Motorola-Handy MPx200 Windows Inside
Hamburg - Seit geraumer Zeit versucht Microsoft , einen Fuß in den Markt für Mobiltelefon-Betriebsysteme zu bekommen. Auf dem Handymarkt herrscht aus Redmonder Sicht verkehrte Welt: Microsoft hat einen kaum messbaren Marktanteil. Mehr als 95 Prozent aller Mobiltelefone verwenden die Software-Plattform des von Nokia dominierten Symbian-Konsortiums.
Außer dem britischen Mobilfunkbetreiber Orange hat Microsoft bisher noch keinen Netzanbieter gefunden, der Telefone mit seiner Software ins Sortiment nimmt. Das liegt vor allem daran, dass bisher kein Markenhersteller ein Windows-Handy auf den Markt gebracht hat. Das ändert sich jetzt: Als erstes Windows-Markenhandy ist in Deutschland seit einigen Tagen das MPx200 von Motorola erhältlich.
Kurzübersicht
Das MPx200 ist ein Smartphone - es soll zusätzlich zu den Telefonfunktionen auch alle Aufgaben eines Personal Data Assistants (PDA) übernehmen. Das Gerät ist solide verarbeitet, liegt gut in der Hand und hat eine ansprechende Optik.
Nach Angaben von Motorola richtet sich das Modell vorrangig an Geschäftskunden. Eine Bluetooth-Schnittstelle, die für Business-Handies inzwischen eigentlich ein Muss ist, hat das Gerät allerdings nicht. Datenübertragung ist stattdessen über Infrarot oder USB möglich. Zudem gibt es einen Steckplatz für eine SD-Speicherkarte. Eine 32 Megabyte-Karte ist im Lieferumfang enthalten.
Pluspunkte
Ein Pluspunkt ist das exzellente TFT-Farbdisplay mit 65.536 Farben. Internetseiten, Bilder und sogar kleine Filmchen werden auf dem 167 mal 220 Pixel großen Display gestochen scharf dargestellt.
Ebenfalls angenehm fiel im Test die Übersicht auf, in der neben den wichtigsten Programmen Termine, Aufgaben und Nachrichten angezeigt werden. Das ganze erinnert an die "Outlook Heute" Ansicht aus Microsofts E-Mail-Programm. Von der Übersicht gelangt man direkt in die einzelnen Untermenüs.
Die Synchronisation von Terminen und Kontakten mit Microsoft Outlook verläuft problemlos, was allerdings kein besonderer Pluspunkt, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Eine Dockingstation, in die man das Gerät zum Laden und Datenabgleichen stecken könnte, ist nicht im Lieferumfang enthalten. Stattdessen gibt es nur ein schlichtes USB-Kabel, was unpraktisch und für ein Businessprodukt etwas spartanisch ist.
Minuspunkte
So ansprechend die Optik des MPx200 daherkommt, so nervtötend ist die Benutzerführung. Da wäre zunächst der Terminkalender. Mit der Tagesansicht kann man arbeiten, der Rest ist nutzlos. So gibt es etwa eine Wochenansicht, in der man anhand von blauen Balken erkennen kann, wo Termine liegen - leider wird nirgendwo angezeigt, um was für Termine es sich handelt. Das Gleiche gilt für die Monatsansicht.
Das Adressbuch ist etwas brauchbarer. Ungewohnt ist allerdings die Suchfunktion: Bei den meisten Handy-Adressbüchern muss man die Anfangsbuchstaben eines Namens eingeben, um diesen zu finden. Microsoft verwendet ein anderes System: Wer zum Beispiel die Tasten "2" und "3" drückt bekommt alle Namen angezeigt, die Kombinationen aus den Buchstaben "ABC" und "DEF" enthalten. Das funktioniert einigermaßen, ist aber sehr gewöhnungsbedürftig.
Auffällig ist bei allen Anwendungen, dass der Benutzer relativ viel klicken und drücken muss, um zur gewünschten Funktion zu gelangen. Die Untermenüs sind häufig unübersichtlich, was in der täglichen Anwendung wenig Freude macht. Irritierend ist zum Beispiel, dass sich die Reihenfolge der in der Kopfleiste des Displays gezeigten Anwendungen ständig ändert - das zuletzt benutzte Programm findet sich immer links. Dadurch muss sich der Nutzer jedes Mal von Neuem orientieren.
Eine große Enttäuschung ist der Internetzugriff. Abgesehen davon, dass auf dem SPIEGEL ONLINE zur Verfügung gestellten Testgerät die Verbindungsprotokolle erst von Hand konfiguriert werden mussten, ist die Darstellung von Seiten in Microsofts Pocket Explorer völlig ungenügend. Alles außer speziell für Mobilegeräte programmierten Seiten kann der Benutzer getrost vergessen. Während etwa der kleine norwegische Explorer-Konkurrent Opera einen Handybrowser anbietet, der auch komplexe Seiten mit vielen Frames einigermaßen leserlich darstellt, ist Marktführer Microsoft an dieser Aufgabenstellung spektakulär gescheitert.
Fazit
Motorola wirbt damit, dass ein Handy, auf dem Windows läuft, dem Nutzer zahlreiche Vorteile gegenüber Symbian-Geräten bringt. Außer einem ähnlichen Look & Feel wie bei Outlook ist dem Tester kein Feature aufgefallen, mit dem das MPx200 direkte Konkurrenten wie das Nokia 6600 oder das SonyEricsson P900 ausstechen könnte - nicht einmal die Outlook-Anbindung ist besser als die der Konkurrenz. Zudem hat Motorolas Smartphone anders als die Geräte der Wettbewerber keine Kamera - obwohl die inzwischen eigentlich zum Standardrepertoire gehört. Seltsamerweise gibt es dennoch eine Kamerasoftware.
Der Gesamteindruck ist, dass es sich bei dem MPx200 noch nicht um ein vollends ausgereiftes Produkt handelt. Die Hardware funktioniert zwar sehr gut, die Software ist allerdings bestenfalls zweitklassig. Übersichtlichkeit und Benutzerführung waren noch nie Microsofts Stärke, was auch bei diesem Produkt wieder deutlich wird. Einige Standardfunktionen fehlen oder sind nicht aufzufinden. Zum Beispiel kann man keinen Vibrationsalarm zusätzlich zum Klingelton einstellen.
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Motorola MPx200 (erhältlich über debitel mit Vodafone-Karte)
Preis: 579 Euro (ohne Vertrag)
Gewicht: 113g
Abmessungen: (HxBxT in mm): 48x89x27
Standbyzeit: bis zu 112 Stunden
Band-Support: GSM 900/1800/1900 MHz GPRS