Napster: Und noch ein Filter... - DER SPIEGEL
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Napster Und noch ein Filter...

Das Spiel geht weiter: Napster intensiviert seine Bemühungen, die eigenen User daran zu hindern, den P2P-Dienst zu nutzen. Seit Anfang der Woche durchsuchen Napster-Filter die Datenbestände auch nach Klangmustern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

San Jose - Die neueste Filtersoftware der Internet-Tauschbörse Napster erkennt Musikstücke nicht nur an ihrem Namen, sondern auch an Klangcharakteristiken. In einer am Montag auf der Napster-Website veröffentlichten Mitteilung hieß es, der Filter suche nach "Fingerabdrücken" der Musik.

Filter verschiedener Art werden von Napster eingesetzt, um der gerichtlichen Verfügung nachzukommen, dass urheberrechtlich geschützte Musikstücke nicht bei Napster angeboten werden dürfen. Napster hatte im vergangenen Monat bekannt gegeben, dass es eine Technik von Relatable LLC lizenziert hat, die Musik unabhängig vom zur Speicherung verwendeten Dateiformat erkennen kann.

In ersten Kommentaren von Brancheninsidern hieß es, dass der Einsatz des Relatable-Filters kaum spürbare Effekte zeige. Populäre Musik im Napster-Dienst zu finden ist mittlerweile allerdings schwer geworden. Die Implementierung zusätzlicher Filter wird darum auch zum einen als "Friedensangebot" an die Musikindustrie, zum anderen als Vorbereitung auf die Einführung des für den Sommer avisierten "Kommerz-Napsters" gesehen. Nur, wenn es Napster gelingt, Musikdateien zweifelsfrei zu identifizieren, hat das geplante Abo-Modell eine Chance zu funktionieren, ohne dass User mit dem Tausch copyright-geschützter Titel fortfahren.

Die Erkennung von Musikstücken anhand von Klangmustern ist kein profanes Problem. Die meisten Pop-Kompositionen beruhen auf Guitarren-Akkord-Abfolgen, die sich hochgradig ähneln. Basierend auf 2/4 oder 4/4-Takten werden meist drei- oder vier-Akkord-Folgen eingesetzt, die relativ engen Grundmustern folgen.

Eine Grundmelodie, die zum Beispiel auf Standard-Griffen wie C/G/am/F beruht, findet sich in der Pop-Musik viele tausend Mal. Ein zu wenig "sensibler" Filter könnte darum so grundverschiedene Titel wie "No woman, no cry" von Bob Marley, "So lonely" von Police oder "Let it be" von den Beatles für ein und das selbe Stück halten. Tatsächlich sind die genannten Titel - in ihren Strophen-Teilen - mehr oder minder identisch: Sie unterscheiden sich vor allem durch die auf die Grundmelodie aufgesetzte Singmelodie. Manche Experten begegnen darum "Sound recognition"-Filtern mit Skepsis: Sie befürchten, dass man mit einer solchen "Schrotflinten"-Software beim Versuch, einzelne Stücke zu sperren, gleich Hunderte regelrecht "abschießt".

Napster wird seit Einführung von Filtersoftware deutlich weniger genutzt. So wurden im April nur noch 1,5 Milliarden Musikstücke über Napster aus dem Internet heruntergeladen, was im Vergleich zu den 2,8 Milliarden im Februar ein Rückgang um 41 Prozent ist, wie der Analyst Matt Bailey vom Forschungsunternehmen Webnoize mitteilte.

"Es ist sehr schwierig, an Material zu kommen, dass bei Napster gesperrt wurde", sagt Bailey. Die Zahl der Napster-Nutzer sei von durchschnittlich 1,6 Millionen Menschen auf nur noch knapp eine Million zurückgegangen. Und die Bandbreite der getauschten Musik sei deutlich geringer geworden.

Die US-Musikindustrie hat Napster verklagt, weil das Unternehmen nicht verhindert haben soll, dass auch urheberrechtlich geschützte Musikstücke über das Internet verbreitet werden. Der Streit dauert an.

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