MP3 "Brennstationen" im Einzelhandel
MP3 habe sich dafür mit der Einzelhandelskette The Outernet zusammengetan, hieß es in einer Mitteilung beider Firmen.
Der erste MP3-Musikladen außerhalb des Cyberspace soll in der Ortschaft Apple Valley im US-Bundesstaat Minnesota entstehen und ab Herbst als Treffpunkt für Musikfreunde dienen, die bislang meist voneinander isoliert im "stillen Kämmerlein" ihre Songs aus dem Web holten. 20 weitere "Brennstationen" sollen in den USA bis Juli 2001 hinzukommen.
Der MP3 -Vizepräsident für Marketing, Steve Sheiner, sagte nach Zeitungsangaben, Kunden werde eine interessantere Form der individuellen Zusammenstellung ihrer CDs geboten, während sich für Musiker neue Verdienstmöglichkeiten ergäben. Über Preise wurden zunächst keine Angaben gemacht.
In den Cybercafés ähnlichen MP3-Stationen sollen Kunden an interaktiven Monitoren unmittelbaren Zugriff auf die gesamte Musikdatenbank der Online-Firma haben. Nach Zusammenstellung der Titel könne die Auswahl per Knopfdruck auf eine CD gebrannt werden. Zugleich könnten die Kunden selbst ihre CD-Hüllen gestalten.
Die Idee ist durchaus nicht neu. Bereits 1998 munkelte man in der Branche hierzulande, Tankstellenbetreiber planten im Verbund mit der Telekom und einem großen Musiklabel die Aufstellung von Music-on-Demand-Terminals, über die man sich aus einem Angebot von über 5000 Titeln eigene Wunsch-CDs brennen sollte. Das Konzept blieb virtuell, die "Revolution" fand nicht statt.
Siemens stellte dann auf der Cebit 1999 ein funktionsfähiges CD-Brenn-Terminal für den Einzelhandel vor, das bisher den Weg in Läden nicht gefunden hat. Im Februar 2000 endlich kündigte Karstadt ein Pilotprojekt an, bei dem über ein von der Hamburger Multimedia-Schmiede Mov.a.bit entwickeltes Terminal On-Demand-CDs gebrannt werden. Der Modellversuch läuft in Mülheim, vertrieben werden Musiktitel, deren Lizenzen Mov.a.bit eigens zu diesem Zweck erworben hat.
Die Musikindustrie erkennt seit geraumer Zeit die Chancen der On-Demand-Verfahren, tut sich aber schwer mit deren Umsetzung. MP3 war in den vergangenen Monaten unter Beschuss mehrerer Musikkonzerne geraten, die dem Online-Anbieter die Verletzung von Urheberrechten vorwarfen. Inzwischen haben sich jedoch die EMI-Gruppe, Warner Music und BMG mit MP3 auf eine gebührenpflichtige legale Verwendung ihrer CD-Produktionen verständigt.