Napster Meditiert da wer?
Napster sammelt weiter Klagen. Die Neueste, in dieser Woche bei einem Bezirksgericht in Portland eingebracht, ist ganz besonders originell: Das Centerpointe Research Institute verklagt Napster nicht nur, weil man seine Meditationsmusik nach wie vor über die P2P-Börse finden kann, sondern auch, weil diese dort ohne "entsprechende Warnhinweise" vertrieben wird. Centerpointe sorgt sich nicht nur um die Wahrung seiner Copyrights (natürlich Hauptbestandteil der Klage), sondern auch um die Sicherheit im Straßenverkehr.
Denn vor der Musik von Centerpointe muss gewarnt werden: In der Klageschrift heißt es, die meditativen Klänge könnten dazu führen, dass beispielsweise Fahrer am Steuer einschlafen. Daher sei beim Verbreiten der Musik eine entsprechende Warnung notwendig.
Dabei ist inzwischen klar, dass es zum Einschläfern von Napster-Usern keine Meditationsmusik braucht: Dafür reichen Filter. Die, sagt der Monatsbericht des Marktforschungsinstitutes Webnoize, arbeiten inzwischen ganz außerordentlich effizient. Der durchschnittliche Napster-Nutzer findet zwar nach wie vor Meditationsmusik, aber selten solche, die er wirklich sucht. Was in den Charts notiert ist, bleibt verborgen.
Entsprechend bröckeln die Nutzerzahlen weiter ab. Auf täglich gerade noch 320.000 Eingeloggte kam Napster demnach im Schnitt des letzten Monats. Es gab Zeiten, da kamen fast 1,6 Millionen User am Tag.
"Schuld" ist das Filter-Programm "10.3". Das liest nach Napster-Angaben die Klangstrukturen der Musikdateien und kann so geschützte Titel auf den Computerfestplatten ihrer Nutzer erkennen. Zuvor hatten viele Napster-Nutzer ihre Musikdateien so verändert, dass von der Tauschbörse verwendete Filter die Titel nicht entdecken konnten.
Die neue Filtersoftware arbeitet allerdings so gut, dass die Fans inzwischen auch Musik nicht mehr entdecken können, die eigentlich gar nicht geschützt ist. Napster teilte ohne weiteren Kommentar mit, ein aktualisiertes Programm solle Nutzern künftig den Zugriff auf Musikstücke ermöglichen, die derzeit unbeabsichtigt blockiert seien. Für den Verlauf des "Meditations-Prozesses" wäre es wohl zudem günstig, einen Esoterik-Filter zu montieren. So was, siehe oben, sollte es auch für Autoradios geben.