Militär-Roboter: Kamerad Blech - DER SPIEGEL
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Militär-Roboter Kamerad Blech

Wenn von Robotik die Rede ist, wird meist über Medizin-, Rettungstechnik oder niedliche Sony-Hunde gesprochen. Praktische Anwendung finden Roboter aber auch beim Militär. Zumindest in Europa gibt es bisher keine Pläne, die Robots scharf schießen zu lassen - doch das ist nicht überall so.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Krieg ist der Vater aller Dinge, heißt es beim griechischen Philosophen Heraklit, und so ist das gerade in der technischen Forschung und Entwicklung bis heute geblieben. Das gilt ganz besonders für die USA, wo die DARPA, die Hightech-Abteilung des Pentagon, seit 2004 die Grand Challenge veranstaltet. Hier müssen sich autonom agierende Fahrzeuge dem Wettbewerb stellen, es gilt eine über 200 km lange Geländestrecke unbeschadet zu überstehen, was erstmalig 2005 vier Fahrzeugen gelang. Daneben testet die DARPA auch regelmäßig unbemannte Kampffahrzeuge, die ihren Weg über extrem unwegsames Terrain machen müssen. Das Ziel ist, bei sehr gefährlichen Erkundungsmissionen keine Menschenleben mehr zu riskieren.

Der Lebensrettungs- beziehungsweise -schutzaspekt steht auch im Mittelpunkt der 1. ELROB (European Land-Robot Trial), einer von der Bundeswehr organisierten Leistungsschau, die im Mai 2006 erstmalig veranstaltet wurde. Obwohl es nichts zu gewinnen gab, nahmen über 20 Teams teil und testeten ihre Systeme zur Erkundung von schwer einsehbaren Bereichen und zur Überwindung hindernisreicher Strecken. Also kein Ortstermin für schwer bewaffnete Kampfroboter, vielmehr waren die zumeist ferngesteuerten Fahrzeuge mit Kameras verschiedenster Art und mit Greifarmen bestückt, die vor allem dem Entschärfen dienen. Im Ernstfall sollen Soldaten aus riskanten Situationen herausgehalten werden, indem vorschickte Maschinen gefährliche Sprengstoffe, Bomben oder Minen erkennen und diese sogar unschädlich machen.

Kein Platz für Robocop

Zumindest in Europa haben die Militärs noch keinen Bedarf an offensiven, sogenannten "Wirkungssystemen", zumal hier die Ansprüche an die Zuverlässigkeit sehr hoch sind. Fehlfunktionen bei einem scharf schießenden Gerät könnten buchstäblich fatale Folgen haben.

Das wird auch im White Paper deutlich, das die Ergebnisse eines Nato-Workshops im September 2004 bilanziert und einer der Grundlagen für die ELROB bildet. Als die wichtigsten Bereiche für Roboterunterstützung wurden unter anderem Aufklärung und Überwachung, Minenräumung und logistische Aufgaben genannt. Alpträumen in Gestalt wild um sich schießender Maschinen schiebt das White Paper einen Riegel vor: "Autonomes Feuern wird vom Militär nicht akzeptiert."

Dabei liegt nach wie vor ein grundsätzlicher Unterschied darin, ob die Systeme wirklich autonom arbeiten oder lediglich ferngesteuert werden. Letzteres setzt ein wesentlich leistungsfähigeres Computergehirn voraus, zumal auch noch umfangreiche Informationen über das jeweils zu erkundende Gelände mit eingespeichert werden müssen.

Den Stand der Technik hierzulande markiert ein Roboter wie OFRO von Robowatch, ein mobiles Gerät, das vor allem in der Freilandüberwachung eingesetzt werden kann. Der elektrische Nachtwächter sollte sogar während der Fußball-WM am Spielfeldrand entlang patrouillieren und potentielle Flitzer im künstlichen Auge behalten. Darüber hinaus kann das Gerät ABC-Stoffe erkennen und als hilfreiche Abwehr gegen mögliche terroristische Aktionen dienen.

Das fliegende Auge

Überwachung und Erkundung ist auch der Aufgabenbereich fliegender Systeme wie zum Beispiel beim Flugroboter AirRobot, einer Art vierarmigen Minihelikopters, der zu Überwachung, Inspektion und Dokumentation aus der Luft eingesetzt werden kann und sich sowohl für den militärischen wie auch den zivilen Einsatz eignet. Dabei soll die Videosonde in der Bedienung extrem einfach und laut Hersteller "ohne vorherige Pilotenerfahrung einsetzbar" sein.

Im Fernen Osten denkt man da schon weiter. In Südkorea wird derzeit untersucht, inwieweit sich Roboter für den Polizei- und Militäreinsatz eignen. Eine Machbarkeitsstudie soll die Pläne prüfen, die neben einem Patrouillenroboter auch ein Kampfmodell vorsehen, das sich sechs- oder achträdrig, ferngesteuert oder selbständig bewegt. Damit die Produktionskosten nicht ins Uferlose steigen, sollen die meisten Datenverarbeitungsprozesse nicht onboard, sondern über externe Hard- und Software erfolgen, die mit dem Roboter in drahtloser Hochgeschwindigkeitsverbindung stehen.

Eine weitere Möglichkeit, Roboter offensiv einzusetzen, testet derzeit das US-Militär mit dem "Talon Sword". Dabei gehen die Ingenieure einen einfachen Weg, indem sie die vorhandene Plattform eines Späh- oder Detektionsroboters zugrunde legen und anstelle der Kamera- und Erkundungstechnik ein Maschinengewehr oder sogar eine kleine Raketenabschussrampe aufmontieren. Wann das System zum Einsatz gelangen soll, ist allerdings noch ungeklärt.

Eine zusätzliche Aufgabe stellt die Techniker noch vor einige Schwierigkeiten: Im Falle ferngesteuerter Systeme muss die Schnittstelle Mensch-Maschine möglichst einfach gestaltet sein. Das Interface sollte auch von ungeübten Soldaten schnell bedient werden können, und das auch unter den erschwerten Bedingungen zum Beispiel während eines Gefechts.

Was die weitere Entwicklung in Europa außerdem erschwert, ist die im Vergleich zum amerikanischen Markt noch sehr unzureichende Standardisierung. Aber vielleicht liegt Europäern auch ganz einfach das Säbelrasseln nicht mehr so im Blut.