MP3 Kaufen oder tauschen?
Nashua/San Diego - Über 430.000 MP3-Files hat die US-Firma SwapStation nach eigenen Angaben in ihrem Katalog verzeichnet. Nachdem der Betatest Anfang Januar über 15.000 registrierte Benutzer gebracht hat, wurde die Tauschbörse nun offiziell eröffnet.
Das Prinzip ist einfach: Die User vermerken auf den Internetseiten der SwapStation lediglich welche Musikstücke sie im Angebot haben und nach welchen Dateien sie suchen. Ein spezielles Programm bringt dann die möglichen Tauschpartner zusammen - komfortabel mit einer Antwort-Maske und Angaben zur bevorzugten Tauschmethode.
Denn selbst die Finger schmutzig macht sich SwapStation beim möglicherweise illegalen Tausch nicht. Über die Webseite wird nur der Kontakt zwischen Anbieter und Sammler hergestellt, ein direkter Austausch von MP3-Files findet nicht statt. Von daher sei das Angebot, so Geschäftsführer Joel Sela, auch "völlig legal".
Um sich rechtlich abzusichern, fordert SwapStation von seinen Kunden zusätzlich, dass sie die Seite nicht für illegale Zwecke missbrauchen. So dürfen durch den Austausch weder ein Copyright noch Verwertungsrechte verletzt werden. Inwieweit sich diese Forderung überprüfen lässt und ob sie tatsächlich durchgesetzt wird, bleibt allerdings fraglich.
Auch MP3.com , einer der größten Musik-Anbieter im Internet, hat heute einen neuen Service gestartet, der der Musikindustrie schlaflose Nächte bescheren könnte. Unter dem Label My.MP3.com können User ihre eigene MP3-Sammlung im Internet anlegen.
Eine neue Software macht es laut Pressemitteilung möglich, die Musikclips auf einfache Weise ins weltweite Netz zu übertragen und dann von jedem beliebigen Internetanschluss aus anzuhören. Der Benutzer muss nur noch seine Lieblings-CD ins Computerlaufwerk legen, und wenig später finden sich die Musikstücke schon auf der Webseite von MP3.com wieder - zunächst allerdings in einem persönlichen, durch ein Passwort geschützten Bereich.
Da jedoch MP3.com und seine Kunden, nicht aber die Musikindustrie, über diese Passwörter wachen, erwarten Experten Proteste aus Reihen der Industrie. Mark Lemley, Professor für Internet-Recht in Berkeley, rechnet sogar damit, dass MP3.com verklagt wird. Allerdings habe die Firma gute Chancen einen solchen Prozess zu gewinnen.
MP3-Chef Michael Robertson versteht die sich anbahnende Aufregung nicht. "Unsere sichere Technologie verbindet die Interessen der Künstler, der Plattenfirmen und der Kunden", sagt der Firmengründer. "Wirklich aufregend wird die Sache, wenn man bedenkt, dass die eigenen CDs jetzt von überall auf der Welt aus angehört werden können."
Weniger Probleme dürfte die Musikindustrie mit einem weiteren neuen Service des kalifornischen Unternehmens haben. Wer zukünftig über die Webseiten von MP3.com oder seinen Partnern CDs bestellt, kann die gekauften Dateien gleich im Internet anhören - ohne lange auf die Post warten zu müssen.