Musikdienst Connect: Sony sucht Anschluss - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Musikdienst Connect Sony sucht Anschluss

Apples iTunes hat vorgemacht, wie man einen Musik-Downloaddienst nutzen kann, um Hardwareverkäufe anzuschieben. Sony hat sich mit Connect ein Beispiel daran genommen: Seit Dienstag auch in Deutschland. Mit Aussichten auf Erfolg?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass die so lang erwarteten legalen Musikshops deutliche Lücken im Angebot aufweisen, und die eigenen Erwartungen heruntergeschraubt. Okay, die Musikindustrie steht sich halt weiter selbst auf den Füßen und ist nicht in der Lage, die eigene Ware an den Kunden zu bringen: Selbst Schuld, was soll's? Auch im Musikladen an der Ecke ist nicht immer alles vorrätig - allerdings kann man es dort bestellen.

Das geht bei Sonys neuem Downloaddienst Connect nicht. Entweder ein Song ist im Angebot oder er ist nicht zu haben. Wie dieses Angebot bestückt ist, testen perfide Journalisten immer wieder gern anhand der aktuellen Top Ten. Die sind - im Vergleich aller legalen Musikdownloaddienste in Deutschland - nirgendwo lückenhafter als bei Connect.

Von den aktuell zehn meistverkauften Titeln kennt Connect gerade einmal zwei, was allerdings noch nicht heißt, dass man sie auch kaufen kann.

Acht Titel sucht man erst einmal vergeblich, bekommt dafür aber immerhin Alternativen genannt. Sucht man beispielsweise nach "Dragostea", Namensbestandteil der Plätze eins und drei in den Charts, geht Connect nicht etwa von einer Geschmacksverirrung aus, sondern von einem Schreibfehler: Der Shop bietet dem Suchenden stattdessen "Dragonfly" von Ziggy Marley oder "Die blauen Dragoner" von Heino an. Auch nicht schlecht und garantiert lang nicht mehr gehört (oder gekauft).

Von Britney Spears, derzeit mit "Everytime" auf Platz sechs der Charts (Media Control, 5. Juli), hat Connect zwar schon gehört, kennt Album und Single - nur kaufen kann man es nicht. Immerhin kommen die Fans von Maroon 5 auf ihre Kosten - oder doch eher Connect? Denn "This Love" (Platz fünf der Charts) als Einzelsong kostet satte 1,69 Euro im Donwload.

Damit ist Connect zumindest in einer Disziplin aus dem Stand Marktführer: Bei den Preisen.

Die muss man sich im Angebot zusammensuchen, denn auch ein "Hallo, da sind wir: So klappt das hier alles, so viel kostet es..." etc. fehlt völlig. Stattdessen ist Connect zuerst einmal eine Website, was Vor- und Nachteile hat. Ohne gleich Zusatzprogramme herunterladen zu müssen, kann man schon mal im Angebot schnüffeln. Wer dann wirklich etwas kaufen will, muss sich zunächst registrieren und eine Zusatzsoftware namens "SonicStage" herunterladen.

Das wiederum braucht nur Anwender von Windows interessieren, denn alle anderen müssen sowieso draußen bleiben. Mehr noch: Wer nicht mit dem Internet Explorer surft, sondern - zum Beispiel aus Sicherheitsgründen oder weil andere Browser mehr bieten - mit Safari, Mozilla, Firefox, Opera, Konqueror oder anderen, tropft schon an der Eingangsseite ab.

Doch zurück zum Geld: Einzelsongs kosten zwischen 99 Cent und 1,69 Euro, wobei erstere Spezies deutlich seltener ist als letztere. Komplette Alben soll es von 9,99 bis 14,99 Euro geben.

Was bekommt man dafür?

Songs, die im Sony-eigenen ATRAC-Format kodiert sind. Das ist eine töfte Sache, denn ATRAC bietet bei hoher Kompressionsrate eine erstklassige Klangqualität. Allerdings ist ATRAC nur auf Sony-Produkten zu gebrauchen. Das proprietäre Format soll den Verkauf der Vaios, Walkmen und Minidisc-Player ankurbeln, was ja auch nicht verwerflich ist: So macht das auch Apple mit ITunes. Allerdings schränkt es die potenzielle Zielgruppe arg ein. Sony hat das ATRAC-Format übrigens für andere Hardware-Entwickler freigegeben: Wer will, kann ATRAC-kompatible Produkte produzieren. Tut bisher nur niemand.

Immerhin kann man die heruntergeladenen Songs mit der kostenlosen Software beliebig oft auf CDs brennen. Das dürfte die Nutzerzahlen gehörig befeuern, sobald die Big-Mac-Werbeaktion bei McDonalds beginnt: Wer drei Pappburger herunterbekommt, darf sich zur Belohnung einen Song herunterladen.

Ansonsten trommelt Sony so gut wie gar nicht für den neuen Dienst, der keckerweise irgendwann für den Juni angesagt worden war. Der Haken: Connect ist ganz offensichtlich noch gar nicht "fertig", weshalb sich Sony für einen "Soft Launch" entschlossen hat. Von den angeblich 500.000 Song-Lizenzen, für die schon Abschlüsse vorlägen, sollen bis Ende August 350.000 in den Datenbanken landen. Gestartet ist Connect allerdings mit vergleichsweise bescheidenen 150.000 Songs.

Offenbar ein Kind der Eile, nachdem der Hardware-Konkurrent Apple mit seiner iPod-Verkausförderungs-Plattform iTunes vorgeprescht war.

Ob sich Sony damit einen Gefallen getan hat? Die Attraktivität und Nutzung von Connect dürfte zumindest in der Startphase sehr stark mit dem Burger-Hunger der jugendlichen Zielgruppe korrellieren.

Fazit: Vorerst bleibt Connect ein Kleiner unter Zwergen. Wirklich beurteilen können wird man den Shop erst, wenn die Ware geliefert wurde. Bisher ist Connect ein Shop, der an die deutsche Nationalmannschaft erinnert: viel versprechend - aber immer gefährdet, in der Vorrunde auszuscheiden.