Microsoft Wer nicht will, der muss
Eigentlich schien Java längst kalter Kaffee zu sein. Die plattformübergreifende Programmiersprache ging - zunächst still und heimlich - bereits 1991 in die Entwicklung. Erste Vorläufer ("Oak") kamen ab 1992 zum Einsatz, ein erster HotJava-Browser im Folgejahr, bis 1995 endlich die Java-Zeit anzubrechen schien: Mit viel Tamtam und Getöse verkündete Sun Microsystems auf der Sunworld 1995 die Anbindung von Java an den damals führenden Browser Netscape.
Damit schienen die Weichen gestellt für einen beispiellosen Siegeszug. Java schien die ideale Universalsprache für das neue Medium, machte gar die Vision vom Network-PC denkbar, der seine Intelligenz aus dem Web beziehen sollte. Programme sollte man nicht mehr kaufen, sondern zeitweilig mieten, so die Vision einer Preiswert-Softwarezukunft. Ausgeliefert werden sollte sie per Web und Java.
Dass Microsoft, mächtigstes Softwareunternehmen der Welt, da nicht zusehen und Applaus spenden würde, war klar. Völlig an Java vorbei kam die Gates-Company jedoch nie: Zumindest Web-Browser, so wollten und wollen das die Nutzer, sollen möglichst alle Web-Standards bedienen. Doch Microsoft hielt dagegen, mit eigenen Entwicklungen, mit Verzögerungstaktiken.
In derzeitigen Windows- und Internet-Explorer-Versionen etwa steckt eine veraltete Java-Version. Ein Update verweigerte Microsoft, und Sun klagte wegen Wettbewerbsverzerrung - ein Bereich, in dem sich Microsoft-Anwälte besser auskennen, als in den meisten anderen.
US-Bezirksrichter Frederik Motz (Baltimore) gab der Klage nun statt und setzte Microsoft in seinem Urteil ein Ultimatum. 120 Tage Zeit hat das Softwareunternehmen, die neueste Version von Java mit Windows und Explorer zu verknüpfen. Dass der Prozess so enden würde, war auch Microsoft klar: Der Konzern setzte auf Mauern, hatte 180 Tage für die Implementierung verlangt - und will nun in die Revision gehen.
Der Zug ist zumindest verständlich: Das Urteil zwingt Microsoft beispielsweise zur Zusammenstellung eines zweiten Servicepacks für Windows XP. Der dürfte sowieso in Mache sein, kostet aber auch Zeit und Geld. Ein für Java zwischengeschobener Servicepack wäre da schmerzhaft. Das erste Programm-Update hatte Microsoft gerade erst im Dezember freigegeben.