Mobile Zukunft: Vom Auto zum Web-Mobil - DER SPIEGEL
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Mobile Zukunft Vom Auto zum Web-Mobil

Das Internet soll automobil werden. Geht es nach den Plänen der Autokonzerne, wird dank UMTS E-Mail-Schreiben, Aktien-Order und Kartenreservierung im eigenen Wagen nicht nur Zukunftsmusik bleiben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Quer durch alle Branchen wird für das rollende Büro geforscht. Vor rund zwei Monaten gaben der Autoradiohersteller Blaupunkt und Softwareriese Microsoft eine Kooperation bekannt, die das Auto Web-fähig machen soll. Die Überlegungen der Unternehmensstrategen sind denkbar einfach. Die Gesellschaft wird mobiler und auch außerhalb der westlichen Welt steigt die Nachfrage nach einem eigenen Wagen. Ergo - immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit im Auto. Dieser Logik folgend muss die Informationstechnologie der mobilen Gesellschaft hinterhergetragen werden, damit der Einzelne nicht den Anschluss verpasst.

Autofahrer werden in naher Zukunft einen Großteil ihrer Internetaktivitäten vom Wagen aus erledigen, bestätigt eine Studie der Mercer Management Consulting die Vermutungen. Demnach sind mobiler E-Commerce und moderne Telematikdienste den Fahrzeuglenkern rund sechs Prozent ihres Einkommens wert. Für Ralf Kalmbach, Vize-Präsident bei Mercer Management Consulting, bietet das den Autobauern eine hervorragende Chance, zusätzliche Geldquellen zu erschließen. Die Autokonzerne müssten allerdings bereit sein, sich zum "Mobilitätsdienstleister" zu wandeln, sagte Kalmbach. Noch dominiere die "klassische Ingenieurskultur".

In den Chefetagen von General Motors, Ford, DaimlerChrysler & Co. ist diese Erkenntnis nicht ganz neu. Sie wiesen längst ihre Entwicklungsabteilungen an, mobile Datenströme neben Fahrzeugverkauf und Service zum dritten Standbein auszubauen. Künftig sollen die Kunden mit firmeneigenen Informations- und Internetdiensten noch stärker an die eigene Marke gebunden werden. Der Mercedes-Fahrer reserviert via DaimlerChrysler aus der S-Klasse heraus seine Opernkarten, der Opel-Chauffeur bucht bei General Motors den nächsten Flug und der Volkswagen-Fan bedient sich der Datenautobahn aus Wolfsburg, um sich einen Parkplatz zu sichern.

Doch noch sind die ersten Knospen dieser Entwicklung den Käufern von Oberklassewagen vorbehalten. Beispiel Telematik: Der Fahrer gibt sein Fahrtziel ein, per Satellit wird der Standpunkt ermittelt, der Verkehrsfunk meldet dem im Auto eingebauten Computer eventuelle Staus und Baustellen auf der Strecke, woraufhin der Rechner eine alternative Route empfiehlt. Kurzum: Der Fahrer wird auf der optimalen Strecke zum Ziel gelotst. Mit rund 2000 Mark je Gerät sind die Systeme allerdings keine Verkaufsschlager.

Kalmbach erwartet, dass die Preise für Geräte und Dienstleistungen in den kommenden Jahren kräftig fallen - ähnlich wie bei Handys. Denn letztendlich seien es nicht die Geräte, mit denen das Geld verdient werde, sondern die angebotenen Dienste.

Doch zwischen den Ansprüchen und der Realität der Autowelt klaffen zurzeit noch riesige Lücken. Anstatt selber zum Dienstleister zu werden, beweisen die Hersteller nur, dass sie die Hardware in ihre Autos einbauen können. Etliche Autobauer stellten in jüngster Zeit Prototypen des Web-Autos vor. Opel ließ beispielsweise den Omega V8.com vorrollen. Neben Navigationssystem, Mobiltelefon und teurer Hifi-Anlage haben die Ingeneure dem Kombi auch einen internetfähigen Rechner verpasst. Die Beifahrer können in dem Wagen E-Mails abrufen, chatten, online einkaufen oder im Web Aktien ordern - sofern die Funkverbindung hält.

Aus heutiger Sicht wird das auch künftig ein Problem bleiben. Das so hoch gelobte UMTS hat ein erhebliches Manko, das den Autobauern und Hardwareherstellern einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Der maximale Datenstrom des neuen Supernetzes nimmt ab, je schneller sich der Nutzer von A nach B bewegt. Schlechte Vorzeichen für das rollende Büro.