Microsoft: "Palladium" soll Windows sicher machen - DER SPIEGEL
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Microsoft "Palladium" soll Windows sicher machen

Microsoft hat das im Rahmen seiner Sicherheitsinitiative entwickelte Konzept vorgestellt: "Palladium" soll Windows schon in zwei Jahren grundlegend verändern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Computerriese Microsoft entwickelt in Zusammenarbeit mit führenden Chip-Herstellern ein neues Sicherheitskonzept, das privaten Computernutzern und Konzernen mehr Schutz vor Hackern, Viren oder unerlaubten Kopien bieten soll. Das Großprojekt mit dem Codenamen Palladium soll die Möglichkeit der Computernutzer drastisch verbessern, ihre persönlichen Daten wie Kreditkartennummern oder E-Mails vor unerlaubtem Zugriff zu schützen.

Mit der Markteinführung wird nach Informationen des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" in zwei Jahren gerechnet.

Das allerdings wäre außerordentlich schnell, wenn die Informationen des britischen Magazins "New Scientist" stimmen. Demnach würde Palladium den bisherigen Windows-Betriebssystemen nicht einfach aufgesetzt werden, sondern wäre integraler Bestandteil künftiger Windows-Versionen.

Microsoft verspricht wahre Wunderdinge: Nicht genug damit, dass das künftige Palladium-Windows schon deshalb so gut wie nicht mit Viren verseucht werden könne, weil es grundsätzlich nur signierte (und verifizierte) Programmcodes akzeptiere. Ess verschlüssele auch Dokumente, Kreditkartennummern sowieso und enthalte Authentifizierungs-Automatismen, mit denen User über das Netz einander identifizieren könnten.

Und mehr noch: Laut "Newsweek" sollen Computernutzer künftig entscheiden können, was mit ihren E-Mails geschieht. Sie können demnach verhindern, dass die Empfänger die Mails kopieren oder weiterleiten. Nicht weitergeleitet wird - verspricht Microsoft - auch Spam: Palladium werde auch über Mechanismen verfügen, unerwünschte Werbemails effektiv auszufiltern.

Und nicht nur an die Endverbraucher hat Microsoft gedacht, sondern auch an die Industrie - was viele Endverbraucher gar nicht freuen dürfte: So soll Palladium es so gut wie unmöglich machen, Filme und Musik-CDs zu kopieren.

Auf Kritik stieß Microsofts Ankündigung, das künftige Windows "blind" für nicht autorisierte Programme zu machen. Das werfe direkt Fragen auf: Wer autorisiert Programme? Wird Freeware noch funktionieren? Erhöhte es nicht wieder Microsofts Marktmacht, wenn das Unternehmen Einfluss darauf nehmen könnte, welche Software auf Windows lauffähig ist und welche nicht?

Solche Aspekte dürften den Verkauf nicht unbedingt beschleunigen, doch hohe Verkaufszahlen braucht Palladium: Microsoft geht anscheinend davon aus, dass mindestens 100 Millionen Rechner ausgeliefert werden müssen, um das neue Sicherheitssystem durchzusetzen.

Experten sprachen da von einem gewaltigen Projekt. Da sich die verbesserten Sicherheitsmaßnahmen nicht allein durch Software erreichen lassen, hat sich Microsoft die Zusammenarbeit der Chiphersteller Intel und AMD gesichert. Zudem laufen Verhandlungen mit den Computerriesen Dell, HP und IBM.