Naheliegend Sex und Quoten
, so wird man auf der Website begrüßt, "bringt alles, was Männer mögen: Finanzen und Erotik". Fehlen eigentlich nur Autos und ein paar Interviews, und man wäre bei der Website, die sich der deutsche "Playboy" hartnäckigst nicht leistet. Nach nur wenigen Tagen im Web spürt man bereits, wie viel Erfahrung mit den Medien Jana Schleske, die PR-Verantwortliche der Betreiberfirma ContentPro, inzwischen sammeln konnte. Gern erklärt sie, worum es geht: "Wir halten uns da nicht bedeckt!"
Das wäre auch seltsam. SexyStoxx dürfte derzeit das ungewöhnlichste Angebot mit Börsenkursen sein, das im deutschen Internet kursiert. Auf jeden Fall ist es unter all den sachlichen, nackten Zahlenangeboten das allernackteste: Jede Tabelle, jede Nachricht wird von einer allenfalls rudimentär bekleideten Schönen flankiert. "SexyStoxx", hieß es in der Pressemitteilung zum Launch der neuen Website, "vereint als erster Anbieter die populären Inhaltsbereiche Finanzmarktinformationen und erotische Fotografie. So wird jeder Kursabruf zum visuellen Erlebnis".
Dass darauf vorher noch niemand gekommen ist, muss schon verwundern. "Wir haben eine Menge Aufmerksamkeit bekommen", berichtet erfreut Jana Schleske, will aber die Frage, ob ContentPro sich diese Aufmerksamkeit denn so gewünscht habe, dann doch nicht beantworten: "Ich verbinde sie einmal mit Herrn Hoffmann!"
Günther Hoffmann ist der Gründer und Geschäftsführer von ContentPro. Schnell wird deutlich, dass er sich durchaus seine Gedanken gemacht hat, bevor er mit dem SexyStoxx-Konzept an die Öffentlichkeit ging. "Wir beobachten diesen Markt ja seit einiger Zeit", sagt Hoffmann. "Die Fan-Gemeinde der an Börsennachrichten Interessierten ist inzwischen so groß, dass ich fest daran glaube, dass man diese Zielgruppe weiter segmentieren kann."
Das klingt plausibel: Wenn Millionen sich für Börsenwerte interessieren und somit Websites mit entsprechenden Angeboten zu lukrativen Geschäften machen, dann steigt natürlich auch die Zahl der Anbieter - aber es wächst auch die Möglichkeit, einzelne Segmente dieser großen Zielgruppe mit stärker an ihren Interessen orientierten Angeboten zu bedienen.
Mit Sex zum Beispiel. "Bei steigenden Kursen wird der Besucher durch die begleitende Lady verwöhnt, bei fallenden Kursen wird er aufgemuntert", heißt es dazu in der Pressemitteilung. Das macht SexyStoxx zum Angebot für zuwendungsbedürftige heterosexuelle Finanzjongleure - zumindest wenn man vom männlichen Teil der Besucherschar ausgeht.
Und hier zeigt sich auch, wie viel mehr SexyStoxx noch bieten könnte. Günther Hoffmann: "Ich wurde von mehreren Gay-Magazinen angerufen und gefragt, warum da nur nackte Frauen zu sehen sind." Das sei doch klar, sagt Hoffmann, dass da noch Spielraum denkbar wäre: "Warum sollte man auf SexyStoxx nicht irgendwann einen Button finden, hinter dem sich das begleitende Bildprogramm für homosexuelle Surfer verbirgt?"
Ja, warum nicht? Der Medienwissenschaftler Bernward Wember hätte da vielleicht einen Einwand: Er schrieb 1976 mit "Wie informiert das Fernsehen?" den Klassiker der Medienforschung über die so genannte "Text/Bild-Schere". Text und Bild, meint Wember, müssen sich ergänzen. Lenkt das eine vom anderen ab, dann wird eine Information diskriminiert und nur die andere wahrgenommen. Wahrgenommen, meint der ehemalige TV-Mann Wember, wird natürlich das Bild. Das ist völlig okay, wenn man nichts zu verlieren hat - aber möglicherweise fatal für einen Daytrader.
Günther Hoffmann jedenfalls hat Pläne. Wann und wie er mit dem Angebot Geld verdienen will, verrät er noch nicht. Werbebanner hätten es auf den grafisch aufmerksamkeitsstarken Seiten wohl schwer. Aber denkbar sind ja verschiedene Wege, schließlich sei SexyStoxx ja ein Angebot von hoher Qualität: Gut aufbereitete Informationen und geschmackvolle Bilder, wie Hoffmann unterstreicht. "Im Augenblick lassen wir mit SexyStoxx einen Versuchsballon steigen", wiederholt Hoffmann, "mal sehen, was daraus wird."
Frank Patalong