Mobiltelefone: Handy-Software selbst updaten - DER SPIEGEL
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Mobiltelefone Handy-Software selbst updaten

Immer mehr Hersteller ermöglichen ihren Kunden, die Bedien-Software von Handys selbst auf den neuesten Stand zu bringen. Derzeit braucht man dazu noch einen PC - künftig soll dies sogar über das Mobilfunknetz möglich sein.
Von Hannes Rügheimer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dass aktuelle Handys und Smartphones tatsächlich kleine Computer sind, merkt man vor allem an ihrer Software. Wie bei PCs tauchen auch bei Mobiltelefonen nach der Auslieferung häufig Fehler auf oder es zeigen sich Unverträglichkeiten im Zusammenspiel mit Mobilfunknetzen oder Zubehör. Je komplexer die Geräte werden, desto wichtiger ist es also, dass ihre Steuer-Software auch nach dem Kauf noch aktualisiert werden kann.

Damit Handy-Nutzer in solchen Fällen nicht erst zum Fachhändler oder Service-Stützpunkt laufen oder ihr Telefon gar einschicken müssen, setzen die Hersteller zunehmend auf Update-Strategien, mit denen die Kunden ihre Geräte selbst auf den neuesten Stand bringen können.

Sony Ericsson

Besitzer neuerer Modelle von Sony Ericsson können ihr Handy komfortabel am PC auf den neuesten Software-Stand bringen. Diese Möglichkeit bietet Sony Ericsson für die meisten Handys, die seit dem T610 erschienen sind - unter anderem für das T630, K700i/S700i, K750i/D750i, V600i, V800, W550i sowie die PDA-Phones P900 und P910i. Benötigt werden ein Windows-PC und das USB-Datenkabel DCU-60, das - sofern nicht mitgeliefert - für rund 20 Euro erhältlich ist.

Einige etwas ältere Modelle wie das K700i oder das P900/P910 erfordern für das Update die datentaugliche Tisch-Synchronisationsstation DSS-25, die es für rund 30 Euro gibt. Die eigentliche Update-Software finden Sie auf der Website www.sonyericsson.com/de  im Bereich "Unterstützung" unter dem Link "Sony Ericsson Aktualisierungsservice". Dort sind auch Listen der jeweils unterstützten Modelle und der für sie geeigneten Verbindungsmethoden aufgeführt.

Das Update geht sehr komfortabel vonstatten. Sobald die Software über das Datenkabel bzw. die Synchronisationsstation Kontakt zum Handy aufnehmen konnte, ermittelt sie selbstständig den Typ des angeschlossenen Mobiltelefons und seinen Software-Stand. Anschließend prüft sie auf dem Sony-Ericsson-Server im Internet, ob Updates für das betreffende Handy verfügbar sind und lädt diese auf Wunsch herunter. Dabei wird auch berücksichtigt, ob es sich um eine gebrandete Version eines Netzbetreibers handelt, und bei Bedarf das entsprechende Update geladen. Wer nun denkt, dass er mit einem gezielten Update sein Handy vom Branding befreien kann, ist aber auf dem Holzweg - denn die betreffenden Speicherbereiche lassen sich nicht überschreiben.

Für den Online-Check und den Download der neuen Firmware-Version muss der PC, mit dem man das Update durchführen will, natürlich Zugriff aufs Internet haben. Der komplette Vorgang sowie die weiteren Schritte erfolgen im Dialog mit dem Anwender.

Und so kommt die Software vom PC aufs Handy: Zuerst müssen Sie die SIM-Karte aus dem Gerät nehmen, dann den Akku wieder einlegen, die Abdeckung schließen und das Mobiltelefon per USB-Kabel mit dem PC verbinden oder es in die Sync-Station setzen. Halten Sie anschließend die C-Taste des Handys längere Zeit gedrückt, dann startet das Handy in einem speziellen Update-Modus, in dem die PC-Software wiederum die neue Firmware auf das Handy übertragen kann. Je nach Handymodell und Größe der Firmware- Datei dauert der eigentliche Update-Vorgang in der Regel zehn bis 15 Minuten - also nicht die Geduld verlieren.

