Mobiles Fotoalbum: Wie süß, ein Bild! - DER SPIEGEL
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Mobiles Fotoalbum Wie süß, ein Bild!

Hobbyknipser können wieder ruhig schlafen: Künftig müssen sie auch unterwegs nicht auf ihr Fotoalbum verzichten. Die Qualität der mobilen Bilder ist vorerst allerdings äußerst bescheiden.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Alexander Samwer besteht kein Zweifel. Der Chef des Handy-Portals Jamba hat, wie er im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung verkündet, eine neue "Killerapplikation" der mobilen Welt entdeckt. Mal wieder.

Waren es zunächst aufwendige Videos, dann simple Klingeltöne, wird in Samwers Augen nun eine etwas statischere Form der Information das Handy-Universum revolutionieren: Bilder.

Zusammen mit dem digitalen Fotodienst PixelNet will das finanziell angeblich erfolgreiche Portal in den kommenden Wochen einen neuen Dienst starten, der es jedem Mobilfunkkunden - ein entsprechendes Handy vorausgesetzt - ermöglichen soll, mittels Wap auf ein persönliches Fotoalbum zuzugreifen. Immer, überall und idealerweise gegen Geld.

Ist das Wap-Album, das auf derselben Datenbank beruht wie das von PixelNet entwickelte Internet-Fotoalbum, erst einmal im Netz eingerichtet, kann mobil darauf zugegriffen werden. Wer sich seiner Schnappschüsse nicht schämt, kann Freunde oder Bekannte mittels SMS zum Studium der Bildergalerie einladen. Über das Handy kann auch bestimmt werden, wer überhaupt Zugriff auf die Bilder bekommt.

Das Ganze soll zudem, ansonsten hätte PixelNet von der Kooperation recht wenig Vorteile, auch in der entgegengesetzten Richtung funktionieren. Mobile Bildbetrachter können über ihr Wap-Handy Papierabzüge des soeben Gesehenen bestellen - besonders dann, wenn sie auf den Bildern auch wirklich etwas sehen wollen.

Denn sonderlich prickelnd kommen die Schnappschüsse auf den derzeitigen Handys nicht rüber. Samwer präsentiert in Berlin ein Siemens SL45, auf dem die neue Technik bereits läuft. In Briefmarkengröße erscheint ein grobes Pixelgewirr, das entfernt an das Brandenburger Tor erinnert.

Auf anderen Fotos, die vom Server bereits mit einer entsprechend niedrigen Auflösung und Dateigröße ans Handy geliefert werden, lässt sich gerade einmal das Geschlecht der abgebildeten Menschen erkennen. Der New-Economy-Macher Samwer, der zuvor mit seinen beiden Brüdern das Auktionshaus Alando aufgebaut und millionenschwer an den Marktführer eBay verkauft hatte, stört das wenig. "Stellen Sie sich vor, das ist das Bild der Freundin, dann wird das gleich viel emotionaler."

Überhaupt, Emotionalität lautet das wichtige Stichwort, nicht Perfektion. Samwer, Chef von 65 Mitarbeitern, lässt verlauten: "Dieses emotionale Element in der digitalen Welt markiert den neuen Trend der Fun-Generation." Der erfolgreiche Jungunternehmer - blonde Haare, weißes T-Shirt mit Jamba-Aufdruck - prognostiziert schon jetzt Freudentaumel auf den Schulhöfen. Denn: "Es geht nicht um den tierischen Ernst."

So viel jugendlicher Elan scheint ansteckend zu wirken. Zumindest aber überzeugend: "Bilder werden die Applikation werden, mit der Hersteller ihre Handys verkaufen und Betreiber ihre Netze auslasten", sagt Walter Kroha, Marketing-Chef bei PixelNet. Der eher gesetzte Manager - grauer Anzug, graue Krawatte, graues Haar - verspricht, demnächst die gesamte Bandbreite der Bilder (von klassisch bis digital) anzubieten. Die Vertriebskanäle sollen dabei vom Handel über das klassische Internet bis hin zu Wap-Handys reichen.

Kommen dann auch noch Handys mit großen, hochauflösenden Farbdisplays, mit eingebauter Kamera und hoher Übertragungsgeschwindigkeit, sei, so Kroha, der Bilderboom im mobilen Netz nicht mehr zu stoppen - aber davon träumen UMTS-Verfechter ja bereits seit längerem.

Doch zunächst soll, zeitgleich mit dem Start einer neuen, grafisch optimierten Handygeneration, das Fotoalbum in verrauschter Qualität auf den Markt kommen. "Es funktioniert bereits", sagt Kroha. Bis Ende September sollen die Versuche zur Praxistauglichkeit abgeschlossen sein.

Allerdings: Der wirkliche Praxistest steht auch dann noch bevor - der Test, ob Handybesitzer derartige Dienste überhaupt wollen.