Mobiles Internet: Big in Japan - DER SPIEGEL
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Mobiles Internet Big in Japan

Der japanische Telefonriese NTT DoCoMo verhandelt Medienberichten zufolge über eine Partnerschaft mit America Online, um den mobilen Internetmarkt aufzurollen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - NTT DoCoMo steht vor einem Deal mit dem weltgrößten Internetservice-Provider AOL. Das berichtet die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun". Ziel der Kooperation: Gemeinsame Dienste am Mobilfunkmarkt der dritten Generation anzubieten. NTT DoCoMo bestätigte lediglich, weltweit Gespräche mit verschiedenen Betreibern zu führen, gab aber keine neuen Verträge zu. "Wenn Details geklärt sind, werden wir das so bald als möglich verkünden." AOL Japan sagte lediglich: "Wir sind momentan nicht in der Lage, einen Kommentar abzugeben."

Eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen würde das Potenzial auf beiden Seiten extrem vergrößern – sowohl was die Technik als auch die Kundenanzahl angeht. Dennoch dürften einige Fragen noch ungeklärt sein, beispielsweise die regionale Verbreitung oder was mit den ISP-Ambitionen der NTT-DoCoMo-Mutter Nippon Telegraph und des NTT-Internetzugangsservice "OCN" passieren würde. Die Verbindung der AOL-Dienste mit der innovativen NTT-DoCoMo-Internetzugangstechnik i-mode würde die Japaner jedenfalls einen großen Schritt weiterbringen auf dem Weg zur weltweiten Marktführerschaft im Telekom-Bereich.

Ass im Ärmel

NTT DoCoMo allein bietet zwar keine klassischen Einwahlverbindungen für Privatnutzer an, dafür aber eine innovative Technologie, die sich zu einem Joker um die Führungsposition am Weltmarkt entwickeln könnte: "i-mode" heißt das Zauberwort, das Content zu jeweils 9,6 Kbit pro Sekunde auf das Handy bringt. Die Japaner sind schlichtweg begeistert von i-mode, allein in diesem Jahr kam monatlich eine Million Abonnenten dazu. Über neun Millionen bestellen über das Handy Produkte, rufen E-Mails ab oder laden sich Karaoke-Songs herunter. Ein reichhaltiges Dienstleistungsportfolio und interessante Kooperationspartner machten i-mode zu einem Riesenerfolg, Wap sieht dagegen richtig alt aus. Resultat: NTT DoCoMo ist damit der größte ISP des Landes geworden. AOL würde 23 Millionen Kunden weltweit mitbringen, eine breite Palette an Inhalten und würde vor allem durch den geplanten Merger mit Time Warner nochmals an Attraktivität gewinnen.

Monopoly am Telekommarkt

Die NTT-DoCoMo-Gruppe fährt eine aggressive und erfolgreiche Expansionspolitik. Die Telekommunikationsfirma will sich in der dritten Mobilfunkgeneration endgültig als Global Player etablieren: Das Ziel Europa ist bereits anvisiert. Erst diesen Monat erwarb man 20 Prozent an einer Holding, bei der auch die niederländischen KPN und Hutchinson Whampoa, ein Mischkonzern aus Hongkong, mit an Bord sind. Dieser Verbund hält Anteile an Mobilfunkbetreibern in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Belgien, mit einem aktuellen Stamm von 210 Millionen Kunden. DoCoMo und Hutchison Whampoa sind in Asien stark, KPN hält Beteiligungen in ganz Europa und ist zudem mit dem Joint Venture KPNQwest in den USA vertreten.

Kleiner Rückschlag: Im Rennen um VoiceStream musste NTT DoCoMo erst vergangene Woche der Deutschen Telekom den Vortritt lassen. Aber auch hier hat man noch Verbindungen, Hutchison Whampoa hält einen Anteil an VoiceStream. Die simple und überzeugende Strategie der Japaner: 15- bis 20-Prozent-Anteile an Unternehmen kaufen, also gerade genug, um bei der eingesetzten Technologie mitreden zu können. DoCoMo wird voraussichtlich als erster Mobilfunkbetreiber die Services der dritten Generation (3G) auf den Markt bringen - im Mai 2001.