Musikdownloads MTV mit Microsoft gegen Apple
Alle sägen an Apples Stuhl. Eben erst hat sich Napster wieder einmal als immer noch lebendig gemeldet, RealNetworks und Yahoo! wollen ebenfalls mit Musikdownloads Geld verdienen - aber dazu muss man am unangefochtenen Marktführer vorbei. Apples iTunes Music Store kann nach wie vor 70 bis 80 Prozent aller übers Netz verkauften Songs für sich verbuchen, je nachdem, welchen Analysten man fragt.
Microsoft verkauft über MSN Music schon jetzt ein bisschen Musik, und auch Pläne für einen eigenen Musik-Aboservice gab es schon. Verhandlungen mit der Musikindustrie über die dazu nötigen Rechte wurden aber vor einigen Monaten aus ungenannten Gründen abgebrochen.
Nun hat sich das Softwarehaus mit dem Musikfernsehen verbündet: Microsoft und MTV basteln gemeinsam einen Downloaddienst, der den etwas merkwürdigen Namen "Urge" ("Drang") tragen soll. Der Dienst soll in Microsofts Windows Media Player in seiner nächsten Inkarnation integriert werden. Die Abspielsoftware würde damit gewissermaßen zu einem iTunes für Windows. Über zwei Millionen Songs sollen beim Start angeblich zur Verfügung stehen, entweder für Einzelndownloads oder im Abonnement.
Auch Internetradio soll im Angebot enthalten sein. Zusätzlich sollen Musikvideos erhältlich sein, aber nur als Stream, nicht zum Download auf die Festplatten der Nutzer. ITunes verkauft inzwischen auch Videodateien, etwa Folgen von Fernsehserien. Erst kürzlich wurde eine neue Kooperation mit einer Sendergruppe bekanntgegeben.
Microsoft soll nach Angaben von Jason Hirschhorn, "Chief Digital Officer" bei MTV, die Technologie für "Urge" liefern, MTV Networks wird den Dienst besitzen und betreiben.
"Urge" wird nicht mit Apples iPod kompatibel sein - was dem Dienst von vorneherein das Leben ziemlich schwer machen dürfte. Nach Analystenschätzungen machen iPods in den USA 75 Prozent aller digitalen Musikspieler aus. Hirschhorn sagte: "Wir finden, der iPod hat tolle Arbeit geleistet. Unser Ziel ist es nicht, Leute von iTunes und dem iPod abzuwerben. Wir müssen uns darauf konzentrieren, wo es einen noch größeren Markt geben wird."