Napster Hilferuf an die US-Regierung
Die nach Klagen der Musikindustrie abgeschaltete Online-Tauschbörse Napster hat bei ihren Bemühungen um Lizenzen der großen Musikkonzerne die US-Regierung um Hilfe gebeten. Wenn sich Musikkonzerne und unabhängige Vertriebssysteme wie Napster nicht über die Vergütung von Urheberrechten einigen könnten, müsse der Kongress die Festlegung verbindlicher Lizenzpreise erwägen, sagte Napster-Chef Konrad Hilbers vor Musikern, Juristen und Vertretern der Musikindustrie in Washington.
Der ehemalige Bertelsmann-Manager Hilbers sagte weiter, der Kongress könne die Behörde für Urheberrechte anweisen, eine pauschale und verbindliche Lizenzgebühr festzulegen. "Wenn Rechteinhaber und neue, unabhängige Vertriebsinitiativen kurzfristig keine Einigung erzielen können, hat der Kongress kaum eine andere Wahl, als verbindliche Lizenzgebühren in Erwägung zu ziehen." Solche Pflichtabgaben werden beispielsweise bereits von Rundfunksendern gezahlt.
Napster könne noch in dieser Woche eine Testversion starten, sagte Hilbers - kaum überraschend, denn der Betatest des Dienstes läuft seit Monaten. Die größte Hürde vor einem Launch seien aber immer noch fehlende Lizenzen der großen Musikkonzerne.
Analysten zufolge könnte es auch nach Erhalt der Lizenzen schwierig werden für Napster, seine einst 60 Millionen Nutzer zurückzugewinnen. Schließlich biete eine Vielzahl von Napster-Nachfolgern weiter kostenlos im Internet Musik an.
Napster galt in seiner Frühzeit als Inbegriff der Anarchie im Internet, weil Nutzer dort komprimierte Musikdateien kostenlos und ohne Kontrolle der Musikkonzerne tauschen konnten. Diese Rolle spielen inzwischen verteilte Netzwerke wie Gnutella oder Morpheus/KaZaa, die über keinen zentralen Server mehr verfügen und darum auch - anders als Napster - nicht "abschaltbar" sind.
Napster ging im vergangenen Sommer "freiwillig" vom Netz, nachdem die Musikindustrie vor Gericht gegen das Angebot vorgegangen war und die P2P-Tauschbörse durch zahlreiche gerichtliche Auflagen praktisch handlungsunfähig geworden war. Mit Hilfe von Krediten der deutschen Bertelsmann AG will Napster seit Herbst 2001 als kostenpflichtiger Abonnement-Service neu an den Start gehen. Doch obwohl die Industrie mit den Konkurrenzunternehmen MusicNet und PressPlay inzwischen eigene Online-Vermarktungsfirmen betreibt, zeichnet sich im Fall Napster keinerlei Bewegung ab. Der avisierte Starttermin für den legalisierten Dienst wurde bereits mehrere Male verschoben.