Mobile Banking Die Killeranwendung?
Während das Interesse am Online-Brokerage wegen der Flaute am Aktienmarkt stark nachgelassen hat, nimmt das Wachstum des Online-Banking stetig zu. Nach Einschätzung von Forrester wird sich bis zum Jahr 2005 die Zahl der Online-Banker von derzeit 16 Millionen auf gut 32 Millionen verdoppelt haben.
"Wir rechnen damit, dass die Banken ihre Internetangebote für den Endverbraucher in den kommenden Jahren wesentlich verbessern werden, um diese attraktive Zielgruppe an sich zu binden", erklärt Therese Torris, Group Director bei Forrester Research, den Wachstumsoptimismus.
Doch um dieses Ziel zu erreichen, müssen die bestehenden Angebote noch erweitert werden. Dabei stehen nicht nur Selbstbedienungs- und Automatisierungstools auf den Internetseiten der Banken und damit die Senkung der Transaktionskosten im Vordergrund, sondern auch individuell zugeschnittene Serviceangebote. Das Ziel heißt daher "Multi-Channel-Banking" und gerade mit der stark gestiegenen Zahl von Handy-Nutzern steigt der Bedarf an mobiler Geld- und Depotverwaltung. Das "Mobile-Banking" wird also als neues Geschäftsfeld das Service-Angebot der Banken erweitern.
Gestützt wird diese Einschätzung auch von einer aktuellen eMind@emnid-Umfrage, bei der die potenziellen Nutzer künftiger UMTS-Handys Nachrichten, Börsenkurse und Mobile Banking als bevorzugte Angebote angeben. Die mobilen Bankgeschäfte stehen zusammen mit dem Surfen im Internet immerhin für 56 Prozent der Befragten auf dem zweiten Rang.
SMS-Banking mit der Sicherheit von HBCI
In einem gemeinsamen Modellversuch zum SMS-Banking ebnen die ersten Projektpartner den Weg für künftige UMTS-Angebote. Dabei stellt o2 das GSM-Netz, das Technologie-Unternehmen tecways AG entwickelt das Software-System für die sichere Kommunikation und das Informationszentrum der Sparkassenorganisation SIZ schafft die Voraussetzungen für eine gesicherte Transaktion. Die Stadtsparkasse München fungiert mit ihren Kunden als Pilotbank.
Die Funktionalität des SMS-Bankings mit der Sicherheit von HBCI wird über eine spezielle SIM-Karte im Handy realisiert. Sie lässt sich in fast allen Mobiltelefonen einsetzen und soll künftig auch noch weitere Finanztransaktionen ermöglichen. Alle Transaktionen werden mit einem geheimen Code noch auf der SIM-Karte im Handy des Benutzers verschlüsselt und erst wieder im Bankenrechenzentrum in Klartext übersetzt. Die Sicherheit der Nachricht ist also auf dem Übertragungsweg vollkommen gewährleistet, sogar aus ausländischen GSM-Netzen.
"Im gegenwärtigen Pilotprojekt können derzeit etwa 200 Teilnehmer per Handy Geld überweisen, den Kontostand abfragen und sich über allgemeine Bankangebote informieren. Weitere Funktionen wie die Integration von standortbezogenen Angeboten wie etwa der Anzeige der nächsten Geschäftsstelle werden bald folgen", erklärt Roland Zeddies, Projektleiter bei tecways für das sichere SMS-Banking-Verfahren.
Preiswerte Bankgeschäfte mit Java
Das Karlsruher IT-Unternehmen Fun Communications hat nicht nur eine Mobile-Banking-Lösung für SMS und WAP, sondern auch per Java realisiert. Überweisungen und Kontostandsabfragen können im Gegensatz zu gegenwärtigen WAP-Verfahren mit einer entsprechenden Software weitaus kostengünstiger offline vorbereitet und dann online abgewickelt werden. "Die Java-Anwendung wird einmalig online auf das Handy oder den PDA geladen oder über den PC eingespielt. Onlinekosten fallen lediglich noch für die Übermittlung der Transaktionen an", erläutert Klaus Nahr, Geschäftsführer der Fun Communications GmbH, die Funktionsweise. Auch Aktienkurse lassen sich auf gleichem Wege kostengünstig und ohne Zeitdruck betrachten: Die gewünschten Kursinformationen werden vom Zentralrechner heruntergeladen und auf dem eigenen Mobiltelefon zwischengespeichert.
Refinanzierungsquelle für UMTS?
Einen wegweisenden Wandel zeigte bereits im Mai 2000 der damalige Mannesmann- und heutige KarstadtNewMedia-Vorstand Peter Gerard bei einem Vortrag auf. Würden die Mobilfunkbetreiber auch Girodienstangebote bereitstellen und in diesem Bereich versuchen, die Banken abzulösen, so könnten nicht nur die Transaktionskosten für Überweisungen auf wenige Cent sinken, sogar Sofortzahlungen ohne jeglichen Zinsverlust wären möglich. Außerdem könnte das Handy die Funktionen der herkömmlichen Scheckkarte übernehmen. Noch ein weiterer Vorteil: Die Handynummer des Mobilfunkkunden wäre zugleich auch die Kontonummer. Immerhin eine von unzähligen PINs würde so entfallen.
Doch die Bankenriege sträubt sich gegen derartige Visionen und hält an den oft gescholtenen Girodiensten fest. Sicher ist aber, dass die Macht des Internet zu Veränderungen führen wird. Mobile Banking wird mit Sicherheit ein Erfolgsfaktor künftiger UMTS-Strategien, und ob Girodienste über die Mobilkommunikationsunternehmen das Ende der Banken in der heutigen Form einläuten, dürfte noch ein heiß diskutiertes Thema vor allem hinter den Kulissen der Glas- und Marmortürme in der Finanzmetropole Frankfurt am Main werden.
Niels Gründel