Nach Abschluss der Prozedur schaltet sich das Handy aus. Beim nächsten Einschalten steht die erneuerte Firmware zur Verfügung. Falls Sie vor dem Update und ohne Hilfe der PC-Software den aktuellen Firmware-Stand Ihres Sony-Ericsson-Handys überprüfen wollen, funktioniert dies mit derselben Tastensequenz, die schon vor Jahren bei Ericsson-Handys in den "Service-Mode" führte: Cursor bzw. Joystick nach rechts, *, nach links, nach links, *, nach links, *. Das Menü "Service- Info/Software-Info" zeigt dann die aktuelle Versionsnummer.

BenQ-Siemens

In punkto Software-Updates durch den Handy-Besitzer darf Siemens fast als Veteran gelten. Bereits das im Jahr 2001 eingeführte S45 ließ sich mit Hilfe eines seriellen Datenkabels vom PC aus mit aktualisierter Geräte-Software bespielen.

Diesem bewährten Prinzip ist der Anbieter nach dem Zusammenschluss mit BenQ treu geblieben, auch wenn aktuellere Modelle nun per USB-Kabel mit dem PC kommunizieren und die Update-Software mittlerweile nicht mehr in der tristen DOS-Umgebung läuft, sondern als optisch ansprechendes Windows-Programm geliefert wird.

Besitzer eines Siemens- bzw. BenQ-Siemens-Handys klicken auf der Website www.benqmobile.com/mobilescustomercare/  auf den Link "Kundenservice". Dort wählen sie im "Service Finder" die Kategorie "Service Downloads" und anschließend die genaue Modellbezeichnung ihres Handys. Als Resultat erscheint auf der Website eine Liste der verfügbaren Upgrades und eine Kurzanleitung zum weiteren Vorgehen.

Zunächst müssen Sie ermitteln, welche Versionsnummer die in Ihrem Handy derzeit vorhandene Firmware trägt. Dazu geben Sie den Steuercode *#06# ein, drücken dann den Softkey "Mehr" und suchen in der daraufhin erscheinenden Anzeige die Einträge "Produkt", "Software-Version" und "Variante". Diese Angaben sind wichtig, um aus der unten auf der Website angezeigten Liste von Geräte- und Software-Varianten das richtige Update für Ihr Modell auswählen zu können. Darunter finden sich auch die Software-Versionen von Netzbetreiber-Versionen, also "gebrandete" Ausführungen der Handy-Software. Über das Anwender-Update ist es allerdings nicht möglich, aus einer Netzbetreiber-Version ein "freies" Handy zu machen.

Nach der Auswahl zeigt Ihnen die Siemens-Website einen Link für den Download der entsprechenden Update-Applikation. Für die Verbindung zwischen PC und Handy benötigen Sie außerdem eines der Datenkabel DCA-500 (seriell) oder DCA-510 (USB), die im Fachhandel für jeweils rund 20 Euro erhältlich sind. Per Datenkabel wird die neue Firmware ins Handy überspielt. Am Ende des Update-Prozesses fordert Sie das Handy auf, Ihre PIN einzugeben. Anschließend tippen Sie den Steuercode *#9999# ein und bestätigen diesen mit der Wähltaste. Dann das Handy aus- und wieder einschalten - schon ist die neue Firmware aktiv.

Ab der Geräteserie 65 (C65/M65/S65) lässt sich die Handy- Firmware auch ohne PC und Datenkabel direkt über eine GPRS-Datenverbindung aktualisieren. Den entsprechenden Service nennt Siemens "SWUOTA" (Software-Update over the air). Anders als bei der Aktualisierung über ein Datenkabel wird die Software in diesem Fall in mehreren Einzelhäppchen aufs Handy übertragen. Bislang ist der Zugriff auf die entsprechenden Update-Server allerdings interessierten Fans vorbehalten, die die notwendigen Detailinfos leicht im Internet finden. Offiziell wird dieses Angebot von BenQ-Siemens nicht unterstützt, weil seine Vermarktung und Betreuung nach der Vorstellung von BenQ-Siemens über die Netzbetreiber erfolgen soll.

Weiter in Teil 2: Update für Nokia-Handys und der neue Trend "Service over the air"

Nokia

Für seine Standard-Handymodelle bietet Nokia bislang keine Update-Möglichkeit durch den Benutzer an. Zwar erscheinen recht häufig neue Firmware-Versionen, die vorhandene Fehler beheben, neue Funktionen nachrüsten oder die Kompatibilität zu später erschienenem Nokia-Zubehör herstellen. Doch das Aufspielen dieser Updates ist bis dato Sache der Nokia-Service-Center. Eine Übersicht über die Adressen findet sich im Bereich "Service" auf der Website www.nokia.de .

