Nachi: Gesundheit! Wurm heilt Rechner - DER SPIEGEL
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Nachi Gesundheit! Wurm heilt Rechner

Unter all den Varianten des Schädlings Blaster ist Nachi etwas ganz besonderes: Der Wurm versucht, klammheimlich die Windows-Sicherheitslücke zu stopfen. Genau so stellt sich Microsoft den künftigen Kundenservice vor: Redmond denkt darüber nach, automatische Updates einzuführen.
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"Er wollte ein guter Wurm sein", sagt Joe Hartmann, Virenexperte beim Sicherheitsunternehmen Trend Micro. Ganz sei dies der neuesten Variante des Blaster-Wurmes allerdings nicht gelungen. Privatanwender, die sich das Teilchen fangen, müssen sich dennoch keine Sorgen machen. "Nachi", so der Name des Möchtegern-Helferleins, führt nichts Übles im Schilde: Er reinigt Rechner vom bösen Blaster-Wurm und macht sich dann daran, das nötige Windows-Sicherheitspack herunter zu laden.

Das allerdings geht in die Hose. Der Download gelingt noch, die Installation nicht: Insbesondere in Unternehmen fiel Nachi darum umgehend auf, weil er ganze Firmennetzwerke zum Absturz brachte - durch die schiere Serverüberlast, die der parallele Download von Microsoft-Sicherheitspatches verursacht. Deutsche Unternehmen dürfen sich trotzdem relativ sicher fühlen: Nachi kommt wahrscheinlich aus Japan und "befällt" nur Windows-Systeme der japanischen, koreanischen und englischen Sprachversion.

Letztlich scheitert Nachi aber an einer Wissenslücke seines gutmeinenden Programmierers: Zwar lädt sein Virus ordnungsgemäß den angeforderten Sicherheitsflicken, kann diesen aber nur installieren, wenn das betroffene Windows-System zuvor schon einmal ein Update erfahren hat. Das aber wusste der Programmierer wohl nicht, weshalb sein Produkt auf vielen Rechnern relativ wirkungslos bleibt. Zumindest einem Teil der Privatrechner aber hilft Nachi wirklich - den anderen schadet er zumindest nicht, denn er lässt es bei einem Versuch.

Bei dem allerdings drohen Datenverluste, denn Nachi leitet nach dem Patch-Download einen Reboot des Systems ein. Alle IT-Sicherheitsunternehmen behandeln Nachi auch darum als Bedrohung.

Nachi ist kein echtes Novum: Auch für "Nützlinge" gibt es Vorbilder. So setzten Virenschreiber "Reparatur-Viren" beispielsweise gegen Code Red in Umlauf. Die Methode hat einen ganz erheblichen Sex-Appeal: Auch der Siegeszug des Blaster-Wurms hätte verhindert werden können, wenn man direkt nach Bekanntwerden der Sicherheitslücke ein "Reparatur-Kit" auf den Weg geschickt hätte. Genau darüber denkt Microsoft nun wieder laut nach.

Wer das nicht will, soll sich weigern

Das jedenfalls sagte Mike Nash, Chef des IT-Security-Business bei Microsoft, der "Washington Post". Nash sitzt in der Zwickmühle: Bei Einführung von Windows XP, sagt er, seien einige automatische Dienste am Widerstand der Kunden gescheitert. Die verweigern Microsoft-Produkten das "Phone Home", weil tatsächlich nicht nachzuvollziehen ist, was der Rechner alles mit den Servern des Software-Konzerns kommuniziert. Jetzt aber verlangten die Kunden nach automatischen Updates, sagt Nash.

Die bietet Microsoft wohl an, aber nur auf Wunsch: Man muss die Funktion aktivieren. Gern würde Microsoft das Spielchen umdrehen: Ab Werk käme das Betriebssystem dann mit aktivierten Automatismus, und wer das nicht will, müsste die automatischen Downloads außer Funktion setzen.

