Microsoft Service Pack 2 ist unterwegs
Stolze 300 Millionen Dollar soll Microsoft in die Entwicklung des für den Endkunden kostenlosen "Service Pack 2" für Windows XP investiert haben - und Redmond weiß auch, warum. Klaffende Sicherheitslücken (LSass) und zunehmende Probleme mit Viren- und Hackattacken brachten in den letzten Monaten mächtig viel schlechte Presse und eine nicht unerhebliche Verunsicherung der Kundschaft. Windows XP, einst als sicheres, bequemes Betriebssystem bejubelt, geriet in Verruf.
Das alles soll der SP2 genannte Update der Software bereinigen.
SP2: Was ist drin im Päckchen?
Im Mittelpunkt des Service Packs stehen erweiterte Sicherheitsfunktionen. "Angesichts immer raffinierterer Angriffe ist das Service Pack 2 ein bedeutender Schritt zu unserem Ziel, den Kunden dabei zu helfen, ihren PC besser zu isolieren und widerstandsfähiger zu machen", sagte Microsoft-Chairman Bill Gates.
Nach der Installation des kostenlosen Pakets wird eine verbesserte Fassung der Windows-Firewall standardmäßig eingeschaltet sein. Mehrfach haben Viren-Entwickler den Umstand ausgenutzt, dass die meisten Windows-XP-Anwender die in diesem Betriebssystem integrierte persönliche Firewall nicht aktiviert hatten. So verbreitete sich im vergangenen Jahr der "Blaster-Wurm" in kürzester Zeit auf weltweit mehr als 500.000 Computern.
Außerdem werden Schwachstellen in der Speicherverwaltung von Windows und im Internet Explorer behoben. Der Browser bekommt nun auch einen Popup-Blocker, der unerwünschte Werbefenster unterbindet. Kontrolliert werden künftig auch Dateianhänge und Downloads.
"Potenziell unsichere Anhänge" und "unerwünschter Code" werden vom Betriebssystem blockiert. Ein neues "Windows Sicherheitscenter" bietet einen Überblick zum Status der wichtigsten Sicherheitsfunktionen wie Firewall und das automatische Update.
Zu den weiteren Neuerungen des Service-Packs gehört ein vereinfachter Zugang zu Funknetzen (Wireless LAN). Und mit Bluetooth 2.0 kommt Windows XP auf den aktuellen Stand dieser Technik für die drahtlose Anbindung von Geräten. Nach Angaben von Gates erstrecken sich die Änderungen des Service Packs 2 auf weniger als fünf Prozent des gesamten Codes von Windows XP.
Bedenken: Beißt SP2 andere Software?
- Download:Microsoft SP2 für IT-Spezialisten und Entwickler (nicht für Privatanwender gedacht!)
- Microsoft SP2-Update
Und trotzdem sorgen die Eingriffe für Probleme. Schon vor Wochen warnte Microsoft, manche Software könne mit den veränderten Grundeinstellungen von Windows XP nicht mehr kompatibel sein. Das ist wohl so: Erst vor zwei Tagen forderte IBM seine rund 400.000 im Firmeneigenen Rechnerverbund verdrahteten Angestellten und Partner auf, Das SP2 nicht zu installieren. Aus Angst vor Inkompatibilitäten hat sich IBM entschlossen, eine eigene, auf die IBM-Software zugeschnittene SP2-Variante herausbringen zu wollen.
So was aber kann sich nicht jeder leisten. Gerade die Anbieter von IT-Sicherheitsprodukten fürchten um Inkompatibilitäten - und auch, dass die von Microsoft versprochenen Sicherheitsfeatures vielleicht tatsächlich funktionieren und sie selbst überflüssig machen könnten. Symantec, Marktführer im Bereich der Virenscanner und Firewalls, war die Erkenntnis, dass die Produkte des Unternehmens sich mit dem SP2 nicht beißen, gleich eine Pressemitteilung wert: "Symantec bestätigt, dass seine Firewall-, Virenschutzprodukte und integrierten Sicherheitslösungen mit dem neuen Windows XP Service Pack 2 (SP2) von Microsoft kompatibel sind."
Noch also herrscht einige Verunsicherung. Ob die berechtigt ist oder nicht, wird man in Deutschland schon erfahren, bevor das deutschsprachige SP2 ausgeliefert wird. In Amerika hat die Auslieferung (zunächst an Firmenkunden) am Montag begonnen. Innerhalb der nächsten Tage geht es für alle Nutzer der englischsprachigen Version los: Wer sein Windows für den automatischen Download aller Updates und Patches eingerichtet hat, könne das umfangreiche Paket mit einer Datenmenge von rund 80 MB auf diesem Wege installieren, sagte Microsoft-Sprecher Matt Pilla in der Firmenzentrale in Redmond bei Seattle. Daneben gibt es die Möglichkeit des Einzel-Downloads oder der Bestellung einer CD. Die Anpassung an insgesamt 25 verschiedene Sprachversionen des Betriebssystems werde innerhalb der nächsten beiden Monate abgeschlossen sein.
In Deutschland soll die Auslieferung der SP2-Version für Privatanwender Ende des Monats beginnen. Für "IT-Spezialisten und Entwickler" hat Microsoft allerdings bereits eine Version ins Netz gestellt: Der Softwarekonzern rät Privatanwendern allerdings ab, dieses Paket zu installieren.
Zwei bis drei Wochen Zeit, die Reaktionen auf SP2 in den Vereinigten Staaten abzuwarten und zu beobachten. Dass die Installation von SP2 grundsätzlich sinnvoll ist, wenn man Windows XP weiter nutzen will, bezweifelt derweil kaum jemand.
So stellt auch die Computerzeitschrift "c't" (Ausgabe 16/2004) der neuen Firewall grundsätzlich gute Noten aus: Windows sei ohne weitere Einstellungen nach dem Update besser gegen Angriffe aus dem Netz geschützt als zuvor. Das Magazin bemängelt allerdings die Ausnahmeliste. Sie ermögliche es nicht nur dem Anwender, seine Firewall für bestimmte Dienste zu öffnen. Auf dem gleichen Weg könnten auch Angreifer eindringen. Einmal eingedrungene Schädlinge seien mitunter in der Lage die Firewall nach ihren eigenen Bedürfnissen einzustellen.
Auch Outlook Express und der Internet Explorer werden dem Magazin zufolge sicherer. Das E-Mail-Programm lädt zum Beispiel keine in E-Mails eingebundene Grafiken mehr aus dem Internet nach - in der Vergangenheit immer wieder Ausgangspunkt für Angriffe. Insgesamt jedoch wirft das Fachblatt dem Konzern vor, die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft zu haben, um Angreifer dauerhaft aus Windows-Systemen auszusperren. Im Wesentlichen seien bekannte Löcher gestopft worden.