Musikindustrie: Unter Räubern - DER SPIEGEL
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Musikindustrie Unter Räubern

Die deutsche Musikbranche hatte im letzten Jahr rund 259 Millionen Probleme: Das ist einerseits die Zahl der in Heimarbeit gebrannten CDs, anderseits deutlich mehr, als die Branche an echter Ware verkaufen konnte. Zugleich steigt weltweit die Zahl der Raubkopien im Handel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Musik", sagt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, "wird heute mehr gehört denn je - nur bezahlt wird dafür seltener".

Das ist die Formel, auf die sich die Misere der Musikindustrie herunterkochen lässt, wenn man will. Die Industrie sieht das so, und zitiert spektakuläre Zahlen: 259 Millionen Roh-CDs, glaubt die Branche zu wissen, wurden im letzten Jahr allein in Deutschland mit Musik bespielt. Dagegen gelang es der Branche nur noch, 165 Millionen CDs gegen Zahlung an den Kunden zu bringen.

Das, sagte Gebhardt nun dem "Focus", habe im letzten Jahr rund 1300 Menschen in Industrie und Handel ihren Job gekostet.

Der Trend ist weltweit, wenn auch regional unterschiedlich stark ausgeprägt. In der Schweiz etwa setzte er erst jetzt mit Verspätung ein, in Malaysia dagegen ist die Quote illegaler Kopien so hoch, dass die Regierung nun überlegt, staatlich die Senkung der CD-Preise zu verordnen: Dort - wie in fast allen Ländern außerhalb der reichen westlichen Welt - heißt das Problem der Musikindustrie nämlich nicht P2P, sondern Raubkopie.

Diese schädigen die Industrie unmittelbar: Wer die Wahl hat zwischen einer Original-CD und einer - Digitaltechnik sei Dank - Kopie in perfekter Tonqualität, entscheidet sich immer öfter für letztere. Um 14 Prozent, berichtete der internationale Musikindustrieverband IFPI letzte Woche in seiner Jahresbilanz, sei die Zahl der verkauften Piraten-CDs weltweit gestiegen.

Von denen waren nach IFPI-Angaben im letzten Jahr unglaubliche 1,1 Milliarden über den oft improvisierten Ladentisch gegangen. Weil das stracks an der Steuer vorbei geschieht, kann sich die Branche auf die Hilfe des Staates verlassen: 50 Millionen Raubkopien kassierten Polizisten in aller Welt im letzten Jahr ein.

Gegen den Kopier- und P2P-Boom nützt das wenig, und immer öfter wird offene Kritik an der Industrie laut: Die stehe durchaus nicht schuldlos da. Mit überhöhten Preisen und einer mehr an der Vermarktung als an der Musik interessierten Produktpolitik habe die Musikindustrie die Grundlage für ihre eigene Krise gelegt. Offiziell bestreiten Industrievertreter das vehement, doch Branchenintern ist längst klar, dass die Preise mittelfristig deutlich sinken werden.

Gegen den P2P-Boom setzt die Industrie die Schaffung eigener Download-Plattformen. Gestritten wird auch hier noch über die zu verlangenden Preise und die Aufteilung von Erlösen.

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