Mit denen würde der Software-Konzern gern gerade den Teil der Kundschaft beglücken, die echte Nutzer ohne tieferen Einblick in IT-Technik seien. Das Beispiel Blaster zeigt, dass so etwas tatsächlich notwendig sein könnte: Geschlagene vier Wochen lag ein kostenloses Sicherheits-Update abholbereit auf den MS-Servern - und trotzdem ließen sich Hunderttausende von Windows-Nutzern von dem eigentlich sogar schludrig programmierten Blaster-Virus abschießen.

Für Irritationen sorgen immer wieder auch Hoaxes, die per E-Mail verbreitet werden: Ganz aktuell kursiert ein angeblich im Namen Microsofts versandtes Programm, mit dem man Blaster bekämpfen könne. Drin steckt stattdessen ein bösartiges Trojaner-Programm - für Microsoft peinlich, obwohl die Firma tatsächlich nichts mit der Aussendung zu tun hat. Microsoft verschickt aus Sicherheitsgründen keine Programme per Mail; besteht vielmehr darauf, dass Kunden sich diese von einem Microsoft-Server abholen. Das aber tun - siehe Blaster - noch immer zu wenige Anwender.

So etwas könnte man durch die automatische Auslieferung der jeweils aktuellsten Sicherheits- und Service-Flicken vermeiden, wie man das von den Auto-Updates von Anti-Virensoftware kennt. Ein weiterer Vorteil: Die Größe der einzelnen Downloads bliebe in einem relativ vernünftigen Rahmen.

Denn mitunter kommt da schon eine Menge zusammen. Microsoft veröffentlichte wenige Monate nach dem Verkaufsstart von Windows XP ein Service-Paket, um Programmierfehler und Sicherheitslücken zu stopfen. Mit so etwas lässt sich dann schon einmal eine CD-Rom füllen.

Die eigentlich für den Spätsommer angesagte Veröffentlichung des Service-Pack 2 wurde gerade auf den Herbst verschoben - möglicherweise wegen der Blaster-Lücke.

So etwas kostet Geld und Nerven. Microsoft bringt die Service-Packs kostenfrei in Umlauf, verteilt sie millionenfach beispielsweise als Beileger zu auflagenstarken PC-Magazinen. Download-Updates wären da auch aus Perspektive des Unternehmens die billigere Alternative, denn letztlich werden im Web die Vertriebskosten zu einem guten Teil auf den Kunden verschoben. Der auf der anderen Seite verfügt immer öfter über eine breitbandige Verbindung ins Web, die deutlich billiger ist, als noch vor wenigen Jahren.

Perspektiven: Geht es wirklich noch ohne?

Mittelfristig bleibt wohl jedem Softwareunternehmen nur, Updates entweder zu automatisieren oder verpflichtend zu machen. So etwas ließe sich an Gewährleistungs-Garantien binden: Nur wer pflegt, hätte Ansprüche. Das jedenfalls meint Harris Miller, Chef des IT-Verbandes Information Technology Association of America, der in automatischen Updates den Königsweg sieht: "Man kann nicht einfach eine Warnung herausschicken und hoffen, dass die Leute in den Laden kommen und ihre Reparaturen erledigen".

Man könne aber auch nicht einfach eine Verbindung zwischen Rechner und Softwarekonzern aufmachen, ohne dass der Kunde mitbekommt, wer da welche Informationen und Dateien austauscht, meint Set Schoen von der Electronic Frontier Foundation. Eine Diskussion, die auch in dieser Form schon etliche Male geführt wurde und auch diesmal wohl kaum gelöst werden wird. Die Idee eines unabhängigen, Plattform- und Firmenübergreifenden Update-Servers läge da eigentlich nahe. Wer hätte noch etwas gegen automatische Updates, wenn eine kontrollierbare Instanz dafür garantieren würde, dass nicht gleichzeitig Informationen "gesaugt" werden?

Frank Patalong