Mobile Marketing: Werbung bis in die Jackentasche - DER SPIEGEL
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Mobile Marketing Werbung bis in die Jackentasche

Die Werbewirtschaft erhofft sich vom Mobile Marketing steigende Umsätze. Doch die Akzeptanz der Verbraucher hängt nicht nur von der Werbeform ab, sondern auch davon, inwieweit Handy-Besitzer keinen unerwünschten Werbebotschaften ausgesetzt sind.
Von Niels Gründel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jeder von uns wird mit mehreren tausend Werbereizen täglich konfrontiert, in der Zeitung, im Radio und Fernsehen, auf Plakatwänden und Aufklebern in Bus und Bahn und natürlich auch im Internet.

Aber das größte Potenzial bei der Nutzung der mehr als 50 Millionen Handys allein in Deutschland liegt noch brach, darin sind sich die Experten einig. Denn nicht einmal die Hälfte der großen Werbeagenturen hier zu Lande bietet ihren Kunden entsprechende Konzepte für eine bessere Kundenbindung und Imageförderung der eigenen Marken. Immerhin könnten so ähnlich viele Personen erreicht werden wie bei den klassischen Werbeträgern, und im Gegensatz dazu unter Vermeidung der vielen bekannten und unbekannten Streuverluste erheblich zielgruppenspezifischer.

Mehr als SMS-Botschaften

Oft wird Mobile Marketing noch auf den Versand von SMS-Botschaften reduziert, häufig wird dahinter sogar die unerwünschte Zusendung von Werbebotschaften vermutet - was teilweise auch stimmt.

Doch Mobile Marketing geht über plumpe Werbebotschaften deutlich hinaus. "Das Mobiltelefon kann unter anderem sehr effizient in Verbindung mit traditioneller Werbung genutzt werden. So gibt es erfolgreiche Kampagnen zur Produkteinführung, in denen per Plakat oder Print-Anzeige zum Beispiel ein Gewinnspiel beworben wird, zu dem man sich dann per Handy kann", umreißt Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research, das weite Feld von Mobile Marketing.

Der Getränkehersteller Schweppes hat jüngst eine Werbekampagne für die Gastronomie gestartet, bei der eine SMS-Nummer auf den Trinkuntersetzern von 600 ausgewählten Gastronomie-Betrieben und den Rücketiketten der eigenen Gastronomieflaschen abgedruckt werden. Wer eine SMS an die aufgedruckte Nummer sendet, kann sich Chancen auf die Übernahme der Gastronomie-Rechnung bis zu 50 Euro machen.

In Großbritannien ist zu Jahresbeginn ein mobiler Marketingfeldzug sehr viel größeren Ausmaßes gestartet. Eingebunden wurden dort alle 1200 McDonald's-Restaurants. Alle mittleren und großen Pommes-Frites-Verpackungen enthielten einen Gewinncode und eine SMS-Nummer. Wer an der Aktion teilnahm, wurde sofort darüber informiert, ob er gewonnen hatte oder nicht.

Verlost wurden Preise im Wert von mehreren Millionen Euro - trotzdem eine günstige Alternative zur klassischen Werbung, wie Jason Dawn, Digital Marketing Manager von McDonald's Großbritannien findet, denn "der interaktive Gebrauch des Mobiltelefons gibt uns die Gelegenheit, unsere Kunden zu unterhalten, sie Preise gewinnen zu lassen und mit uns über ein ihnen sehr vertrautes Medium zu kommunizieren, das gleichzeitig sehr Kosten einsparend ist".

Die Beispiele zeigen, in welche Richtung sich das mobile Marketing bewegt: weg von reinen Werbebotschaften, hin zu interaktiven Angeboten, bei denen die Werbung akzeptiert wird, damit man vielleicht selbst einen Vorteil erlangt.

Dies ist häufig auch bei vielen vordergründig kostenlosen Diensten wie Börseninformationen der Fall, die kostenlos, aber mit Hilfe eines Sponsors zur Verfügung gestellt werden. Erhaltene Werbebotschaften werden dann hingenommen, weil dadurch die Kosten eines gewünschten Dienstes erspart bleiben. Letztlich wird der Gegenwert der Werbekommunikation anerkannt.

Kombinationswirkung mit Location Based Services

Doch Mobile Marketing basiert zum Teil auch auf Location Based Services, etwa wenn in Zukunft Geschäfte oder Plakatwände mit Bluetooth-Sendern ausgestattet würden, die Nachrichten an die Handys der vorübergehenden Passanten senden. Auch in sich abgeschlossene Käufe per Mobiltelefon wären denkbar, etwa wenn Informationen zu einem Flugziel per Handy abgerufen werden, man sich nach einer Vorauswahl direkt mit einer mitgesendeten Call-Center-Rufnummer verbindet, dort eine endgültige Auswahl trifft, ein Angebot erhält und dieses dann per Handy bezahlt. Im Idealfall könnte das Mobiltelefon dann sogar für den Check-in am Flughafen dienen. Dies alles wäre mit dem Handy erstmals ohne Medienbruch möglich. Ob es aber auch akzeptiert wird?

"Überflutungsgefahr"

Viele Handybesitzer pflegen ein geradezu persönliches Verhältnis zu ihrem mobilen "Funkcomputer". Insofern verwundert es nicht, wenn beim Mobile Marketing auf eine persönliche und direkte Ansprache besonders großen Wert gelegt wird. Dennoch muss die Werbewirtschaft mit den neuen Möglichkeiten vorsichtig und mit Bedacht umgehen, damit sie die Handykunden nicht überflutet oder zu sehr in die Privatsphäre eindringt. "Mobiles Marketing kann sich langfristig nur durchsetzen, wenn es auf Kundenseite akzeptiert ist", so Marcus Garbe, Arbeitskreisleiter "Mobile Internet" beim Deutschen Multimedia Verband.