Mobiltelefonie Mein Handy, mein Mini-PC
Am Anfang war der Spieltrieb: Mithilfe der Programmiersprache Java können Mobilfunknutzer moderne Handys erweitern. Genutzt haben die Möglichkeiten in den vergangenen Jahren vor allem Jugendliche, die sich über WAP (Wireless Application Protocol) Spiele auf ihr Telefon geladen haben. Schnellere Prozessoren, größere Speicher in Handys der jüngsten Generation und neue Software erweitern den Funktionsumfang noch einmal deutlich.
Inzwischen lassen sich Office-Dokumente per E-Mail empfangen und (eingeschränkt) bearbeiten, die Reisekosten per Handy verwalten und mit der integrierten Kamera aufgenommene Bilder vor dem Versand bearbeiten.
Für Branchen-Primus Nokia sei die Erweiterbarkeit von Handys ein "zentrales Element der Strategie", sagt Carsten Michel, Produktmanager Enterprise Solutions bei dem finnischen Handyhersteller. Was mit Spielen angefangen habe, werde heute bis zur Plattform für Unternehmenslösungen ausgebaut.
Für Siemens ist Software ein "wichtiges Differenzierungsmerkmal", wie Unternehmenssprecherin Anja Klein sagt. Businesshandys zeichneten sich durch umfangreiche Organizerfunktionen aus. Dazu gehörten nicht mehr nur die Terminverwaltung, sondern auch Reiseplaner und Börseninformationsdienste. Für Privatanwender stünden weiterhin Spiele im Mittelpunkt. Allerdings gehe auch hier die Entwicklung weiter. Ein Beispiel sei ein Downloadassistent für Klingeltöne.
Motorola hat für die zusätzlichen Anwendungen mit Motojuix eine eigene Benutzerumgebung entwickelt. Über diese Plattform, die auf Java basiert, könnten Mobilfunkanbieter ein breites Angebot von Anwendungen bereitstellen, sagt Ralf Gerbershagen, bei Motorola General Manager für den Personal Communication Sector.
Insgesamt zeichnet sich ein Trend zu Clients auf dem Handy als Schnittstelle zu einzelnen Diensten ab. Als Beispiel nennt Michel von Nokia die Navigation per Mobiltelefon. Noch vor ein oder zwei Jahren musste das Kartenmaterial auf dem Handy installiert werden - und hat damit entsprechend viel Speicher belegt.
Der in die Nokia-Handys der Serie 60 integrierte Wayfinder – ein Client - lädt dagegen die gewünschte Karte über das Mobilfunknetz auf das Display, sobald der Anwender eine Anfrage eingibt. Dadurch ist das Kartenmaterial immer aktuell. Allerdings kostet jede Anfrage auch Übertragungsvolumen und damit Geld. Je nach Intensität der Nutzung kann das schnell teurer werden, als einmal eine Software zu kaufen.
Den Trend zu einzelnen Clients für unterschiedliche Anwendungen auf dem Handy sieht auch E-Plus-Sprecher Jörg Carsten Müller. Der Mobilfunkbetreiber bietet seinen Kunden über das i-mode-Portal unter anderem Software für die Teilnahme an Online-Auktionen bei eBay und die Nutzung des Fahrplans der Deutschen Bahn sowie Nachrichtenangebote von CNN und Sport1 an. Im Gegensatz zum Surfen mit dem Browser müsse der Anwender nur den Client starten, um an die gewünschten Informationen zu gelangen, sagt Müller. Der Nutzer spart somit Klicks, was sich vor allem bei Anwendungen lohnt, die er oft benötigt.
Auch für Handy-Anwendungen bedeutet UMTS einen großen Schritt. Wie DSL im Internet ist UMTS im Mobilfunk die "dickere Leitung". Daten lassen sich schneller vom Handy ins Netz und umgekehrt übertragen.
Kartenmaterial für eine Navigationsanwendung etwa gelangt schneller auf das Telefon. Und auch für Handy-Spiele wird es voraussichtlich neue Möglichkeiten geben: Die Spiele werden komplexer und über das Mobilfunknetz können Fans mit anderen spielen - vorausgesetzt die Preise für die Datenübertragung werden günstiger.
Björn Sievers, ddp