Mobiles Büro Nie mehr Angst vor Montag
Hamburg - "Der Büromontag war immer die Hölle: Berge von E-Mails und Kundenanfragen, auf die niemand reagiert hat" sagt Herbert Grosnau. Er ist Techniker im Außendienst und hat den ersten Tag im Büro nach langen Dienstreisen immer gehasst. Heute hat Grosnau sein Büro stets dabei und kann selbst in Hotels ohne Internetanschluss arbeiten. Die Rückkehr ins Büro hat für Grosnau damit viel von ihrem Schrecken verloren.
Der Techniker ist einer von vielen Handlungsreisenden in Deutschland. Ihre Tätigkeit besteht aus Beratung vor Ort und Aufarbeitung der Kundenkontakte im Büro. Einen Großteil der Arbeitszeit verbringen Außendienstler auf Autobahnen, bei Kunden und in Hotelzimmern. Klingt anstrengend, ist aber ein Kinderspiel gegen die verbleibenden Tage im Büro. Denn dort wartet die unerledigte Arbeit.
Die aktuellen und künftigen Mobilfunknetze machen Daten mobil, erlauben schnelle Zugriffe selbst auf umfangreiche Präsentationen und Kalkulationen. Plötzlich stehen den Aushäusigen Daten zur Verfügung, die früher nur im Büro greifbar waren. Kein Zweifel, das Büro im Netz ist von so hohem Nutzen, dass gerade die Nachfrage nach so genannten Mobile-Office-Lösungen als Schlüsselanwendung für die neuen Mobilfunknetze gehandelt wird.
In den vergangenen Jahren erwies sich die Zukunftstechnologie allerdings zunächst einmal als Nullnummer. Früh wurde versucht, Office-Anwendungen im Internet verfügbar zu machen: Firmen sollten ihre Software nicht mehr kaufen, sondern diese von so genannten Application Service Providern (ASP) stattdessen mieten. Doch ASP floppte entsetzlich, die meisten Projekte aus den Jahren 2000 und 2001 wurden mangels Nachfrage eingestellt. Der Begriff "Mobiles Büro" ist zudem sehr unscharf. ASP-Software wurde vorschnell in die Rubrik "Mobile Office" geschoben, doch erst die Funknetz-Anbindung des Computers macht wirklich mobil.
Inzwischen sind zumindest einige brauchbare Dienstleistungen erhältlich. Die Rahmenbedingungen haben sich freilich verbessert: Die Mobilfunknetze sind dank GPRS-Übertragungsstandard inzwischen dreimal schneller als früher. Internet-Sicherheitsstandards wie SSL, PPTP (Point-to-Point Tunneling Protocol) und IPSec (Internet Protocol Security) machen das mobile Büro relativ sicher.
- Microsoft:Über MMIS
- Linkedwith:Mobilmachung von Intranets IBM/Lotus und Microsoft
- O2-IP-VPN-GPRS
- O2-Smartphone XDA, Office-Lösung auf Basis MMIS
- Office-Optimizer für MS-Outlook
Die Deutsche Telekom präsentierte kürzlich ihren "Mobile Office Optimizer" für das GPRS-Netz. Die Software wurde speziell zur mobilen Nutzung von Microsoft Outlook entwickelt. Das Programm sorgt dafür, dass der Text neuer E-Mails automatisch an PDA oder Laptop weitergeleitet wird. Dateianhänge können auf Wunsch abgerufen werden. Der Eingang neuer Kalendereinträge wird gemeldet, sobald sie im Firmennetz eintreffen. Zudem werden die Daten tüchtig komprimiert. Mit einer GPRS-Karte für den Laptop ist man permanent auf "Empfang". Gebühren fallen nur für das übertragene Datenvolumen an.
Der Mobilfunkbetreiber O2 wirbt für sein Smartphone XDA, einen Zwitter aus Mobiltelefon und PDA. Mit dem XDA will das Unternehmen zugleich eine Office-Lösung vermarkten, den Microsoft Mobile Information Server (MMIS). Damit können Firmen ihre internen Microsoft-Exchange-2000-Anwendungen ins GPRS-Funknetz einspielen.
Noch einen Schritt weiter geht O2 mit seinem Angebot, gleich ein internetbasiertes VPN (Virtual Private Network) über das GPRS-Funknetz abzubilden, um Mitarbeitern den vollen Mobilzugriff auf das firmeninterne Netz zu ermöglichen. Von unterwegs lässt sich das Intranet dann über GPRS-fähige Notebooks oder PDAs erreichen. Dabei wählen sich die Mitarbeiter über den Datendienst GPRS in das IP-Netz von O2 ein. Durch die VPN-Software auf dem Notebook und auf dem zentralen VPN Gateway (Server) des Unternehmens entsteht ein virtuelles privates Netzwerk (VPN). Das kryptografisch gesicherte Gateway sorgt dabei für eine sichere Verbindung zwischen Notebook und Firmennetz.
Microsoft selbst hält Smartphone-Lösungen für so attraktiv, dass das Unternehmen in Redmond neben dem Spezialbetriebssystem Stinger fieberhaft an einer eigenen Hardware bastelt. Gefordert ist aber vor allen Dingen IBM . Denn deren System aus Lotus Notes (Client), Lotus Domino (Server) und Lotus Quickplace (Groupware) ist bei der Vernetzung firmeninterner Arbeitsgruppen weltweit der Marktführer. Während IBM vor allem auf die W-LAN-Technik setzt, machen Softwareentwickler wie das Berliner Unternehmen Linkedwith zum Beispiel Lotus-Notes und Domino fit für die Mobilfunkschnittstelle.
Ob über das GPRS-Netz oder ein W-LAN, der mobile Zugang ins Internet ist einfacher und erschwinglicher geworden. Wer viel unterwegs ist, für den sind kombinierte Funk-LAN-GPRS-Karten und mobile Office-Lösungen eine feine Sache. Da überschlagen sich die PR-Abteilungen sogleich: Firmen, die heute bereits auf das mobile Office setzen, erzielen damit möglicherweise einen ähnlich werthaltigen Wettbewerbsvorteil wie einst die frühen Nutzer von E-Mail! Zugegeben, ein üppiges Menü. Aber im Zweifel hilft gegen Schluckauf ja angeblich ein Schluck Wasser.