Mobilfunk: T-Mobile macht auf Festnetz - DER SPIEGEL
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Mobilfunk T-Mobile macht auf Festnetz

Ab Montag bekommt T-Com von seinem Schwester-Unternehmen T-Mobile Konkurrenz. Mobilfunkkunden können ihr Handy gegen eine Extragebühr zu Hause wie einen Festnetzanschluss benutzen. O2 und Vodafone haben einen derartigen Tarif schon länger im Angebot.
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Man muss nicht immer erster sein - vielleicht gerade dann nicht, wenn man eh schon Branchen-Primus ist. T-Mobile, im deutschen Mobilfunk die Nummer eins, hatte lange gezögert. Ab Montag greift auch die Bonner Telekom-Tochter mit einem Handy-Tarif für zu Hause das Festnetz an. Damit tritt das Mobilfunkunternehmen zwar in Konkurrenz zur konzerneigenen Festnetzsparte T-Com. Offenbar hatte T-Mobile nach dem Einstieg seines ärgsten Konkurrenten Vodafone in das Geschäft mit dem mobilen Festnetzersatz im vergangenen Jahr jedoch keine andere Wahl mehr.

Der neue "Festnetztarif" T-Mobile@home sieht zunächst aus wie eine alte Bekannte: In einem festgelegten Bereich, also etwa zu Hause oder im Büro sowie bis zu zwei Kilometer um diese Adresse telefonieren Kunden zu vergünstigten Konditionen. Ein Telefonat vom Handy ins Festnetz kostet dann vier Cent pro Minute. Erreichbar ist der Kunde innerhalb seines Bereichs über eine Festnetznummer, die er zusätzlich zu seiner Handynummer erhält. Das bieten O2 mit seiner "homezone" und Vodafone mit dem "Zuhause"-Tarif ebenfalls an. Im Detail gibt es dennoch einige Unterschiede zwischen den Netzbetreibern.

Während Vodafone und O2 ihre homezone- und Zuhausetarife als Pakete auf den Markt gebracht haben, können T-Mobile-Kunden den Festnetzersatz zu ihrem bisherigen Tarif für 4,95 Euro pro Monat hinzubuchen. Praktisch ist das, weil man damit bei seinen gewohnten Konditionen bleiben beziehungsweise den gewünschten Tarif mit der @home-Option kombinieren kann. Die Mindestlaufzeit des Festnetzersatztarifs beträgt drei Monate.

T-Mobile geht allerdings noch in einem weiteren Punkt über die bisherigen Angebote hinaus. Mit den Produktvarianten "Family&Friends" und "Fürs Business" lassen sich bis zu fünf Handys gemeinsam in einem Bereich einsetzen. Verbindungen zwischen diesen Geräten sind dann innerhalb des Bereichs über Kurzwahl kostenlos.

In einigen Aspekten bleibt T-Mobile allerdings hinter der Konkurrenz zurück. Vodafone schließt in seine Grundgebühr für den Tarif mit Handy- und Festnetznummer von 20 Euro 1000 Freiminuten für Gespräche ins deutsche Festnetz ein. Das sind immerhin knapp 17 Stunden oder mehr als eine halbe Stunde täglich. Den meisten Anwendern sollte das Kontingent reichen.

O2 bietet seinen Kunden als Option eine Flatrate an. Für zehn Euro im Monat, die auf den Genion-Tarif aufgeschlagen werden, können sie aus der homezone Festnetz- und andere O2-Nummern anrufen solange sie wollen. Kunden, die regelmäßig lange telefonieren, sind mit den Pauschalen vermutlich besser bedient. Allerdings berechnet O2 die Flatrate natürlich auch dann, wenn der Kunde sie nicht nutzt, weil er zum Beispiel ein paar Wochen Urlaub außerhalb seiner homezone verbringt.

Telefonkunden sollten in jedem Fall ihre eigenen Gesprächs-Gewohnheiten analysieren, bevor sie sich für einen Festnetzersatz-Tarif entscheiden, der zu Zusatzkosten führt. Noch genauer abgewogen werden sollte die Abschaffung des Festnetzanschlusses. Bei Einpersonen-Haushalten kommt dies sicher eher in Frage als bei einer Familie.

Bedenken sollten Kunden außerdem, dass ein Festnetzanschluss - sieht man von ersten UMTS-Angeboten für das Surfen per Mobilfunk und vereinzelten Offerten der Kabelnetzbetreiber einmal ab - nach wie vor Voraussetzung für einen schnellen DSL-Internet-Zugang ist. Außerdem sind Auslandsgespräche auch aus der homezone oder dem Zuhause-Bereich erheblich teurer als über das Festnetz.

Björn Sievers