem Gnome-Projekt gebe es aber mindestens zwei Ansätze, die Benutzung von Linux viel einfacher zu machen als bislang, so Hall. Bereits jetzt sei Linux für die Webserver der Internet-Service-Provider (ISP) das perfekte Betriebssystem. Zudem zeichne sich Linux durch seine ungewöhnlich große Flexibilität aus. Der Einsatz des Betriebssystems sei auf allen Plattformen und im Verbund mit allen Prozessortypen möglich.

Die interessantesten Entwicklungen habe es in letzter Zeit bei den so genannten Embedded Systems gegeben, Klein- und Kleinstgeräten mit eingebautem Betriebssystem. Hier könne Linux mit einem gerade einmal 100 KB großen Betriebssystems-Kern glänzen, sagte Hall. Auch Torvalds sieht die nähere Zukunft von Linux nicht unbedingt auf dem Desktop. Dies werde vielleicht noch fünf bis zehn Jahre dauern. "Aber wo es um klare Aufgaben geht, zum Beispiel bei PDAs oder Mobiltelefonen, da sehe ich Linux ganz klar im Kommen", sagte er der "Computerwoche".

Das gestiegene Interesse der Industrie an Linux hat einiges verändert. Es habe einen regelrechten sozialen Wandel gegeben, wurde in der Podiumsdiskussion mit Torvalds festgestellt. Sicher sei es positiv, dass Programmierer für die Arbeit, die sie früher in ihrer Freizeit geleistet hätten, bezahlt würden. Einige Teilnehmer machten aber auch deutlich, dass sie durchaus gemischte Gefühle angesichts des wachsenden Engagements und des damit auch verbundenen Einflusses von Konzernen wie IBM haben.

Doch Torvalds zeigte sich überzeugt davon, dass die Linux-Entwicklergemeinde dem wachsenden kommerziellen Druck standhalten könne. "Wir werden Software entwickeln wie bisher und diese Methode - zumindest im Kernel-Projekt - nicht wegen der kommerziellen Player verändern. Offen gestanden ist es mir als Entwickler ziemlich egal, welche Bedürfnisse zum Beispiel IBM hat."