Kostenlose Software-Updates stellt Nokia über seine Service- Center allerdings nur dann zur Verfügung, wenn der Kunde einen konkreten Fehler seines Gerätes nachweisen kann, der durch das Update behoben wird. Interessenten finden in einschlägigen Internet-Foren oder auf entsprechenden Fan-Webseiten detaillierte Übersichten, welche Korrekturen und Verbesserungen die jeweils neuesten Software-Versionen enthalten.

Daraus lässt sich leicht darauf schließen, welche Fehler in den vorherigen Versionen offensichtlich noch enthalten waren. Bei den meisten Nokia-Handys kann man die Versionsnummer der aktuellen Gerätesoftware durch Eingabe des Codes *0000# ermitteln. Bei einigen Geräten führt auch die Kombination *9999# oder die Typenbezeichnung (z.B. *8110#) zur entsprechenden Angabe.

Offizielle Software-Downloads auf der Nokia-Website gibt es nur für die PC-Software "PC Suite" sowie für einzelne Applikationen oder Bugfixes von Serie-60-Handys. Prinzipiell lohnt es sich deshalb trotzdem für alle Nokia-Besitzer, auf der Nokia-Website im Bereich "Service" auf "Software" zu klicken, die Typenbezeichnung des eigenen Handys aus der Liste auszuwählen und zu prüfen, welche Software-Downloads fürs eigene Handys angeboten werden. Zum Installieren von Updates auf Serie-60-Handys brauchen Sie die entsprechende "PC Suite " und ein passendes Nokia-Datenkabel.

Trend: Updates und Service over the air

Die Gründe sind unterschiedlich, die Interessen jedoch die gleichen: Sowohl Handy-Hersteller als auch Netzbetreiber möchten in Zukunft dafür sorgen, dass die im Markt befindlichen Endgeräte möglichst immer mit der neuesten Software-Version ausgerüstet sind. Um dies zu gewährleisten, haben sie Over-the-air-Updates in die Anforderungs-Listen für künftige Netzbetreiber-Handys geschrieben.

Für die Handy-Hersteller reduziert sich auf diese Weise der Support-Aufwand bei Händlern und in Service-Zentren. Den Netzbetreibern bieten die Live-Updates vor allem die Möglichkeit, ihren Kunden neue Netzfunktionen oder Dienste in die Menüs älterer Handys einzuspielen. Zudem lässt sich auch bei ihnen auf diese Weise der Aufwand für Kunden-Service und -Unterstützung reduzieren.

Firmware aus der Luft

Wie solche Funktionen in Zukunft aussehen könnten, demonstrierte BenQ-Siemens bereits in Prototypen. Ein Service-Client auf dem Handy könnte in regelmäßigen Zeitabständen auf dem Update-Server nachschauen, ob eine neue Software-Version vorliegt. Trifft dies zu, bietet er an, das Update per Datenverbindung in den Speicher des Handys zu laden. Die Netzbetreiber werden wohl darauf verzichten, ihren Kunden das Datenvolumen oder die Online-Zeit für solche Service-Downloads in Rechnung zu stellen.

Nach dem Download wird mit Prüfsummen gecheckt, ob die neue Software fehlerfrei übertragen wurde. Ist dies der Fall, muss das Handy ausgeschaltet werden, um die geladene Version aus dem Arbeitsspeicher in den Flash-Speicher zu kopieren. Beim nächsten Start ist dann die neue Steuersoftware aktiv.

Service-Assistent für Support-Anfragen

Die Ideen von Herstellern und Netzbetreibern gehen aber noch viel weiter: So könnte ein Service-Assistent im Handy auf einen Support-Server im Netz zugreifen und im Dialog mit dem Nutzer häufige Kundendienst- Anfragen beantworten. Beispielsweise ließe sich so etwa in wenigen Schritten herausfinden, warum sich ein Handy immer unerwartet abschaltet. Dazu können Server und Assistent die Einstellungen des Handys auslesen und bei Bedarf modifizieren.