Multimedia-Küche Echt kühl, Mann!
Vergammelte Äpfel, saure Milch und abgelaufene Fleischprodukte - das Grausen liegt oft im Kühlschrank. Doch das ist Geschichte, verspricht LG Electronics mit einer frischen Produkteinführung: Endlich, ein halbes Jahrzehnt nachdem die ersten Kühlschrank-Halluzinationen die Phantasie der Tech-Schreiber befruchteten, erreicht das erste intelligente, multimediale Kühlmöbel Serienreife und Verkaufsraum.
Künftig wird der Schrank Alarm schlagen, wenn das Verfallsdatum der Produkte abgelaufen ist. Damit nicht genug: Das koreanische Elektronikunternehmen will die Küche zum Kommunikations- und Entertainment-Center ausbauen (was sie eigentlich ja schon seit der Steinzeit ist). "Die Lebenswelt wird sich durch die Vernetzung von Haushalt und Internet erleichtern", sagte Weon-Dae Kim, Geschäftsführer von LG Electronics Deutschland.
Zumindest wird es voll in der Küche: Der Kühlschrank ist die faszinierende Schaltzentrale im vernetzten Haushalt.
Lebensmittel zu lagern wird nur noch eine seiner Aufgaben sein. Dank seiner vielfältigen Aufgaben und Fähigkeiten hat die Kühlkiste das Potenzial, zum Lebensmittelpunkt der gesamten Familie zu werden (und nicht nur der von Vati).
Wer hat nicht schon einmal sinnierend vor dem Kühlschrank eine plötzliche Eingebung erlebt? Vorbei, die krampfhafte Suche nach Zettel und Bleistift: Per E-Mail hat man sie schnell dort hin gefunkt, wo sie hingehört. Passé sind auch die Zeiten, in denen die Schranktür als Zettelbrett missbraucht wurde. Die kleinen Memos können nun direkt über das 15-Zoll-Touchscreen-Display eingegeben werden. Wer das vorzieht, nimmt die Infos stattdessen als Video- oder Audiodatei auf.
Kühler Küchen-Spaß
Digitales Fernsehen ermöglicht der Multimedia-Kühler sowieso, Musik hören auch - entweder über das Internet-Radio oder indem der innovative "Küchenfreund" mp3-Musikdateien aus dem Netz zieht. Das ist kühl, Mann, Unterhaltung on the rocks.
Und die Ideen für die passenden Gerichte kommen selbstverständlich auch aus dem Web. Kochen muss der Technikfreund allerdings noch immer in Handarbeit - leider. Wenigstens sorgt die integrierte Kamera dafür, dass die Kochergüsse nicht in Vergessenheit geraten. Das verspricht herrlich peinliche Unterhaltung. Über den Eisschrank - der auch Eis in Würfeln oder gecrusht und kühles Wasser ausspuckt - werden auch Mikrowelle, Klimaanlage und Waschmaschine gesteuert. Der geschäftige Single etwa wählt sich über den Server im Kühler ins Internet ein und wirft die Waschmaschine an. Sogar das passende Programm kann er einstellen. Nur die dreckige Wäsche muss er noch selber einfüllen - und könnte vielleicht bei dieser Gelegenheit auch die Starttaste drücken. Das wäre zwar praktischer und billiger, aber auch eine sehr unkühle Idee.
Per Hand müssen derzeit auch noch die Verfallsdaten der Lebensmittel eingegeben werden, damit der Kühlschrank vor Schimmel warnt. Zukunftsmusik ist noch die Idee, die Daten in den Barcodes auf den Verpackungen zu speichern. Vorerst sorgt das Gerät also nicht nur für Volksaufläufe, sondern auch für zusätzliche Arbeit.
Den 641 Liter Nutzinhalt fassenden Kühlschrank wird es ab August im Handel geben - für etwa 8000 Euro. Technik hat bekanntlich ihren Preis - andererseits braucht man ja kein Wohnzimmer mehr, wenn man ein solches Wunderwerk sein eigen nennt.