Nachrichten von der Cebit: Jubel, Trubel, Streitbarkeit - DER SPIEGEL
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Nachrichten von der Cebit Jubel, Trubel, Streitbarkeit

Nachrichten en masse am ersten Cebit-Tag: Größen aus Wirtschaft und Politik nutzen die Bühne der weltweit beachteten Messe, um ihre Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Vom Streit um Vista bis zu den coolsten Gadgets: Wir fassen die wichtigsten Cebit-News zusammen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Traditionell beherrschen zwei Ereignisse den ersten Messetag in Hannover: Der Messerundgang des jeweils amtierenden Bundeskanzlers und die Lautmeldungen des Branchenverbandes Bitkom, der die Messe zum einen für bilanzierende Mitteilungen, zum anderen zum politischen Lobbyieren nutzt. In diesem Jahr gesellen sich noch einige Bundesminister sowie EU-Medienkommissarin Viviane Reding dazu und machen IT-Politik. Derweil trommeln diverse Unternehmen mit ihren Themen um Aufmerksamkeit.

Doch trotz kräftiger Industrie-Themen beherrschte die Politik den ersten Messetag. EU-Kommissarin Viviane Reding trat gleich mit zwei Themen an die Presse heran: Mit der Forderung nach einem europäischen Standard für Mobil-TV sowie mit der Forderung nach einer Absenkung der umstrittenen Roaming-Gebühren von Mobilfunkfirmen. Demonstrative Zustimmung und eine prinzipielle Einigung in der Frage gab es von Seiten der 27 für den Bereich Telekommunikation zuständigen Minister der EU-Mitgliedsländer - der Auftritt auf der Cebit war offenbar gut vorbereitet.

Zypries Zehn-Punkte-Plan

Die Bühne der Cebit nutzte auch Justizministerin Brigitte Zypries für sich: Sie kündigte mit "eJustice" ein Programm an, die Justiz mit elektronischen Mitteln zu beschleunigen. Gemeinsam mit der Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) stellte sie den Plan zur Förderung des "elektronischen Rechtsverkehrs" vor. Danach sollen die verwendeten Datenformate weiter standardisiert sowie Abläufe und Technik anwenderfreundlicher werden. "Ziel ist es, einen Großteil der Verfahren bis 2010 elektronisch abwickeln zu können", erklärte Zypries.

Die so genannte eJustice sei vorteilhaft für alle Beteiligten, betonte die Ministerin. Sie sei schneller und ermögliche elektronische Akten. Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür seien geschaffen, müssten aber noch besser genutzt werden. Schon jetzt könnten Anwälte und Behörden Schriftsätze in elektronischer Form bei allen obersten Bundesgerichten einreichen. Die Länder bauten ihr Angebot "zügig" aus.

Das klingt nach Bürgerfreundlichkeit und guten Absichten: Bisher sind die geschaffenen Möglichkeiten aber offenbar wenig genutzt worden. Beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das sein elektronisches Postfach im Dezember 2004 eröffnete, liege die Nutzung bislang "unter ein Prozent", sagte der richterliche EDV-Beauftragte Uwe Berlit auf Anfrage. Bislang gebe es noch keine einzige komplett elektronische Akte. Beim Bundessozialgericht, das seit Anfang dieses Jahres eJustice anbietet, ist nach Angaben eines Sprechers noch kein einziges Verfahren auf diesem Weg eingegangen. Seit Januar können allerdings Eintragungen ins Handelsregister nur noch elektronisch eingereicht werden. Berlit erwartet, dass Anwälte, die das dafür erforderliche Programm auf ihrem Computer installieren, dieses dann auch für andere Schriftstücke nutzen werden.

Die Industrie: Jubelnews und Nachwuchssorgen

Bei dieser Nachrichtenkonkurrenz gingen die frohen Bilanzdaten des Bitkom regelrecht unter. Der Branchenverband hatte in diesem Jahr kaum etwa zu mäkeln: Internet und Computer rückten mittlerweile in jeden lebens- und Arbeitsbereich vor, folglich boome die digitale Wirtschaft. Allein der Umsatz mit Navigationsgeräten (einem der Schwerpunktthemen der diesjährigen Cebit) werde 2007 voraussichtlich erstmals die Milliarden-Euro-Marke erreichen.

Auf frischen Wind für den Arbeitsmarkt hofft Kanzlerin Angela Merkel da, und auch die Branchenvertreter wären darüber froh: Sie finden jedoch nicht genügend qualifizierte Kräfte. Zwar gehöre die vorzügliche deutsche Ingenieursausbildung nach wie vor zu den hiesigen Standortvorteilen, doch quälten inzwischen fast überall Nachwuchssorgen. Die Experten des Branchenverbandes forderten die Industrie auf, ältere Arbeitnehmer durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen länger in den Betrieben zu halten.

Zoff um Vista

Einen Streit um die Geschäftspolitik von Microsoft in Bezug auf die Sicherheitsmaßnahmen in Windows Vista hat derweil Natalja Kaspersky, Chefin des gleichnamigen IT-Sicherheitsunternehmens, vom Zaun gebrochen. Sie warf Microsoft am Donnerstag in Hannover vor, den Herstellern von Sicherheitsprogrammen in vielen Fällen keinen direkten Zugang mehr zum Betriebssystem zu gewähren. Zuvor hatten bereits die Sicherheits-Spezialisten Symantec und McAfee die Produktpolitik des Softwaregiganten scharf attackiert.

Microsoft wies die Vorwürfe zurück. Man biete der IT-Sicherheitsbranche alle notwendigen Informationen zu den Schnittstellen von Windows Vista. Windows Vista sei von Grund auf so entwickelt wurde, dass es sicher sei.

Genau das hatte vorab Virenbekämpfer Eugene Kaspersky in Zweifel gezogen: In einem Jahr, so seine Prognose, werde die Lage genauso schlecht sein, wie mit dem Vista-Vorgänger Windows XP. Computer-Kriminelle würden Wege finden, von Microsoft gesetzte Schranken zu umgehen und die Anbieter von Sicherheits-Software würden wieder einen direkteren Zugang bekommen. Derzeit seien die Virenschreiber gewissermaßen im Vorteil: "Schadprogramme müssen nicht von Microsoft zertifiziert werden, unsere Software schon."

pat/AFP/AP/dpa

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