Mozilla Der Gutmensch-Browser, neueste Version
In den Anfangstagen des Web surfte man mit "Mosaic", später mit dem Navigator von Netscape - die Firma aus Kalifornien mischte beim aufkommenden Wolrd Wide Web relativ früh ganz vorne mit.
Im Gegensatz zu Microsoft: Bill Gates verschätzte sich kräftig hinsichtlich der kommenden Bedeutung des Internet und verschlief den rechtzeitigen Start - der Internet Explorer (IE) verbreitete sich kaum und war ohnehin technisch unterlegen.
Doch 1997 erwachte Microsoft aus dem Tiefschlaf und mühte sich nach Kräften, den Rückstand aufzuholen. Die Firma konterte mit der für diesen Zweck brillanten Idee, den Internet Explorer zum Bestandteil von Windows zu machen.
Die Rechnung ging auf: "Wozu noch einen anderen Browser aus dem Netz laden, wenn doch eh schon einer bei Windows dabei ist?", sagten sich viele. Der Marktanteil von Netscape sank, das endlose juristische Nachspiel ist bekannt. "Kenner" blieben Netscape treu. Nun schickt sich Mozilla an, den legendären Netscape-Browser zu beerben - nicht zuletzt als Symbol der Ablehnung von Microsoft.
Seit 1998 ist das Projekt Mozilla in Entwicklung, und seit ungefähr einem halben Jahr ist der Browser auch alltagstauglich. Nach der Version 0.9.9 steht jetzt der Release Candidate 1 zum Download bereit, und die seit Jahren erwartete, endgültige Version 1.0 erscheint in den kommenden Wochen. Alle Versionen sind frei verfügbar - wie bei Open Source üblich inklusive des Quellcodes.
Mozilla läuft nicht nur auf Windows, sondern ist für eine ganze Reihe von Betriebssystemen verfügbar: Linux, Unix, Macintosh oder sogar BeOS. Neben der Standardpalette mit E-Mail- und Newsgruppen-Funktionalität erfreuen den Profi die Korrektheit der Implementierung gemäß den Vorgaben des W3-Konsortiums und kleinere Finessen.
Doch egal ob nun Mozilla kleinere oder größere Innovationen bringt: Für Otto-Normal-Surfer bringt der Browser kaum großen Nutzen. Der IE ist halt schon da und kann auch alles, was wichtig ist.
Damit bleiben als Argumente für den Download kaum mehr als persönlicher Geschmack bei der Bedienung, Sympathie für das Projekt, Antipathie gegen die Konkurrenz oder einfach "weil er cool ist". Ob das aber wirklich reicht, um Microsoft relevante Marktanteile zu entreißen, darf bezweifelt werden. Eher noch könnte der verbreitete Internetprovider und jetzige Netscape-Eigentümer AOL hier Schützenhilfe leisten: Angeblich plant AOL bereits in der nächsten Version seiner Zugangssoftware den IE durch Mozilla auszutauschen, um von Microsoft unabhängiger zu werden. Eine große Hilfe für die Verbreitung von Mozilla wäre das - aber den ganz großen Durchbruch bringt es auch nicht auf einen Schlag.
Letztlich erweist sich der Ellbogen-Check von Microsoft - das Koppeln von Browser und Windows - auch für Mozilla als wirklich große Hürde.
Einzig in einem Punkt rächt sich die anrüchige Aktion Microsofts dann doch: Die Anwender können ohne Angst vor Inkompatibilitäten einen anderen Browser benutzen - das musste Microsoft nach Klagen möglich machen. Freie Fahrt für Mozilla also, und wenn der Browser auf einer Website mal versagen sollte, dann steht auf jedem Windows-System der IE Gewehr bei Fuß, um die Seite doch noch darzustellen. Und wir Gutmenschen haben unser gutes altes schlechtes Gewissen wieder, denn die Inkompatibilität wird wohl kaum auf Mozilla-Seite zu suchen sein.